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Ankunfft in Felsenburg, gnugsame Zeit u. Bequemlichkeit dazu zu finden. In Erwegung meiner wichtigen Beschäfftigung, wird mir niemand übel nehmen, dass ich voritzo so kurz abbreche, und nicht einmal die gewisse Zeit meiner Abreise melde, denn ich lasse, wie gesagt, meine ganzen Manuscripta, dem geliebten Freunde in Hamburg zurücke, welcher sich nicht wagen will, mir das Geleite biss nach Amsterdam zum kapitän Horn zu geben. Jedoch werde nicht unterlassen, demselben noch vor unserer Abfahrt Briefe zuzusenden, um zu bezeugen, dass ich sei

Dessen, wie auch aller geehrten künfftigen Leser

meiner entworffenen Felsenburgischen Ge

schichts-Beschreibung

ergebener Diener

Eberhard Julius, D.B.

Nun folgen die Copien einiger Briefe, welche Mons. Eberhard Julius an seinen Freund, der das ganze Werck ediren sollen, annoch vor feiner Abreise aus Amsterdam geschrieben, ingleichen einige von Herrn W. aus Hamburg:

I.

Monsieur,

& tres cher ami.

Wie ich nicht zweiffele, es werde sich dessen Maladie gezeigter Besserung nach bald verlohren haben, so wünsche zu einer völligen Cur allen himmlischen Seegen. Ein fleissiges Gebet, ordentliche Lebens-Art und Verbannung alles Chagrins wird vielleicht bei den zu brauchenden Artzeneien das beste rhun. Wir sind den 8. Octobr. glücklich in Amsterdam eingetroffen, und dürfften uns wenigstens noch 5. biss 6. Wochen allhier zu bleiben gemüssiget finden, denn es fehlen uns nicht allein noch einige verschriebene Leute und höchst-nötige Sachen, sondern wir haben auch ausserdem wichtige Ursachen, nicht ehe von dannen zu fahren. Hierbei folget noch eine kurtze Beilage zur Geschicht, welche ich annoch in meinem Chatoull gefunden, und die sie gehöriges Orts anzubringen wissen werden. Herr Herrmann ist etwas unpass, wir hoffen aber dessen baldige Genesung, so wohl als meiner lieben Schwester, welche von einem leichten Fieber befallen war, jedoch gänzlich restituirt ist. Die Matematischen Instrumenta, welche sie an Herrn G.v.B. addressirt uns nachsenden sollen, dancke nochmahls vor ihre Bemühung. Innliegende Briefe an meinen Vetter, wie auch andere Personen an verschiedenen Orten, bitte, jedoch die letzteren nicht ehe, als nach 3. biss 4. Wochen, richtig zu bestellen, denn ich habe dissfalls meine besonderen Ursachen.

Von der vortrefflichen Hällischen Medicin hätten wir gern noch etliche vollständige Apoteckgen, sie wären zwar allhier auch zu haben, allein, es hat mir ein besonderer Freund die Furcht wegen einer Verfalschung eingejagt, deswegen versäumen Sie keine Zeit, uns wenigstens noch 12. St. anhero zu senden, indem ich nicht zweiffele, dass sie noch zu recht kommen werden. Von noch einigen andern besonderen Sachen, die wir in Hamburg am füglichsten einzukauffen vergessen haben, wird sich Herr W. unfehlbar mit Ihnen besprechen, als an welchen ich voritzo zugleich ausführlich geschrieben habe. Inmittelst empfehle Dieselben Göttl. Schutzwaltung, und verharre beständig

Monsieur & tres honore Amy

le Votre

Eberhard Julius

II.

Monsieur, mon cher Ami.

Die Versicherung von Dessen itzigen Wohlbefinden hat mich ungemein vergnügt, wünsche, dass selbiges viel und lange Jahre biss an das ordentliche LebensZiel bestand haben möge. Die Medicamenta habe in 8 Kästlein wohl erhalten, bedaure, dass nicht wenigstens noch 4. dabei sein können. Hoffe aber, die Göttliche Vorsorge werde solchen Mangel unmittelbarer weise ersetzen, so lange wir derselben mit reinem herzen vertrauen. Es ist mir sonsten noch ein und anderes beigefallen, worin sie uns vor unserer Abreise besondere Gefälligkeiten erweisen können, allein, weiln die Zeit nunmehr verflossen, indem wir uns keine 10. oder 12. Tage langer alhier zu bleiben vermuten, so halte vor unnötig, etwas davon zu melden. kapitän Horn hat wegen seiner Schiff-Fart einige Verdrüsslichkeiten, jedoch weil man klärlich siehet, dass es eine blosse Geldschneiderei zu bedeuten hat, wird wohl alles ohne besonderen Schaden beizulegen sein. Am verwichenen Sonntage hat unser lieber Prediger, Herr Jacob Friedrich Schmeltzer, zu meines Vaters und meinem selbst eigenen Vergnügen sich mir meiner Schwester Juliana verlobet, die Priewir glücklich in Felsenburg angelangt sein. Auch hat meine Schwester zwei arme, aber sehr artige und tugendhaffte Freundinnen gefunden, welche sich als ein paar Vater- Mutter- und Freund-lose Waisen belieben lassen, mit uns nach Felsenburg zu reisen. Sonsten weiss voritzo nichts sonderbares zu berichten, bitte aber, sich so lange noch in Hamburg aufzuhalten, biss sie vor dieses mahl das letzte Schreiben von mir erhalten haben, welches am Tage unserer Abfahrt ausgefertiget werden soll, womit unter Empfehlung Göttlicher Obhut beharre

Monsieur, mon cher Ami

le Votre

Eberhard Julius.

III.

Monsieur, mon cher Ami.

Endlich nach Uberwindung noch vieler Verdrüsslichkeiten, die wir uns nicht eingebildet hätten, und die ich ihnen weitläufftig zu berichten, jetzt vor unnötig halte, sondern solches biss zu seiner Zeit versparen will, sind wir resolvirt, diesen Nachmittag, als den 27. Nov. uns zu Schiffe zu begeben, und unter Göttl. Geleite abzuseegeln, weswegen mit diesem Schreiben, auf dieses mahl, mein letztes Adieu von Ihnen nehme, und mit kurtzen Worten, jedoch getreuen herzen, Sie der Göttl. Vorsorgen empfehle, als in welcher alles unser zeitliches und ewiges Glück und Vergnügen beruhet, wie denn auch nicht zweiffele, dass sie uns Reisende mit in ihr tägliches andächtiges Gebet einschliessen werden. So ferne es mit erlaubnis unserer älteren und Obern geschehen darff, vornehmlich aber es dem Himmel gefallen will, verspricht sich der kapitän Horn, ehe zwei Jahr völlig verlauffen, wieder an den