die nächste Wohnstädte, Alberts-Raum genannt, gezogen, und hatte bereits die daselbst wohnenden Leute völlig benachrichtiget, was diesem und jenen vor Futter gegeben werden müste. Selbige verrichteten auch in Warheit diese in Europa so verächtliche Arbeit mit ganz besonderen Vergnügen, weiln ihnen dergleichen Tiere Zeit ihres Lebens nicht vor die Augen kommen waren.
Andere, da sie merckten, dass wir unsere Sachen gern vollends hinauff in des Alberti Wohnhaus geschafft haben möchten; brachten so fort ganz bequeme Rollwagen herbei, luden auf, was wir zeigten, spanneten zahmgemachte Affen und Hirsche vor, diese zohen es mit Lust den Hügel hinauff, liessen auch nicht eher ab, biss alles unter des Alberti Dach gebracht war.
Immittelst hatte Mons. Wolffgang noch vor der Abend-Mahlzeit das Schlag-Fass, worin die Bibeln und andere Bücher waren, aufgemacht, und præsentirte dem alten Alberto eine in schwartzen Sammet eingebundene Bibel, welche aller Orten stark mit Silber beschlagen, und auf dem Schnitt verguldet war. Albertus Küssete dieselbe, drückte sie an seine Brust und vergoss häuffige Freuden-Tränen, da er zumal sah, dass wir noch einen so starcken Vorrat an dergleichen und andern geistl. Büchern hatten, auch hörete, dass wir dieselben bei ersterer Zusammenkunfft unter die 9. Julischen Familien, (welche dem G. Leser zur Erläuterung dieser Historie, auf besondere, zu Ende dieses buches angehefftete Tabellen gebracht worden,) austeilen wolten. Nächst diesem wurden dem Alberto, und denen Alten, noch viele andere köstliche Sachen eingehändiget, die so wohl zur Zierde als besonderer Bequemlichkeit gereichten, worüber alle insgesamt eine Verwunderungs- volle Dancksagung abstatteten. Folgenden Tages als an einem Sonnabend, muste ich, auf Mons. Wolffgangs Ersuchen, in einer bequemen kammer einen vollkommenen Krahm, so wohl von allerhand nützlichen Sachen, als Kindereien und Spielwerck auslegen, weiln er selbiges unter die Einwohner der Insul vom grössten biss zum Kleinsten auszuteilen willens war. Mons. Wolffgang aber, liess indessen die übrigen Dinge, als Victualien, Instrumenta, Tücher, Leinwand, KleiderGeräte und dergleichen, an solche Orte verschaffen, wo ein jedes vor der Verderbung sicher sein konte.
Der hierauff einbrechende 25. Sonntag post Trin. wurde früh Morgens bei Aufgang der Sonnen, denen Insulanern zur Andächtigen Sabbats-Feier, durch 2. kanonen-Schüsse angekündiget. Da sich nun dieselben 2. Stunden hernach ingesammt unter der Albertus-Burg, auf dem mit Bäumen umsetzten grünen platz versammlet hatten, fing Herr M. Schmeltzer den Gottesdienst unter freien Himmel an, und Predigte über das ordentliche Sonntags Evangelium, vom Greuel der Verwüstung, fast über 2. Stunden lang, ohne sich und seine Zuhörer zu ermüden, als welche Letztere alles andere zu vergessen, und nur ihn noch länger zuzuhören begierig schienen. Er hatte ganz ungemeine meditationes über die wunderbaren Wege GOTTES, Kirchen zu bauen, und selbige wiederum zu verwüsten, brachte anbei die application auf den gegenwärtigen Zustand der sämbtlichen Einwohner dieser Insul dermassen beweglich vor, dass, wenn auch die Helffte von den Zuhörern die gröbsten Ateisten gewesen wären, dennoch keiner davon ungerührt bleiben können.
Jedwedes von ausswärtigen Zuhörern hatte sich, nach vollendeten Gottesdienste, mit benötigten speisen versorgt, wem es aber ja fehlete, der durffte sich nur bei dem Altvater auf der Burg melden, als welcher alle nach Notdurfft sättigen liess. Nachmittags wurde abermals ordentlicher Gottesdienst und Catechismus-Examen gehalten, welches über 4. Stunden lang währete, und hätten, nebst Herrn M. Schmeltzern, wir Einkömmlinge nimmermehr vermeinet dieses Orts Menschen anzutreffen, welche in den Glaubens-Articuln so trefflich wohl unterrichtet wären, wie sich doch zu unseren grössten Vergnügen so wohl Junge als Alte finden liessen. Da nun auch dieses vorüber war, beredete sich Albertus mit den Aeltesten und Vorstehern der 9. Stämme, und zeigten ihnen den Platz, wo er gesonnen wäre eine Kirche aufbauen zu lassen. Derselbe wurde nun unten an fuss des Hügels von Mons. Litzbergen, Lademannen und andern Bau-Verständigen ordentlich abgesteckt, worauff Albertus sogleich mit eigenen Händen ein Loch in die Erde grub, und den ersten Grund-Stein an denjenigen Ort legte, wo der Altar sollte zu stehen kommen. Die Aeltesten und Vorsteher gelobten hierbei an, gleich morgenden Tag Anstalten zu machen, dass die benötigten Bau-Materialien eiligst herbei geschafft würden, und an fleissigen Arbeitern kein Mangel sein möchte. Worauff sich bei herannahenden Abende jedes nach seiner Wohnstätte begab. Albertus, der sich wegen so viel erlebten Vergnügens ganz zu verjüngern schiene, war diesen Abend absonderlich wohl aufgeräumt, und liess sich aus dem Freuden-Becher unsern mitgebrachten Canari-Sect hertzlich wohl schmecken, doch so bald er dessen Kräffte nur in etwas zu spüren begunte, brach er so wohl als wir ab, und sagte: Meine Kinder, nunmehr hat mich der Höchste bei nahe alles erleben lassen, was ich auf dieser Welt in zeitlichen Dingen gewünschet, da aber mercke, dass ich noch bei ziemlichen Kräfften bin, habe mir vorgenommen die übrige Zeit meines Lebens mit solchen Verrichtungen hin zu bringen, die meinen Nachkommen zum zeitlichen und ewigen Besten gereichen, diese Insul aber in den beglücktesten Zustand setzen können.
Demnach bin ich gesonnen, in diesem meinem kleinen Reiche eine General-Visitation zu halten, und, so GOTT will, morgenden Tag damit den Anfang zu machen, Monsieur Wolffgang wird, nebst allen neu angekommenen, mir die gefälligkeit erzeigen und mit reisen. Wir wollen alle Tage eine Wohnstatt von meinen Abstammlingen vornehmen,