bedürffen. Im übrigen aber, mein Freund, erweget nochmahls wohl, ob ihr ohne eintzigen Gewissens-Scrupel, euch so wohl unseren Satzungen, als hauptsächlich der Religion, gemäss und gleichförmig, nicht allein jetzt, sondern jederzeit, bezeigen könnet und wollet.
kapitän Wodlei küssete hierauf des Alt-Vaters Hand, und nach weitläufftiger Dancksagung, beteurete er hoch, dass er seit etlichen Wochen, alles wohl überlegt, und den festen Schluss, sich erwehnter Lebens-Art gleichförmig zu bezeigen, gefasset, doch beständig gezweiffelt hätte, ob man ihm auf sein inständiges Ansuchen, und zwar in Betrachtung seines Alters, das Dableiben erlauben würde. nachher wendete er sich zu mir, und sagte: Mons. Eberhard! alle meine Sachen sind bereits eingeschifft, biss auf ein kleines Kästlein, welches ich noch bei mir habe, ich will aber von allen nichts zurück nehmen, als einen eintzigen Kasten, worin zwar wenig kostbare, jedoch solche Sachen verwahret liegen, welche vielleicht den Einwohnern dieser Insul auch lange Jahre nach meinem tod angenehm und nützlich sein werden. Ausser diesen will ich sie, mein Herr, bitten, eine schrifftliche und versiegelte Instruction wegen meiner übrigen Sachen anzunehmen, dieselbe aber nicht ehe zu erbrechen, biss sie in Europa zu land gekommen sind, hergegen meiner Verordnung aufs allergenaueste nachzuleben, denn ich versichere, dass sie ihnen keinen Gewissens-Scrupel, auch nicht allzu grosse Mühe verursachen wird.
Ich versprach dem kapitän Wodlei mit Hand und mund, seiner Verordnung aufs genaueste nachzuleben, und ihm jederzeit alle möglichsten Gefälligkeiten zu erzeigen, indem aber unter solchen Gesprächen die Mahlzeit geendigt, und das übrige abgetragen war; hatte Mons. Litzberg das ganze Collegium Musicum zusammen beschieden, um uns Abreisenden noch zu guter letzt ein musicalisches Vergnügen zu machen, welches dem Alt-Vater so wohl als allen andern hertzlich wohl gefiel. Ich durffte vor dieses mahl nicht mit musiciren, indem Herr Mag. Schmeltzer selbst den General-Bass zu vielen moralischen und andern Lobens-würdigen Cantaten spielete, sass deswegen bei meiner liebsten Cordula im stillen Vergnügen, und trocknete ihr zuweilen einige Tränen ab, die sie meiner fernen Reise wegen vergoss. Zum Beschluss aber der ganzen Music sunge Mons. Litzberg noch folgende selbst gemachte und componirte Cantata ab:
CANTATA.
Aria.
Adieu, das herbe Wort
Tut treu-gesinnten herzen
Nach keusch-verliebten Schertzen
Den allergrösten Torr.
Auf Scheiden reimet sich das Leiden,
Denn, muss man sein Geliebtes meiden,
So gönnt die sehnsucht immerzu
Wenig Ruh.
Recit.
Ach Eberhard und Cordula!
Ihr allerliebsten Beide,
Mich düncket, eure Freude
Ist jetzt sehr vergällt,
Doch wenigstens verstellt,
Warum? die Abschieds-Zeit ist da.
Der liebste Eberhard
Muss sich den Wellen anvertrauen,
Die wir so offt von hier mir Furcht beschauen;
Der frohe Mut erstarrt,
Wenn wir an die Gefahr gedencken,
Jedoch des himmels Macht,
Die stets vor unser Glücke wacht,
Kan alle Not zurücke lencken.
Aria.
sorge nicht, getreue Seele,
Angenehme Cordula!
Lass dein halbes Hertze fahren,
Denn der Himmel will es ja
Auf der Reise wohl bewahren,
Dass, nach überstandner Pein,
Deine Lust kan völlig sein.
Da Capo.
Recitativ.
Verbeisse deinen Schmertz Mein Eberhard, und lass den Himel walten, Der kan und will und wird dich wohl erhalten. Bleibt gleich dein halbes Hertz Auch hier bei deiner Cordula zurücke; So büssestu an solchen schönen Stücke Doch gar nichts ein, Ein ganzes Hertzgen soll davor dein eigen sein, So bald der Himel dich, nach unsern Hoffen, Gesund zurück gebracht; Drum sei auf lauter Trost und keinen Schmertz
bedacht
Ein frischer Mut hat stets das beste Ziel getroffen.
Aria.
So reise denn, geliebter Freund!
Und komm und eile bald zurücke.
Der Himmel, der dir günstig scheint,
Verdopple stets die Sonnen-Blicke.
Regen, Winde, Sturm und Wellen,
Die sich dir entgegen stellen,
Müssen so, wie Sonnenschein,
Deiner Gross-Mut Zeugen sein;
Biss dass wir dich wieder in Felsenburg haben,
wo dich dein Hertzgen mit Küssen kan laben.
Diese Cantata, ungeachtet sie sich in der Music vollkommen wohl ausnahm, tat dennoch bei meiner Cordula einen wiedrigen Effect, indem selbige dadurch in völlige Wehmut gesetzt wurde, so dass ihre Tränen noch viele 1000. andere Tränen von abwesenden Personen beiderlei Geschlechts, heraus lockten. Selbige Nacht aber, muste bei allen auf der Alberts-Burg versammleten Freunden, ihren behörigen Zoll einbüssen, weilen kein eintziger, auch so gar der Alt-Vater nicht zu bereden war, sich einige Stunden der Ruhe zu bedienen. Um Mitternachts-Zeit wurden, bestelltermassen, die Schleussen des Nord-Flusses niedergelassen, so bald aber der Himmel zu grauen anfing, nahm ich erstlich von dem Alt-Vater und von meiner Cordula den allerzärtlichsten Abschied, hernach beuhrlaubte mich von Herr Mag. Schmeltzern, Herr Wolffgangen und allen anwesenden getreuen Freunden, Mons. Horn tat dergleichen, und also marchirten wir unter starcker Begleitung durch den wasser-Fall hinunter an das Meer-Ufer, wo die Boote bereits fertig stunden uns in die grossen Schiffe überzuführen.
Mons. Wodlei fuhr nebst denen 7. neu eingenommenen Europæern mit hinüber auf die Insul KleinFelsenburg, um den daselbst einlogirten, denen aber die Ordre zur Abreise albereit kund getan war, zu zeigen, dass sie mit guten Willen zurück blieben. Diese Verlassenen schienen anfänglich sehr müssvergnügt zu sein, nachdem aber ich auf Verordnung