unser aller eintziger Erbe, in Deutschland, sein und bleiben sollte, indem mein Vater noch nicht völlig resolvirt war, Zeit Lebens in Felsenburg zu bleiben, so bekam er doch von uns solche starcke Geschencke und sonderbare Vorteile in die hände, dass er ohngescheut wagen durffte, auch den vornehmsten Capitalisten um seine Tochter anzusprechen. Sein voriger Herr roch den Braten gar balde, suchte deswegen zum Scheine, unter diesen und jenen Vorschlägen ganz genaue Freundschafft zu stifften, liess aber auch unter der Hand meinem Vetter die Wahl anbieten, sich eine von seinen Töchtern zur Frau auszulesen; allein derselbe war ungeachtet der zu hoffen habenden starcken Mitgifft so capricieus, dass er zur Antwort gab: wer seine redliche Affection der Zeit nicht æstimirt hätte, da er kaum etliche 100. Tlr. im Vermögen gehabt, dessen Schwiegerschafft achtete er nun mehro auch nicht, da ihm der Himmel durch die Generositee redlicher Bluts-Freunde in den Stand gesetzt, dass er nicht die geringste Ursache hätte sich nach einer bemittelten, wohl aber tugendhafften Braut umzusehen.
Diese Resolution gefiel uns ungemein, indem er aber zu vernehmen gab, wie er eine besondere Affection auf die tugendhaffte jüngste Tochter des Herrn Senioris geworffen hätte, ungeachtet, er wohl wisse, dass wegen der vielen Kinder von dem Ehrwürdigen Herrn kein starckes Heirats-Gut zu hoffen sei, als liess sich mein Vater dieses von herzen angenehm sein, begab sich selbst zum Herrn Seniori, und brachte auf einmal das Jawort, so wohl von dem Herrn Schwieger-Vater, als der Jungfer Braut mit nach haus.
Indem aber ich von dem kapitän Horn aus Amsterdam immer Brieffe über Brieffe bekam, meine Zurückkunfft zu beschleunigen, damit uns nicht die verdrüssliche Witterung vor völliger Einrichtung unserer Sachen über den Halss kommen möchte, als trieb ich auch die Meinigen an, sich aufs schleunigste wegfertig zu machen.
Demnach wurde meines lieben Vetters Verlöbniss und Hochzeit auf einen Tag in aller Stille celebrirt, ich schenckte den beiden Verliebten annoch vor 12000. Tlr. Jubelen, versprach, wo es nur möglich sein wolte, in zukunfft ein 10. mahl mehreres zu tun, und war nachher beschäfftiget, alle eingekauffte Waaren in das bedungene Schiff einzuschiffen. Ich erstaunete anfänglich gewaltig über die entsetzliche Quantität gedruckter Bücher, welche Herr Schmeltzer jun. und Herr Herrmann vor diejenigen Gelder, welche ich zu ihrer Disposition überlassen, eingekaufft hatten, ja ich hätte fast vermeinet, dass in allen Städten auf 20. Meilwegs herum, nicht so viel Bücher anzutreffen wären, machte mir aber eine hertzliche Freude daraus, zumahlen, da sie einen feinen BuchbindersGesellen Johann Martin Rädler aus dem Hildesheimischen gebürtig, in ihren Dienst genommen, auch eine ungemeine Quantität Buchbinder-Materialien dazu angeschafft hatten.
Am 12. Julii langeten endlich die letzteren FrachtWagens mit Kupffer, Zinn, Messing, Blei und andern Materialien an, welche ich zum Mitnehmen bestellet, und alles so gleich einschiffen liess, so dass wir am 28. Julii nach genommenen zärtlichen Abschiede von allen treugesinneten Freunden, aus meiner GeburtsStadt abreisen, und uns auf die Fart nach Hamburg begeben konnten, wo von dem redlichen Herrn W. ebenfalls Abschied zu nehmen, es unsere Schuldigkeit so wohl, als ein und andere notwendigkeit erforderte. Wir hatten eine ungemeine, bequeme und vergnügte Reise, überrumpelten auch den Herrn W. in Hamburg zum grössten Vergnügen, da er sich unserer am wenigsten versahe, ich will mich aber mit einer weitläufftigen Erzehlung seiner vielfältigen Anstalten, die er binnen 14. Tagen zu unser trefflichsten Bewirtung blicken liess, nicht aufhalten, sondern nur melden, dass er eine uninreressirte vollkommene Freundschafft gegen uns bezeugte, welche wir auf alle möglichste Art zu erwiedern bedacht waren.
etwa 6. oder 8. Tage vor unserer Abreise kam ein armer Studiosus in des Herrn W. Behausung, der so wohl bei ihm, als dessen Informatore um ein Viaticum Ansuchung tat. Ich erkante denselben sogleich vor denjenigen, der er würcklich war, nämlich vor einen meiner ehemahligen besten Universitäts-Freunde in Kiel. Diesen ehrlichen Menschen1 hatte ich in ungemeinen Wohlstande verlassen, verwunderte mich deswegen nicht wenig, ihn also verändert anzutreffen, zumahlen, da seine Meriten eines besonderen Glücks würdig sind. Es hielt mich weiter nichts ab, als seine kränckliche, zur Schwindsucht und Blutauswerffen sehr geneigte Leibes-Constitution, dergleichen Personen sich zu See-Fahrern gar nicht schicken, sonst hätte ich ihn leichtlich zur Mit-Reise nach Felsenburg persuadiren wollen; Solchergestalt aber sah vor besser an, demselben ein ansehnliches Capital zu Beförderung seiner zeitlichen Wohlfart in die hände zu liefern, wovor er mir weiter keine andere Danckbarkeit erweisen, als diese gegenwärtige GeschichtsBeschreibung der Felsenburger, jedoch nicht eher biss nach meiner Abreise, förmlich in Druck geben solle.
Ich glaube, dass es ihm zwar einige Mühe kosten wird, meine confuse schreibe-Art auseinander zu finden, denn meine Umstände haben noch niemals zulassen wollen, selbige durch eigenen Fleiss in behörige Ordnung zu bringen, jedoch wird es curieusen Leuten, ob gleich kein vollkommenes, dennoch einiges Vergnügen erwecken, wenn ihnen nur die Haupt-Sachen bekandt gemacht werden. ist es möglich, so soll binnen zwei oder drei Jahren der andere Teil2 zum Vorscheine kommen, worin ich meine Verrichtungen in Amsterdam, die zweite Abfahrt von dar nach Felsenburg, und die Lebens-geschichte meines Vaters, meiner Schwester und anderer Reise-gefährten, etwas deutlicher und ordentlicher, als bisshero geschehen, beschreiben will. Denn ich verhoffe auf dem Schiffe, und nach G.G. glücklicher