1731_Schnabel_088_315.txt

Demnach fand sich ein junger Gesell aus Simons-Raum zu ihrem Liebsten an, welchen sie, allem Ansehen nach, etwas besser leiden konte, allein, vor meiner Abreise wuste man noch nicht gewiss, ob ein Paar aus ihnen werden würde.

Mit Eintrit des monat Novembris war endlich der kapitän Horn am eiffrigsten beschäfftiget, alles das, was er mit nach Europa nehmen sollte, gänzlich einzuschiffen, weil es demnach nur an meiner Equippage fehlete, ersuchte der Alt-Vater Mons. Wolffgangen einen Aufsatz von denenjenigen Sachen zu machen, welche zu meiner Abfertigung und Besorgung aller fernern Angelegenheiten unumgänglich erfordert würden, und da dieses geschehen, bekam ich aus des AltVaters Schatz-Cammer eine überflüssige Quantität von gemüntzt und ungemüntzten Gold, Silber, Perlen, Edelsteinen und dergleichen Kostbarkeiten, nächst dem eine weitläufftige schrifftliche Instruction, dessen, was ich mit Beihülffe des kapitän Horns zum weitern Behuff und Nutzen der Felsenburgischen Einwohner anschaffen und bestellen sollte. Hierbei gab mir nicht allein Herr Mag. Schmeltzer ein gross Paqvet Briefe mit, um dieselben an die Seinigen zu übersenden, sondern es folgten dessen Exempel auch verschiedene von den andern letzt eingekommenen Europäern, als welche Commissionen ich von einem so wohl als dem andern mit besonderen Freuden übernahm, und alles bestens auszurichten versprach.

Am 14. Novembr. nämlich am 25. Sonntage p. Trinit. nachdem uns Herr Mag. Schmeltzer in öffentlicher Predigt tausendfaches Glück auf die Reise gewünschet, auch versprochen hatte, so wohl mich als den kapitän Horn ins gewöhnliche Kirchen-Gebet biss zu glücklicher Wiederkunfft mit einzuschliessen, nahmen wir Mittags nach verrichteten GOttes-Dienste von allen Stämmen, die sich auf dem Kirch-hof in besondere Hauffen geteilet, und ihre Aeltesten vor sich stehen hatten, zärtlichen Abschied, empfiengen ihre hertzlichen Glück-Wünsche auf die Reise, und begaben uns hernach mit den sämmtlichen Aeltesten auf die Albertus-Burg, wo noch ein und anderes erinnert wurde, welches ich, um in Europa nichts zu vergessen, in meine schreibe-Taffel eintragen muste.

Hierauf setzten wir uns zu Tische, die Valet-Mahlzeit einzunehmen, wobei verschiedene gespräche vorfielen, unter andern sagte der kapitän Wodlei zu Herrn Wolffgang und dem kapitän Horn: Meine Herren, ich habe ihnen meines Wissens alles mein baares Geld und Gut gezeiget, was meinen sie wohl, wie hoch sich dasselbe belauffen sollte? Indem nun beide einstimmig waren, dass er selbiges, inclusive der vielen Edelgesteine und andern Kostbarkeiten, die zwar von kleinem Gewichte, aber desto grösseren Werte wären, schwerlich unter dreimahl hundert tausend Reichs-Taler hingeben würde; sprach Wodlei ferner: Sie haben richtig genug taxiret, meine Herren, wolte aber der Himmel! es wäre solches hinlänglich, mich damit in diese glückseelige Insul einzukauffen, denn ich habe Zeit meines Hierseins, bei der vergnügten Lebens-Art hiesiger Einwohner, einen solchen Eckel gegen andere Gesellschafft geschöpfft, dass ich nicht anders als mit betrübten herzen zurück in mein Vaterland gehen kan, wo voritzo mehr Laster als Tugenden zum Vorscheine kommen. Ich läugne zwar nicht, dass ich von Jugend auf derjenigen Secte, welche man in Engel- und Schottland Presbyterianer nennet, zugetan gewesen, als welche den hiesigen Religions- und Kirchen-Gebräuchen, um ein nicht geringes entgegen ist, allein, die erbauliche Lehr-Art des Herrn Mag. Schmeltzers, hat mein Hertz dergestalt gerühret, dass ich wünschen möchte, von ihm weiter unterrichtet, und endlich einmal auf meinem TodtBette zum seeligen Sterben bereitet zu werden, denn ungeachtet ich ein Mann von nur etliche 50. Jahren bin, der sonsten eine von den stärcksten und gesündesten Naturen gehabt, so glaube doch, dass der vor wenig Jahren genossene vergifftete Vogel, selbige dergestalt geschwächt hat, dass ich mein Leben wohl nicht allzu hoch bringen möchte. Sonsten bin ich mein lebe-Tage niemals verheiratet gewesen, habe auch keine andere Freunde und Erben, als einen eintzigen leiblichen Bruder, der ein Kupfferstecher in Yarmout ist, und etliche 100. Pfund Sterlings im Vermögen haben mag, welchem ich doch wohl etliche kostbare Jubelen zum Andencken meiner, wünschen möchte, daferne ich ja so glücklich sein sollte, von dem vortrefflichen Alt-Vater und Herrn dieses Landes, erlaubnis zu erhalten, den Rest meines Lebens unter möglichster Arbeit, auf dieser glückseeligen Insul zuzubringen.

So bald der kapitän Wodlei seine Rede geendiget, sahen wir alle mit verlangenden Augen den Alt-Vater an, um zu vernehmen, was derselbe darauf antworten würde, selbiger aber reichte, ohne langes Besinnen, dem, ihm zur Rechten sitzenden kapitän Wodlei, die Hand, und sagte: Bleibet hier, mein Freund, im Nahmen des Herrn, denn weil diese Insul zum Ruhe-platz redlicher Leute von dem Himmel bestimmt zu sein scheinet, so wäre es ein unverantwortliches Verbrechen, wenn ich euch den beliebigen Auffentalt versagen wolte, von allerverdrüsslichen Mühe und Arbeit werdet ihr jederzeit befreiet leben können, an meinem Tische und in dieser Burg, so lange ich lebe, vor lieb nehmen, nach meinem tod aber werden euch die redlichen Meinigen auch niemals Not leiden lassen, denn ich bin versichert, dass sie den Befehle ihres AltVaters nimmermehr so stark zuwider handeln können. Was aber eure Schätze anbelanget, so wendet dieselben in GOttes Nahmen euren leiblichen Bruder zu, mein Eberhard kan ihn zu sich nach Amsterdam oder einen andern Holländischen Ort verschreiben, und demselben alles einhändigen, denn wir haben dergleichen zeitliche Güter, nach hiesiger Beschaffenheit, in solchem Uberflusse, dass wir nichts mehr