, worin ihnen auch gewillfahret wurde, weil sie gute Luteraner waren, Bertolt der Holländer aber, ingleichen die beiden Engelländer, Tau und Pürr wurden nicht so bald dazu gelassen, ungeachtet sie es verlangeten, denn der erste, der sich zu der Secte der Calvinisten bekennete, hatte einen sehr elenden Begriff von Glaubens-Sachen, die andern beiden aber schienen Indifferentisten zu sein, weil sie selbsten nicht eigentlich wusten, zu welcher von den dreien Haupt-Secten des christentum sie sich zählen sollten. Herr Mag. Schmeltzer hingegen fing von selbigen dato an, sich täglich ein paar Stunden von der reinen Glaubens-Lehre, mit ihnen zu besprechen, brachte auch alle drei noch vor meiner Abreise so weit, dass sie einige, bissanhero, ja von Jugend auf gehegten irrigen Meinungen erkandten, selbigen absagten, und sich zu der reinen und unverfälschten Evangelischen Wahrheit bekandten, und darauf das Heil. Abendmahl nach Christi Einsetzung empfingen.
Es wurde immittelst auf eines jeden Tun und Lassen sehr genau achtung gegeben, da wir aber vermerckten, dass einer so wohl als der andere die allergröste Lust bezeigte, auf der Insul zu verbleiben, wurden die 6. erstgemeldten Handwercker eines Tages zum Alt-Vater beschieden, welcher ihnen durch Herrn Wolffgangen seine Meinung vortragen liess: ob sie nämlich, wo nicht auf Lebens-Zeit, jedoch etwa auf 3. oder 4. Jahr, in dieser Insul zu verharren, und ihre Professionen den Unsern zu lehren Belieben trügen, da ihnen denn letzteren Falls, die freie Abfuhre nach Europa nebst einem Geschencke von 2000. Tlr. zu statten kommen sollte; Sie nahmen also den Vorschlag ohne eintziges Bedencken sämmtlich mit Vergnügen an, und legten gleich darauf folgenden Tages, den, ihnen allen zur Uberlegung aufgeschriebenen und zugestelleten Eid der Treue ab, wurden auch also fort unter die Zahl der Felsenburgischen Einwohner gerechnet.
Dietrich der Peruquier hatte dieses kaum vernommen, als er mit ganz betrübten Gebärden zu mir kam, und fragte: warum denn er unter seinen 6. übrigen Cameraden allein vor so unwürdig und verächtlich geachtet, und nicht auch auf dieser Insul geduldet werden sollte, da er doch aus Liebe zu dieser angenehmen Lebens-Art nicht allein seine Eltern, Geschwister, Erbschafft und alles zurück setzen, und sich so ehrlich, als wohl einer von den andern sechsen, aufführen wolte? Ich gab ihm hierauf zur Antwort: Mein werter Freund, an eurer person und Redlichkeit hat niemand das geringste auszusetzen, allein, wie ich vermercke, so ist dem Befehlshaber dieses kleinen Landes eure Profession zuwider, wie ihr denn selbst absehen könnet, dass selbige allhier ganz nichts nützig ist, weil kein eintziger eine Peruque trägt, ich vor meine person habe zwar selbst so wohl als Herr Mag. Schmeltzer, Mons. Litzberg und andere mehr, in Europa auch Peruquen getragen, allein auf Zureden Herrn Wolffgangs, warffen wir dieselben hinweg, so bald wir in Amsterdam zu Schiffe gegangen waren, und liessen unsere Haare, der natur gemäss, wachsen, demnach hat von hiesigen eingebohrnen Insulanern niemals einer eine Peruque gesehen, es sollen auch dergleichen niemals eingeführet werden. Saget demnach, was ihr uns auf dieser Insul vor Nutzen schaffen köntet, und ob es nicht besser vor euch sei, wenn ihr ein ansehnliches Geschencke empfanget, wodurch ihr euch, so bald wir in Europa anländen, an irgend einem guten Orte niederlassen, und eure Profession treiben könnet? Der gute Dietrich wurde dieser Reden wegen noch betrübter, und gab zu vernehmen, wie auf der ganzen Welt wohl kein Mensch zu finden, der des Herumschweiffens überdrüssiger wäre als er, deswegen er inständig bitten wolte, es doch auf eine person mehr oder weniger nicht ankommen zu lassen, sondern ihm das Dableiben zu erlauben, indem er sich so hertzlich sehr nach dergleichen ruhigen und vergnügten Leben sehnete, er wolte hingegen an seine Peruquenmacher-Profession ganz und gar nicht mehr gedencken, sondern sich bei Mons. Plagern in die Lehre begeben, und demselben aufs fleissigste arbeiten helffen, wie er sich denn völlig versichert hielte, dass ihn dieser gute ehrliche Freund an- und aufnehmen, und in allerlei Künsten unterrichten würde. Ausserdem, setzte er hinzu, wäre ja diese Insul gross genug, noch mehr als 1000. Menschen zu ernehren, die zumahlen ihr Brod nicht mit Müssiggehen zu verdienen gesonnen, in Europa hergegen, wäre man tausenderlei Verdrüsslichkeiten unterworffen, man möchte auch gleich viel oder wenig Geld haben.
Die aufrichtige Art, womit Dietrich dieses alles vorbrachte, bewegte mich dahin, dass ich so gleich bei dem Alt-Vater, Mons. Wolffgangen und Herr Mag. Schmeltzern sein Wort redete, und endlich zuwege brachte, dass ihm erlaubt wurde, auf der Insul zu bleiben. Mons. Plager nahm ihn mit Freuden zu sich in seine Behausung, und man merckte binnen wenig Wochen, dass sich Dietrich nicht allein sehr wohl zu dieser Profession schickte, sondern sich auch alle Mühe gab, Mons. Plagers seiner Frauen jüngste Schwester, welches ein artiges Mägdlein von 14. Jahren war, bei zeiten zu seiner Braut zu erwerben. Es ist auch dieser beiden Verlöbniss noch vor meiner Abreise gehalten worden.
Beiläuffig muss ich auch melden, dass sich Heinrich Tau sonderlich in die Talli verliebt hatte, allein er war unglücklich, denn vors erste schützte die Talli vor: dass sie ihn nicht lieben könnte, und vors andere hätte der Alt-Vater auch ungern gesehen, wenn zwei frembde Personen ein besonderes Geschlechte auf der Insul errichtet hätten.