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, wo er, der Herr Mag. Schmeltzer, ordinirt worden, ebenfalls ordiniren lassen, und zum KirchenDienste der Felsenburgischen Gemeinden mit mir führen könnte. Nun hatte sich nicht allein Mons. Schmeltzer, so bald er seines Herrn Bruders und mein beigelegtes Schreiben erhalten, alsobald aus der MarckBrandenburg, wo er in Condition gestanden, bei seinen Freunden, wo ich ihn zu sprechen hin beschieden, selbst eingestellet, sondern auch gegenwärtigen Candidatum Herrn Herrmannen, der seit etlichen Jahren sein Hertzens-Freund gewesen, mitgebracht, und zwar aus keiner andern Ursache, als weil er ihn also zu sein befunden, wie ihm Herr Mag. Schmeltzer verlangete, überdieses zumahlen da derselbe die allergröste Lust bezeugt einen geistlichen Missionarium abzugeben, indem er bisshero wenig Beförderer und noch weniger zeitliche Güter vor sich gehabt. Mein Vater bezeugte hierüber ein vergnügtes Nachsinnen, und nachdem ich ihm noch ein und anderes von der Einrichtung unseres dasigen Gottesdienstes, dem neuen Kirch-Baue, den schulen und andern dazu gehörigen Ubungen wiederhohlungs weise desto deutlicher erzehlet, resolvirte er sich in der Geschwindigkeit nebst meiner Schwester einen Reise-gefährten nach der glückseeligen Insul Felsenburg abzugeben, weswegen ich vor Vergnügen fast ganz ausser mir selbst gesetzt wurde. Wie nun, um die Herrn Candidaten, desto baldiger ordiniren zu lassen, keine Zeit versäumen wolte, so liess mein Vater den dasigen Seniorem des geistlichen Ministerii, eines Sonntags Abends aufs freundlichste durch mich und meine Schwester, welche mit dessen Töchtern in genauer Freundschafft stunde, zur Abend-Mahlzeit invitiren, und dieser Exemplarische Priester liess sich endlich auf oft wiederholtes Bitten bewegen, nebst seiner ganzen Familie um bestimmte Zeit zu erscheinen. Die beiden Herrn Candidaten, nämlich Mons. Schmeltzer und Mons. Herrmann, befanden sich auch mit zu Tische, sonsten aber niemand mehr von den StadtLeuten als meines Vaters eintziger vertrautester Freund Herr O.** Unter vielerlei Gesprächen wurde auch von meinem Studiren und dann von meinem ehemaligen Informatore Herrn Mag. Schmeltzern erwehnet, wobei der Senior meldete, dass er denselben vor länger als drei Jahren alhier ordiniret, indem er sich resolvirt gehabt mit einem Ost-Indien-Fahrer zu Schiffe zu gehen, und auf einer gewissen Insul das Wort GOttes zu predigen.

Demnach bedünckte es mich die bequehmste Zeit zu sein, mit denen Brieffen heraus zu rücken, welche mir Herr Mag. Schmeltzer und Herr Wolffgang an den Herrn Seniorem mitgegeben hatten, und solches verrichtete ich bei Auftragung des Confects, bemerckte auch, dass der Herr Senior so viel Vergnügen als Verwunderung unter währendem Lesen schöpffte, indem ihm aber beide zugleich ersucht hatten, von der ganzen Sache unnötiger weise nichts zu melden, weiln zu befürchten, dass die dadurch erregte Neugierigkeit einiger See-Fahrer denen Felsenburgischen Einwohnern nur allerhand Verdrüsslichkeiten verursachen möchten; so legte er die Brieffe stillschweigend zusammen, bewunderte die sonderbaren Führungen des himmels, und versprach sich ein und anderer Dinge wegen, ingeheim mit uns zu unterreden, daferne wir uns wolten belieben lassen, nach aufgehobener Mahlzeit ihn in ein anderes Zimmer zu führen. Mein Vater bezeigte sich gänzlich nach seinem Gefallen, demnach ging der Herr Senior nebst ihm und mir in ein Nebenzimmer, wo ich ihm bei einem Glase des besten Ungarischen Weins den haupt-Inhalt der Felsenburgischen geschichte erzehlete, nachher von ihm verlangete, so bald als es nur möglich wäre, die bei mir habenden zwei Herrn Candidaten nach vorhergegangenen scharffen Examine zu ordiniren, damit ich mit selbigen des ehesten meine Rückreise antreten könnte, er versprach das Examen gleich folgenden Tages anzustellen, und weil die Herrn Candidaten mit seiner erlaubnis herbei geruffen wurden, liess er sich vorläuffig mit denenselben in ein genaues Gespräch ein, welches biss um Mitternachts-Zeit daurete, worauf der Herr Senior nebst seinen lieben Angehörigen nach haus fuhr. Binnen dreien Tagen bekam ich also an offt erwehnten beiden Herrn Candidaten zwei geweihete Priester, beschenckte deswegen das Geistl. Ministerium, die Haupt-Kirche, das Waysen-haus, Hospital und andere Armen dergestalt, dass von einem erhobenen Wechselbrieffe à 10000. Tlr. ordentlich gemachter Einteilung nach, nichts übrig bleiben durffte.

Mein Vater war inzwischen nebst meiner Schwester aufs eifrigste bemühet, seine neu-errichtete Handlung und Wirtschafft, meiner Mutter-Bruders-Sohne auf Rechnung zu übergeben, und denselben vor seiner Abreise mit einer tugendhafften Ehe-Gattin zu beraten, denn er war ein sehr feiner, geschickter, vernünfftiger und wohl gereiseter Mensch, der aber kaum tausend Taler Erbteils-Gelder im Vermögen hatte. Indem er nun seit etwa zweien Jahren bei einem der vornehmsten Kauff-Leute meiner Gebuhrs-Stadt, als Buchhalter in Condition gestanden, mochte sich der gute Mensch die Rechnung gemacht haben, seinem Herrn, durch beständige Treue und Redlichkeit mit der Zeit eine von seinen dreien Töchtern abzuverdienen, deren geschicktes Wesen nebst der starcken Morgengabe die Schönheit der Gesichter bei weiten zu übertreffen schien, allein so bald er sich dieses gegen einen vermeintlichen guten Freund mercken läst, dieser aber nicht reinen Mund hält, wird mein ehrlicher Vetter dergestalt hönisch und spröde von seinem Herrn und dessen ganzer Familie tractiret, dass er vor Verdruss und Kummer, eine Ferne Reise anzutreten, den Schluss fasset. Hiervon hält ihm nun die plötzliche Ankunfft meines Vaters zurücke, und weilen derselbe bald hernach seine Handlung von neuen aufzurichten anfängt, quittiret er die ersten, und gibt sich zu meinem Vater in Dienste. So wohl meines Vaters als mein eigenes Vorhaben war, dieses Menschen zeitliches Glück so viel möglich zu befestigen, und ungeachtet wir ihm nicht gänzlich zugesagt, dass er