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Trinit. wurde die Talli Nachmittags in Gegenwart fast aller Insulaner getaufft, ihre Tauff-Zeugen waren: der Alt-Vater Albertus, die Frau Mag. Schmeltzerin und die Frau VVolffgangin, welche ihr die Nahmen Albertina Christiana Sophia beilegten. Herr Mag. Schmeltzer hielt darbei, an statt der Mittags-Predigt, einen erbaulichen Sermon und stellte nach gelegenheit des Sonntags Evangelii in artiger Vergleichung vor: die durch Christum verrichtete Heilung des Wassersüchtigen, und die Reinigung, welche durch das wasser-Bad der Heil. Tauffe geschicht etc. etc.

Bald nach empfangener Tauffe legte sie im BeichtStuhle ihre beichte ab, und hierauf wurde ihr das Heil. Abendmahl gereicht, in dem sie sich den ganzen Tag der Speise und Trancks entalten, auch vor Untergang der Sonnen nicht essen oder trincken wolte, ungeachtet ihre Paten eine köstliche Mahlzeit vor alle Anwesenden Insulaner auf Herrn VVolffgangs Taffel-platz zugerichtet hatten.

Immittelst dass dieses alles in Gross-Felsenburg vorging, wolten die Frembden auf der Insul Klein-Felsenburg vor Neugierigkeit fast die Schwindsucht kriegen, da sich der kapitän Horn bei ihnen von einer Zeit zur andern entschuldigte, dass er von dem Gouverneur der grossen Insul keine erlaubnis bekommen könnte frembde Leute hinnein zu führen, und weilen sie nicht das geringste Land, sondern rings herum lauter steile wüste und unförmliche Klippen gesehen hatten, gleichwohl aber wöchentlich die allerschönsten frischen Victualien, lebendiges Wildpret und andere Tiere bekamen, mochte ihr verlangen alles in Augenschein zu nehmen um so viel desto grösser sein, allein der kapitän wuste sie von einer Zeit zur andern zu trösten, und ihnen das gute Leben, so sie allhier hätten, nebst der Hoffnung reichlicher Beschenckung, dergestallt süsse vorzumahlen, dass sie von einer Zeit zur andern bei der Güte erhalten wurden, wie sie sich denn sehr bequeme Hütten gebauet, und ihre Wirtschafft aufs beste eingerichtet, auch gelegenheit genug hatten, sich bei der allerschönsten Jahres-Zeit, den vergnütesten Zeit-Vertreib mit jagen, fischen, spielen und dergleichen zu machen.

Zwischen der Zeit mussten unsere schiffes-BauLeute das frembde Schiff aufs Trockene bringen, den Boden nebst allem was wandelbar daran gefunden wurde, unter Anweisung Herrn VVolffgangs und der beiden Capitains von ganz ebenen Holtze machen und solches auf eine ferne Reise vollkommen wohl zubereiten, worauf der kapitän Horn, der nunmehr nicht mehr volle Ladung hatte, eine grosse Quantitæt Reiss und Rosinen von den Felsenburgl. einlude, und sich immer allmählich bereit machte, aufs längste im künfftigen November monat von dannen zu fahren. Wir hätten sonsten den Frembdlingen gern das Vergnügen gegönnet, unsere Insul und alle Anstallten derselben zu besichtigen, allein Ratio status erfoderte vor diesesmahl ein anders, doch da einsmahls der kapitän Horn seine ganze Gesellschafft noch einmal herrechnete, und darbei ihre Professionen und Lebens-Arten erwehnte, hielt sich Herr VVolffgang bei nachfolgenden auf, die uns auf dieser Insul noch fehleten und vielleicht gute Dienste leisten könnten, nämlich, 1) ein Gürtler. 2) ein Nadler, 3) ein Gerber, 4) ein Hutmacher. 5) ein Seiler. 6) ein Kupfferschmidt. Weilen nun der kapitän Horn versicherte, dass dieses alles ganz feine unveralterte Kerls wären, die sich leichtlich würden bereden lassen auf dieser Insul zu bleiben, indem er von ihnen vernommen, dass keiner in seiner Heimat viel zu suchen wüste, als wurde beschlossen, dieselben gleich morgendes Tages mit guter Manier und, wo möglich, ohne Vorbewust der andern herüber zu holen.

Der kluge kapitän Horn legte auch in diesem Stücke eine probe seiner Verschlagenheit ab, denn er hatte einen nach den andern heimlich vorgenommen, und mit ihnen verabredet, dass, mittlerweile er sich nebst allen andern auf den Weg ins Gebüsche, um das Land auszukundschaffen, begeben würde; sie sich indessen heimlich zurück schleichen, und ins Schiff verstecken sollten, damit er gegen Abend unvermerckt mit ihnen abfahren könnte. Diese List war also glücklich von statten gegangen, ausgenommen dass sich ein eintziger ungebetener, gleichfalls mit eingeschlichen hatte, den der kapitän, um das ganze Spiel nicht zu verderben, auf sein unablässiges Bitten fast mit Gewalt mitnehmen müssen. Demnach bekamen wir bei schon ganz später Nacht in Gross-Felsenburg folgende fremde Gäste zu sehen:

1. Johann George Bucht, ein Nadler aus

Deutschland, 27. Jahr alt.

2. Baltasar Gottfried Herbst, ein Gürtler aus

Deutschland, 35. Jahr alt.

3. Johann Conrad Rümpler, ein Gerber aus

Schlesien, 31. Jahr alt.

4. Heinrich Tau ein Hutmacher aus Engelland,

29. Jahr alt.

5. Mattäus Pür, ein Kupfferschmidt aus Engel

land, 32. Jahr alt.

6. Michael Bertolt, ein Seiler aus Holland, 28.

Jahr alt.

7. August Dietrich, ein Peruquenmacher aus

Deutschland, 32. Jahr alt.

Der siebende und letzte, war derjenige, welcher sich mit Gewalt eingeschlichen hatte, jedoch weil der Mensch ganz fein und redlich aussahe, wurde ihm die gebrauchte Verwegenheit, benebst dem ganzen Fehler, vergeben. Sie wurden aber alle zusammen bei Mons. Kramern in Alberts-Raum aufs beste tractiret, in folgenden Tagen aus einer Pflantz-Stadt in die andere geführt, um alle dasige Anstalten wohl in Obacht zu nehmen, nach diesen præsentirte Mons. Horn dieselben dem Alt-Vater, und zuletzt nahmen wir sie mit in unsere Kirche dem Gottesdienste beizuwohnen.

Rümpler, Herbst, Dietrich und Bucht hielten bald darnach bei Herrn Magist. Schmeltzern an, ihnen das Heil. Abendmahl zu reichen