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des Alt-Vaters, einen jeden durch die Banck hinweg und ohne Ansehn der person 2. Pfund Gold und ein Sächsis. Nössel der schönsten Orientalischen Perlen eingehändiget, auch versprochen hatte, dass nach glücklicher Anländung in Europa, daferne sie sich wohl aufführeten, ein jeder noch 100. spec. Duc. von mir empfangen sollte; war alles lustig und guter dinge, ausser diesem machte ihnen ein paar Fässer des mitgebrachten allerbesten Felsenburgischen Weins, doppelte Curage, so dass wir den 16. Novembr. Nachts etwa um 1. Uhr, wohl besorgt abfahren konnten.

Wir gaben aber unsere Abfahrt den Gross-Felsenburgern durch eine Salve von 12. kanonen zu verstehen, worauf uns aus allen auf den Felsen-Höhen stehenden Geschütze, drei mahl hinter einander nochmahls Glück auf die Reise gewünschet wurde, nachher höreten wir biss über Mittag des zweiten Tages ordentlich alle zwei Stunden, 3. kanonen-Schüsse von der Felsenburg, worauf wir, wegen Sparsamkeit des Pulvers jedesmahl nur mit einem Schusse antworteten, jedoch nach der Zeit erhub sich ein etwas stärckerer Wind, welcher unser Schiff mit fast unglaublicher Geschwindigkeit dergestalt fortführete, dass wir die Insul St. Helenæ fast 14. Tage eher, als den ordentlichen Vermuten nach, erreichten.

Wie glücklich aber die biss daherige ganze Fahrt gewesen war, so unglücklich war hingegen die Einfahrt in dasigen Hafen, denn unser Schiff wurde, wie die meisten sagten, aus versehen des Steuer-Manns dergestalt gegen eine Klippe geworffen, dass wegen des grausamen Krachens und Erschütterens, ein jeder nicht anders vermeinete, als dass es augenblicklich zerfallen, und zu grund sincken würde, allein der Himmel verhütete selbiges Unglück, und halff uns glücklich zu land, wo wir, um den genommenen Schaden auszubessern, fast 6. Wochen lang stille liegen mussten.

Es ist dieses, wie ich, wo mir recht ist, schon ehemahls gemeldet, eine anzügliche und gefährliche Insul vor lüsterne und Geldhabende See-Leute, deswegen hatte der kapitän Horn die ganze Zeit über wenig Ruhe, weil er stets besorgt war, der Seinigen Schaden zu verhüten, dem ungeachtet konte er folgendes Unglück nicht ablencken: Des zurück gebliebenen Capitains Wodlei schiffes-Barbier, der ein Engelländer von Geburt war, hatte ein junges Mägdlein von 16. Jahren, in ihrer Eltern Behausung zu seinen Willen beredet, auch seine Wollust täglich mit ihr fortgetrieben, und zwar unter dem Versprechen, sie voritzo gleich mit sich nach Engelland zu ihren annoch lebenden Gross-Eltern zu führen, und daselbst sich mit ihr ehelich verbinden zu lassen, der liederliche Mensch aber hat nicht so bald vernommen, dass wir binnen 3. oder 4. Tagen abseegeln wollen, als er seine getanen Eidschwüre, so wohl, als das geschwängerte WeibsBild ins Buch der Vergessenheit schreibt, und sich bei zeiten aus dem Staube und auffs Schiff macht. Die Eltern und Befreundte der Geschwängerten kamen und suchten ihn mit erlaubnis des kapitän Horns auf unsern Schiffe, fanden aber nicht die geringste Spur, weil er sich ungemein klüglich verborgen hatte. Zu seinem Unglücke aber, kam er tages vor der angestellten Abfahrt, hinter mir und dem kapitän hergegangen, eben, da wir im Begriff waren, noch zum letzten mahle auf die Insul zu gehen, wir rieten ihm, er sollte alle Weitläufftigkeiten zu vermeiden, zurück bleiben, allein er hatte seinen Spaass darüber, kaum aber waren wir 200. Schritt weiter fort gegangen, als der Vater nebst dreien Brüdern der Geschwächten herzu kamen, und den wollüstigen Barbier ermahneten, er möchte sein Wort halten, und seiner geschändeten Liebste die Ehre ersetzen, jedoch der Barbier lachte dazu, und sagte: Die Ehre wäre teuer genug bezahlet, indem er ihr bei nahe 10. dukaten wert davor gelassen hätte. Das ist nicht genug, sagte der Vater, sondern ich will, dass ihr entweder meine Tochter heiraten, oder ihr 200. dukaten vor den Jungfer-Crantz bezahlen sollet. Nicht 200. Kieselsteine antwortete der Barbier. Der Vater war ziemlich raisonable, liess immer weiter nach, biss es endlich auf 50. Duc. herunter kam, welche aus zu zahlen, der kapitän Horn, dem Barbier selbst zuredete, auch sich erbot, ihm dieselben gleich auf dem platz vorzustrecken, daferne er allenfalls kein Geld bei sich hätte. Allein der eigensinnige und tollkühne Mensch wolte durchaus nicht, sondern sagte mit Ausstossung eines schrecklichen, den Engelländern aber sehr geläuffigen Schwures: Ich gebe nicht 50. Pfifferlinge, denn vor dergleichen Hure, sind 10. dukaten schon mehr als zu viel gewesen. Kaum aber war das letzte Wort ausgesprochen, als er schon 3. Dolche auf einmal im leib stecken hatte, welche die 3. Brüder der Geschwächten dergestalt hurtig auf ihn zuckten, dass der kapitän Horn so wenig, als ich vermögend war, der plötzlichen Rache Einhalt zu tun. Die Mörder hielten sich so wohl, als ihr Vater nicht lange bei uns auf, indem aber etliche von unsern Leuten herzu kamen, wolten wir Anstalt machen, den, allem Ansehen nach tödtlich verwundeten Barbier auf unser Schiff zu schaffen, allein er starb uns gleich unter den Händen, und so bald etliche Einwohner der Insul solches vermerckten, gaben sie nicht einmal zu, dass wir des Entleibten Kleider aussuchten, sondern schlossen einen Creiss um den körper, und jagten uns mit ziemlichen Ungestüm zurück in unser Boot.

kapitän Horn versuchte zwar dieses Streichs wegen von dem Gouverneur Satisfaction zu erhalten, merckte aber sehr zeitig, dass derselbe ziemlich parteiisch, auch