von den Anwesenden Dames in kurtzen völlig wieder zu sich selbst gebracht wurde.
Ein jedes sollte zwar von rechtswegen glauben, diese Ohnmacht wäre ihr von gar zu jählinger Freude zugestossen, allein es stack ein mehreres darhinter. Inmittelst war dieses Zufalls wegen die ganze Lust unterbrochen, ungeachtet man mir aber, unter dem Vorwande einer sorgfältigen Bewirtung, alle gelegenheit abschneiden wolte mit meiner Schwester etliche Wort in geheim zu sprechen, so liess ich mich doch nicht eher von ihrer Seite bringen, biss mir so viel Nachricht, so wohl von ihr als meiner Baase gegeben worden, dass mein Vater nur vor wenig Tagen nach meiner Geburts-Stadt abgereiset wäre, um daselbst noch einen grossen teil seiner Schulden zu bezahlen, und mit einem neuen Compagnon in frische Handlung zu treten, auch seine ganze Hausshaltung daselbst von neuen wieder anzufangen.
Man machte sich hierauf viele Mühe, mich als der Braut Bruder aufs beste zu verpflegen, allein weil es bereits sehr späte war, hatte ich die beste gelegenheit, mich dieses mahl gar bald von dem verdrüsslichen Herrn Schwager, so wohl als der andern Ruh bedürfftigen Gesellschafft loss zu wickeln, und den übrigen teil der Nacht mit sehr verdrüsslichen gedanken zu zubringen.
Kaum war der Tag völlig angebrochen als meine Schwester nebst ihrer Aufwarte-Frau, die in der Kindheit ihre Amme gewesen war, zu mir in die SchlafCamer kamen, und nach gebotenen guten Morgen, an statt fernerer Worte häuffige Tränen hervor brachten. Die erstere setzte sich auf mein Bette nieder, und sagte endlich mit kläglichen Seufftzen: Ach mein allerliebster Bruder, ist noch ein eintziger Trost in meinem Jammer zu finden, so ist es gewiss dieser, dass doch ihr selbsten Zeuge seid und mit sichtlichen Augen sehet, wie bloss um meines Vaters Renommé einigermassen wieder herzustellen, ich mich in den aller beklagens-würdigsten Zustand setze. Inmassen nun ich mich gegen meine Schwester weiter mit nichts heraus lassen wolte, biss ich der Haupt-Sache wegen völlige Nachricht eingezogen, so erzehlete sie mir auf mein Bitten in aller Kürtze, dass ihr par force Bräutigam vor einen der allerreichsten Handels-Leute, nicht allein in diesen, sondern auch in andern Landen, geschätzt würde. Unser Vater wäre auf der Reise mit ihm bekandt worden, und hätte denselben vor JahresZeit mit sich nach Stockholm gebracht, wo dieser Mensch sie nicht so bald gesehen, als er sich schon auf eine recht närrische Weise in ihre person verliebt gehabt. Sein Ansehen wäre damals zwar vor ein junges Frauenzimmer übel genug aber des tausenden Teils nicht so hesslich gewesen als anitzo, so bald er ihr aber seine hefftige Liebe angetragen, hätte sie ihn ein vor allemal zu verstehen gegeben: dass sie Zeit Lebens mit guten Willen nicht dahin zu vermögen sein würde, einen Mann zu nehmen der mehr 1000. als sie 100. Tlr. im Vermögen hätte. Nun wäre zwar leichtlich zu mercken gewesen, dass er mit ihren Vater in sehr wichtigen Handlungs-Tractaten gestanden, endlich aber sei es heraus gekommen, dass eben unser Vater sich von der Not gedrungen gesehen, zwischen seiner eintzigen Tochter und einem sehr ecklen Menschen, seines Vorteils wegen, eine Verbindung gut zu heissen, die er in seinem Wohlstande, ehe mit etlichen 1000. Tlr. zu hintertreiben, gesucht hätte.
Mittlerweile wäre ein gewisser Cavalier der Hr. von L** ebenfals mit verliebten Regunge gegen diese meine Schwester angefüllet worden, der sich, so bald er nur gehöret, dass sie dem Kauffmanne (welchen ich gewisser Ursachen wegen nur Peterson genennet haben will) versprochen werden sollte, aufs grausamste vermessen, dem, wie er gesagt, wurmstichigen Kerle, ehe 1000. mahl den Halss zu brechen, als zu vergönnen, dass er die schöne Preussin, (denn unter diesem Nahmen war meine Schwester in Stockholm bekandt, jedoch nicht offt zu sehen gewesen) ins Braut-Bette führen sollte.
kurz von der Sache zu reden, es war endlich dahin gekommen, dass der Herr von L** gelegenheit gesucht, dem Peterson ein wichtiges anzuhängen, und sein nicht lobenswürdiger Anschlag war ihm in so weit gelungen, dz er demselben unter vielen starcke Verwundungen, fast das ganze Unter-Maul hinweg gehauen hatte, welches den armen Menschen vollends ungemein verstellete. Weilen sich aber mein Vater mit Peterson allbereit zu tieff verwickelt, so soll dem ungeachtet die Verbindung desselben mit meiner Schwester vor sich gehen, und da dieselbe solcher Ursachen wegen vor Jammer fast vergehen will, ziehet es sich mein Vater dergestallt zu Gemüte, dass er ganz melancholisch wird, deswegen schlagen sich unsere so genandten Freunde ins Mittel, welche, aus lauterm Eigen-Nutz, meine Schwester unter den trifftigsten Vorstellungen dahin bewegen, dass sie um unsers Vaters Leibes- und Gemüts-Kranckheit, ingleichen dessen Renommé wieder herzustellen, sich endlich entschliesset: mit dem eckelhafften Peterson, ein, auf die Ehe abzielendes Verlöbniss einzugehen, jedoch bedinget sie sich erstlich noch so lange Zeit aus, biss sie sähe, ob ihr Vater seine völlige Gesundheit wieder erlangen und Peterson sein Wort halten könnte, demselben so viel Gelder herzuschiessen, als zu Wiederauffrichtung seiner vorigen Handelschafft und ganzen Wesens erfodert würde.
Indem nun meine Schwester ihren geheimen Kummer sonderlich zu verbergen, und sich anzustellen weiss, als ob ihr mit dergleichen Heirat ganz wohl gedienet sei, wird der Vater nach und nach völlig gesund, so bald Peterson dieses merckt, gibt er sich alle Mühe dessen Creditores dahin zu behandeln, dass sie mit der Helffte der zu fodern habenden Capitalien zufrieden sein, und