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reiset mit derselben wohin ihr wollet, ausser diesem lasset sie hier, und packet euch augenblicklich zum haus hinaus.

Holla! nicht so hitzig, vermeintlicher Herr Schwager, versetzte ich, wie man merckt so beruhet eurer ganzer Vorschuss in allen, etwa auf kahlen 70. oder 80000. Tlrn. Hiermit zohe ich vor 120. tausend Tlr. Wechsel-Briefe, die Hr. G.v.B. in Amsterdam ausgestellet hatte hervor, und fragte ob er diese vor gültig erkennete, darauff Geld heraus geben, oder vor so viel Wert an Diamanten annehmen, oder noch heute vor Abends in Nyköpping sein baares Geld eincassiren wolte. Er stutzte gewaltig bei diesem unvermuteten Erbieten zumahlen, da ich ihm den Ernst zu zeigen, eine güldene, und mit den allerkostbarsten Edelgesteinen angefüllete Dose aus der tasche zohe, und selbige zur Schaue darlegte.

Es befand sich ein Jubelier unter Petersons Beiständen, der, als ein Habicht über meine Kleinodien und Edelgesteine herfiel, und dieselben mit begierigen Augen beschauete, indem er vielleicht mutmassete, dass es falsche und betrügerische Waaren wären, nachdem er aber alle und jede ächt und recht befunden: sprach er mit ziemlich bestürtzten Gebärden, als welche Zeugen seiner Bossheit waren: die Sachen sind zwar gut, allein aufs höchste taxirt, so werden sie wenig über 40000. Tlr. betragen. Mein Herr! gab ich zur Antwort, lernet entweder solche Sachen besser kennen, oder redlicher taxiren, denn ihr habt in Wahrheit mit ehrlichen Leuten und mit keinen Juden zu tun. Indem nun Peterson von dergleichen Sachen ebenfalls gute Wissenschaft zu haben vorgab, und sich verlauten liess, dass er dieselben kaum vor 30000. Tlr. annehmen könnte, sprach ich: Mein Herr, ihr tut euch selbsten Schaden, denn in Betrachtung eures guten Gemüts, welches ihr gewisser massen gegen meinen Vater und Schwester blicken lassen, hätte ich euch alle diese Sachen nebst der güldenen Dose, welche unter Brüdern eine Tonne Goldes wert sind, teils zu Bezahlung der Väterlichen Schuld, teils zum guten Andencken überlassen, bei so gestallten Sachen aber, werdet ihr euch gefallen lassen, dass ich meine Schwester, als eine freie person, mit mir hinweg führe, eure Geld aber könnet ihr noch vor Abends in Nykópping, entweder selbst, oder durch einen Bevollmächtigten in Empfang nehmen, und mich meines Vaters gemachten Contracts wegen, völlig qvittiren. Mitin sehet ihr, dass ich ein solcher Capitaliste bin, der eure Prætensiones aufs genauste erfüllen kan. Peterson wuste vor Verwirrung nicht was er antworten sollte, indem er sich dergleichen Schicksal nimmermehr eingebildet hatte, wolte also verwenden er hätte nichts mit dem Sohne, sondern mit dem Vater allein zu tun, allein ich sprach dargegen: Mein Herr! ich bitte euch nochmahls, machet keine Weitläufftigkeiten, denn ein vor allemahl habt ihr das Wort von euch gegeben, dass ich euch meines Vaters Schuld bezahlen, u. mit meiner Schwester hinreisen soll, wohin ich will, ausser dem glaubet mir nur sicherlich, dass ich mehr Tonnen Goldes an meiner Schwester Vergnügen zu wenden habe, als ihr vielleicht meinet. Peterson liess zwar hierauf einige empfindliche Reden fliegen, konte sich aber zu nichts gewisses entschliessen, sondern ging mit seinen Anhängern davon, und liess mich nebst meiner Schwester und Baase ganz allein im Zimmer zurücke. Die letztere wuste nunmehr nicht was sie vor Worte zu Marckte bringen sollte, jedoch weil ich vorher aus allen Umständen vermerckt, dass sie gänzlich auf Petersons Seite hinge, sprach ich: Liebste Schwester, wir sind hiesiges Orts so zu sagen verraten und verkaufft, kommet wir wollen unsere Affairen auf einen kurtzen Spazier-Wege in geheim überlegen. Gut mein Bruder! versetzte sie, allein tut so wohl, und schreibet vorher ein paar Zeilen an Peterson, dass er binnen Zeit von einer oder zwei Stunden seine völlige Erklärung von sich geben solle, damit wir hernach unsere anderweitigen Messures nehmen können. Ich hielt diesen Vorschlag vor höchst billig, folgte deswegen, schrieb wenige Zeilen an Peterson, übersendete ihm selbige durch die alte Amme, nahm hierauf meine Schwester bei der Hand, um mit derselben einen Spatzier-gang auf die freie Strasse zu tun, allein ob schon die haus-Türen offen stunden, so waren doch alle Tore und Türen des Hofes verschlossen. Wir merckten also wie es gemeinet war, da aber eben eine Magd mit einem Bunde Grass, aus dem weitläufftigen Baum-Garten heraus trat, drungen wir uns neben derselben hinein und gingen biss an das Ende desselben, welches mit starcken Pallisaden versetzet war. Glaubet sicherlich Bruder! sagte meine Schwester, Peterson will uns allhier im Arreste behalten, er ist ein sehr untugendhaffter Mensch, wer weiss was ihm der Satan vor Bosheiten eingiebt sich an uns zu rächen: Wolte GOtt! wir könnten nur diese Pallisaden übersteigen und uns in des Priesters Behausung begeben, daselbst verhoffte ich weit sicherer als in Petersons 4. Pfählen zu sein. Meiner Schwester gedanken konnten mir nicht anders als sehr vernunfftmässig vorkommen, deswegen versuchte ich bald hier bald dort ein paar Pallisaden auszubrechen, und war endlich, nach allen angewandten Leibes-Kräfften so glücklich, solches ins Werck zu richten. Wir schlupfften alle beide durch die gemachte Oefnung, und vermerckten im nochmahligen Umsehen, dass der Peterson mit vielen von seinen Hanss-Gesinde hinter uns her gelauffen kam, und dieses bewegte uns, dass wir ebenfalls hurtiger lieffen, auch das Pfarr-haus glücklich erreichten, da Peterson mit den seinen noch weiter als 50. Schritte