, wo es binnen 3 oder 4. Monaten bald sehr schlimm, bald aber ziemlich gut mit ihm gewesen, allein nach der Zeit habe Hr. W. keine weitere Nachricht von ihm erhalten, wisse also nicht gewiss, ob er noch lebendig oder tot sei.
Ich war dieses letzteren wegen dergestallt consternirt in meinem Gemüte, dass fast nicht wuste worzu ich am ersten schreiten sollte, nachdem ich aber den Capit. Horn zu Rate gezogen, so übermachte an den Hrn. W. in Hamburg sehr starcke Wechsel-Briefe, bat denselben in person nach meiner Geburts-Stad zu reisen, daselbst meines Vaters sämtlichen Creditores mit allem Interesse, so dieselben nur mit Recht fordern könnten, zu befriedigen, seine eigenen ReiseKosten inne zu behalten, mir die Gerichtliche General-Quittung nach Schweden zu senden, und so lange in meiner Geburts-Stadt zu verharren, biss ich mit meinem Vater daselbst anlangete oder ihm wenigstens schrifftliche fernere Nachricht gäbe. Hr. W. tat mir seine Willfährigkeit vermittelst einer der schnellesten Staffeten zu wissen, weswegen ich mich alsofort zu Schiffe und auf die Fahrt nach Schweden begab. Zu Gotenburg liess ich mich ausschiffen und setzte meine Reise zu land biss nach Stockholm fort, indem ich aber daselbst vernahm, dass sich meine Anverwandten von dar hinweg und nach Nyköpping gewendet hatten, muste ich einen verdrüsslichen Rückweg biss dahin vor mich nehmen, wo mir zwar die wohnung meiner Befreundten gar bald angewiesen wurde, allein in selbiger war niemand anders als das HaussGesinde anzutreffen, welche mich berichteten, dass ihre Herrschafft vor zweien Tagen verreiset sei, es wisse aber keines von ihnen eigentlich wohin. Ich fragte weiter ob die Mademoiselle Juliin auch zugleich mit gereiset wäre, und ob sich etwa deren Vater bei ihr befände, man sah mich aber dieser fragen wegen, noch um so viel mehr vor einen Spion an, ungeachtet ich endlich meldete, dass ich ein naher Anverwandter von ihrer herrschaft wäre. kurz, es war bei dem entweder allzugetreuen oder allzueigensinnigen haus-Gesinde nicht das geringste auszulocken, weswegen ich mich mit nicht geringen Verdruss in das fast gegen über liegende Wirts-haus begab, und daselbst allerlei Calender machte.
Es war mir höchst verdrüsslich, dass ich die Schwedische Sprache nicht selbst reden und verstehen konte, sondern alles durch einen Dollmetscher, welchen ich nebst zweien von des kapitän Horns Indianischen Sclaven aus Holland mitgenommen, abhandeln muste, jedoch eben dieser Dollmetscher welches der Ausbund eines verschlagenen Kopffs war, brachte mir noch selbigen Abend das ganze Geheimnüss nebst dessen völliger Erklärung zu Ohren, indem er sich mit einer jungen Magd in ein vertrauliches Gespräch eingelassen, und nachdem er vermerckt, dass ihr so wohl meiner Schwester, als der Anverwandten Wirtschafft und ganzes Wesen sehr genau bewust, sie durch gute Worte und Geschencke dahin gebracht, dass sie ihm den Ort gemeldet, wohin man meine Schwester geführt, welche sich daselbst mit einem reichen Kauffmanne verloben sollte, dem das ganze Untermaul vor einiger Zeit abgehauen worden. Von meinem Vater hatte dieses junge Mensch zwar nichts gewisses zu meldē gewust, als dieses, dass sich gleichfals vor einiger Zeit ein kräncklicher Mann in dem haus meiner Baase aufgehalten, von dem gesagt worden, dass er sehr viel schuldig sei, sie wisse aber nicht ob er noch in selbigem verborgen, oder bereits wieder fortgeschafft wäre.
Ich liess demnach gleich ohne ferneres Uberlegen eine schnelle Post bestellen, setzte mich mit meinem Dollmetscher und zweien Bedienten drauff, und gelangete Nachts um ungefähr Ein Uhr in dem bezeichneten Orte an. Der Postillon muste im Wirtshauss ausspannen unter dem Befehle, so lange zu verziehen, biss ich ihn selbst abfahren hiesse, ich aber wanderte nebst meinen Leuten nach einem grossen hof zu, in welchem alles, wie von aussen zu hören war, herrlich und in Freuden herging. Wir schlichen so lang um den Pallast herum, biss mein Dollmetscher einen Domestiqen antraff, von welchen er nicht allein erfuhr, dass der haus-Herr seinen Verlöbniss-Schmauss ausrichtete, sondern auch dass die Braut Madem. Juliin hiesse. Mir pochte das Hertz im Leib ungemein stark, ehe ich das Glück oder Unglück haben konte, meinen neuen und einzigen Herrn Schwager kennen zu lernen, schickte aber alsofort den Dollmetscher an denselben, ein gehorsamstes Compliment abzustatten, und zu vernehmen, ob einem der allernechsten BlutsFreunde der Jungfer Braut, erlaubet wäre, seine Aufwartung bei ihnen zu machen? Im Augenblicke wurde im ganzen haus alles noch einmal so lebhafft, als es vorher gewesen war, zugleich kamen mehr als 30. Lichter und Laternen, welche meine Personalitæt besichtigen und nach Befinden an diejenige Treppe begleiten mussten, alwo das halb vergnügte und halb unvergnügte Braut-Paar sich auf der obersten Stuffe præsentirte. Kaum hatte ich meine liebste Schwester nur durch einen eintzigen blick erkannt, als mich, im andern Blicke, die entsetzliche hässliche Gesichts-Bildung und ganze Leibes-Gestallt ihres mir bereits einiger massen beschriebenen Liebsten, dergestallt erschreckte, dass ich die Augen sogleich niederschlagen muste, und dieselben kaum empor heben konte, da ich mich bereits auf der obersten Stuffe bei ihnen befand.
So bald mir meine Schwester ins gesicht gesehen, fiel sie nach den ausgeschryenen Worten: Ach mein Bruder Eberhard! augenblicklich ohnmächtig zurücke. Ich befand mich am allermeisten hierdurch bewegt, und war nicht im stand die höfflichen Complimente zu beantworten, mit welchen mich so wohl der Hr. Schwager als meine Frau Baase, nebst andern unbekandten Personen überschütteten, sondern hatte beständig die Augen auf meine Schwester gerichtet, welche doch