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Europäischen Ufern zu sein, ob er aber eben in Amsterdam wieder anländen möchte, zweiffelt er annoch selbst. Ihnen, mein Herr, stehet nunmehr frei, in ihr Vaterland zu reisen, so bald es beliebig, doch bitte, mit dem Herrn G. v.B. bald sich der kapitän Horn selbst, oder ein anderer von uns Abgeordneter, bei einem von diesen beiden Herrn melden wird, soll er auch zugleich den fernern Verfolg unserer geschichte mit sich bringen, welche ich ordentlich auszuarbeiten mir hinfüro noch mehr Mühe, als bisshero, geben werde. Tragen sie doch mittlerweile in ihrem Patria einige sorge, uns eine hinlängliche Buchdruckerei nebst dazu behörige Personen zu procuriren, jedoch nur auf den Fall, wenn der kapitän Horn oder jemand anders von uns sich bei ihnen meldet, damit es zu solcher Zeit nicht allzu grosse Weitläufftigkeiten und langes Warten verursachet. Denn ich halte davor, dass uns oder unsern Nachkommen, in zukunfft, obgleich eben jetzt nicht, eine Buchdruckerei sehr nötig sein möchte. Vor innliegenden Wechsel-Brieff â 5000. Tlr. den ich Ihnen zum Abschiede verehrt haben will, wird Herr W. die Gewähre leisten, wobei nicht zweiffele, dass Sie solches Geld zu ihren guten Nutzen anwenden, anbei die Beförderung der Ehre GOttes, auch die Liebe des nächsten nicht vergessen werden, ich vor meine person verlange weder mündlichen noch schrifftlichen Danck, sondern eine getreue Freundschafft davor, die zu recompensiren alle fernere sorge tragen werde, wofern der Himmel die gelegenheit befördert. sollte mittlerweile etwas von besonderen mechanischen oder andern curieusen Sachen beschrieben und ausgearbeitet werden, so bitte alles wohl zu notiren, auch wo möglich, in naturâ parat zu halten, damit unsere Gesandten keine Zeit zu verspielen nötig haben. Bei künfftigen Geld-Mangel, zu dergleichen wird Herr G.v.B. Herr W. und mein Vetter in meiner GeburtsStadt hoffentlich jederzeit zu helffen nicht verweigern, welchem letzteren beiliegendes Paquet AbschiedsBriefe, mir nächster Post zuzusenden sind, wie ich denn selbigen bei gelegenheit, und so offt es möglich, zu besuchen bitte. Ich schliesse, weil mich alles an weitern Schreiben verhindern will, empfehle Sie deswegen nochmahls der guten Hand Gottes, und verbleibe

Monsieur,

votre fidele Ami

Eberhard Julius.

P.S.

So gleich bei Zusammenlegung des Briefes erfahre, dass einer von unsern 3. angenommenen Glassmachern entlauffen ist, und den kapitän Horn mehr als 500. dukaten entwendet habe, jedoch wir wünschen, dass sie ihm nicht nach Verdienste gedeihen.

IV.

Monsieur,

Dessen glückliche Ankunfft in Zell, erfreuet mich noch vielmehr, als dass meine Ihm aufgetragene Commission nach Wunsche ausgerichtet worden, wovor aber höchlich verbunden bin. Die Pack-Fässer werden nunmehr vielleicht schon vor einigen Tagen in Magdeburg angelanget sein. Hätte ich gewust, dass Sie Ihren anfangs gemachten Reise-Cours verändern würden, so hätte man erliche Tlr. Fracht Gelder menagiren können. Die eingelauffenen Antworts-Schreiben folgen hierbei, ingleichen ein Päcklein vermutlich vergessnes Zeuges, welches des Post-Geldes wert ist. Zukünfftiger Correspondenz wegen erwarte von Zeit zu Zeit Addresse, und verbleibe unter Emphehlung Göttl. Schutzes

M.H. Hn.

Hamburg, den 4. Jan. 1730.

bereitwilligster Diener

H.W.

V.

Edler etc.

Insonders Hochgeehrter Herr.

Vor das übersandte dancke freundlichst, und suche gelegenheit, mich hinlänglich zu revangiren, wovon anbei eine geringe Marque gebe, bitte mir aber dabei aus, ehesten den Ort zu benahmen, wo Sie sich beständig aufzuhalten belieben werden; weiln vermercke, dass sie dissfalls noch nicht schlüssig sind. Beikommendes sub J.B.F. hat schon über 14. Tage in meiner Verwahrung gelegen, was es ist, weiss ich nicht. Mit Verlangten will nach erhaltener Nachricht ihres Auffentalts hertzlich gern dienen, und dabei desto ausführlicher schreiben, jetzt fehlet Zeit, doch bin

Ew. Edl.

Hamburg, den 8. Febr. 1730.

aufrichtiger Freund

H.W.

Fussnoten

1 Dieses ist der gute Mensch, welcher, wie in der Vorrede des ersten Teils gemeldet worden, so unglücklich gewesen, vom Post-Wagen herunter zu stürtzen, und das Leben zu verlieren. 2 Solcher wird, Gisanders gemachter Ordnung nach, bei uns der 3te teil werden.

Wunderliche FATA einiger See-Fahrer,

Dritter teil,

oder:

fortgesetzte

Geschichts-Beschreibung

ALBERTI JULII,

eines gebohrnen Sachsens, seines, im Jahr 1730.

erfolgten Todes, und seiner auf der Insul

Felsenburg (wo er in seinem 103ten

Lebens-Jahre beerdiget worden) in vollkomenen Stand gebrachten Colonien, entworffen von des

Bruders-Sohnes-Sohnes-Sohne,

Mons. Eberhard Julio, Curieusen Lesern aber

zum vermutlichen Gemüts-Vergnügen

ausgefertiget, auch par Commission dem

Drucke übergeben

Von

GISANDERN.

Vorrede.

Sat cito, si sat bene.

Ein jedes gutes Ding will Zeit und Weile haben,

Den, der ihm günstig ist, um desto mehr zu laben.

Geneigter Leser!

Mit diesem uhralten Sprichworte, überreiche ich dir hiermit, pro nunc, den dritten und letzten teil der Felsenburgischen geschichte, und bringe denselben, als ob ich, wegen des langen Aussenbleibens, mich zu schämen ursache hätte, nicht etwa unter dem Mantel, sondern frei und öffentlich hergetragen. Sei so gütig, denselben erstlich mit solcher Aufmercksamkeit, als die vorigen, durchzulesen, so wirst du mich hernach ohne allen Zweiffel entschuldiget halten, dass ich nicht ehe damit erschienen bin. Bekandt ist es, und ich hätte, wenn