, worzu nicht allein alle seine getreu verbliebenen Freunde, sondern auch viele andere geladen wurden, die ihm bisshero Tort getan hatten, nunmehr aber Zeugen seines neuen guten Wohlstandes sein mussten. Ein jeder war begierig einen umständlichen Bericht von meiner Reise und den darauf erworbenen fast erstaunlichen Reichtümern anzuhören, denn mein Vater sagte unverhohlen, dass er nur durch den zwantzigsten teil meiner Baarschafften und Kostbarkeiten, wieder in vorigen, ja noch weit bessern Stand gesetzt worden, allein ich nahm mir vor dissmahl ein Bedencken, allzu aufrichtig im Erzehlen zu sein, sagte deswegen nicht mehr als ihnen allen zu wissen dienlich, mir aber unschädlich sein möchte, und gab vor, ich hätte auf einer gewissen Insul einen vergrabenen Schatz gefunden, auch ein ansehnliches von einem unterwegs verstorbenen speciellen Freunde ererbet, der ein Deutscher von Geburt gewesen, und mich als seinen Lands-Mann in Ermangelung anderer Anverwandten zu seinem Erben eingesetzt hätte. Ubrigens bekümmerte ich mich sehr wenig darum ob man mir vollkommenen Glauben zustellete oder nicht. Hergegen entdeckte ich meinem Vater und Schwester allein das ganze geheimnis, und setzte damit beiderseits in die gröste Verwunderung, beide bezeugten nicht geringe Lust die Insul Felsenburg und unsere dasige starcke Freundschafft selbsten in Augenschein zu nehmen, nur der ferne Weg schien ihnen so beschwerlich als gefährlich, jedoch auf mein hefftiges Zureden und Bitten, versprach endlich mein Vater sich weiter darauf zu bedencken, binnen welcher Zeit ich eine Reise nach Herrn Mag. Schmeltzers Anverwandten vornahm, um vornehmlich dessen jüngsten Bruder zu sprechen, als welchen ich bereits bei seinen Schwestern und Schwägern eingetroffen zu sein vermutete, indem ich des Hrn. Mag. Schmeltzers und meine eigenen beigelegten Briefe schon vor etlichen Wochen, durch Herrn W. aus Hamburg, dahin bestellen lassen.
Mein Wünschen war nicht vergebens, denn ich traf nicht allein Mons. Schmeltzern, sondern auch noch einen Candidatum Teologiæ, bei des erstern Herrn Schwager dem Dorff-Prediger an. So bald meine Ankunfft kundbar worden, versammlete sich Herr M. Schmeltzers ganze Freundschafft, um von ihren wertesten Bruders und Freundes vergnügten Zustande ausführlichen Bericht zu vernehmen, weil aber Herr M. Schmeltzer den Ort seines Auffentalts so wenig, als eine gar zu genaue Beschreibung von dasiger Lebens-Art kund getan, als nahm auch ich mich in acht, nicht über meine Instruction zu schreiten, jedoch so bald ich vergewissert wurde, dass Mons. Jacob Friedr. Schmeltzer, nebst dem andern Candidaten, der sich Joh. Friedr. Hermann nennete, die allergröste Lust bezeugten, mit mir dahin zu reisen, wo sich Herr Mag. Ernst Gottl. Schmeltzer aufhielte; liess ich ihnen etwas mehr von dem Geheimnisse als andern wissen, und versprach die völlige Entdeckung zu tun, so bald wir uns eingeschifft hätten.
Nachdem mich die lieben Leute 14. Tage bei ihnen zu bleiben fast gezwungen hatten, trat ich die RückReise mit diesen beiden Teologis nach meiner Vater-Stadt an, und fand daselbst meinen Vater und Schwester annoch in der grössten Bestürtzung, denn der oberwehnte Schwedische Edelmann Herr von L** welcher eine unbesonnene Liebe auf meine Schwester geworffen, auch ihrentalben Peterson so schändlich zugerichtet hatte, war, nachdem er bei dem Vater um dieselbe angehalten, jedoch so wohl von ihm als ihr eine höflich abschlägige Antwort erhalten, auf die Torheit geraten, meiner Schwester, durch eine heimliche Entführung, sich teilhafftig zu machen. Jedoch dieser Anschlag misslinget ihm noch zu allem Glücke, ungeachtet er meine Schwester in einem zugemachten Wagen, bereits auf eine halbe Stunde von der Stadt hinweg gebracht hat, indem dieselbe, als sie durch einen kleinen Spalt etliche Fracht-Wagens hintereinander herfahrend gewahr wird, ein plötzliches Zeter-Geschrei zu machen anhebt, wodurch die Unart vermerckenden Fuhr-Leute bewogen werden, mit ihrem Hand-Gewehr die Carosse anzuhalten, und meine kläglich um Hüllfe bittende Schwester zu befreien, Mons. L** ist noch so glücklich auf eins seiner Bedienten Pferde zu kommen, und sich mit denenselben auf die Flucht zu begeben, sonsten würden ihn unfehlbar die Fuhr-Leute so wohl als seinen LohnKutscher ziemlich garstig zugerichtet, und in die hände der Obrigkeit geliefert haben. Immittelst hat mein Vater nichts von der Entführung seiner Tochter gewust, sondern vermeinet, sie wäre mit einer guten Freundin spatziren gefahren, biss ihm dieselbe von den ehrlichen Fuhr-Leuten vors haus gebracht wird, denen er nebst vieler Dancksagung 100. spec. Duc. vor gehabte Mühe gibt, und sie dabei bittet, nur kein weiters Lermen von dieser Sache zu machen, weil sonderlich die Edelleute sehr rachgierig zu sein pflegten.
Dieser Zufall machte meine Schwester um so viel desto begieriger, wenigstens auf eine Zeitlang mit nach Felsenburg zu reisen, indem ich aber wohl gedencken konte, dass dem kapitän Horn in Amsterdam die Zeit ungemein lang düncken würde, ehe ich mich wiederum bei ihm einfände, so war meine stätige Beschäfftigung, der in Händen habende Alt-Väterlichen Instruction gemäss, alles dasjenige einzukauffen, was ich in meiner Geburts-Stadt am bequemsten und aufrichtigsten erlangen konte. Hierauff offenbahrete ich meinem Vater, wie mir mein ehemahliger Informator und jetziger Felsenburgischer Seelsorger, Herr Mag. Schmeltzer aufgetragen, seinen jüngern Herrn Bruder dahin zu bereden, dass er entweder selbst mit mir dahin reisen möchte; da aber derselbe etwa bereits im amt sässe, zwei andere oder wenigstens einen Candidatum Teologiæ, der also beschaffen wie Herr Mag. Schmeltzer, in dem, an seinen Bruder abgelassenen Schreiben, den Abriss gemacht, mir vorzuschlagen und zuzuweisen, damit ich dieselben an demjenigen Orte