Sachen, die in Felsenburg bleiben sollten, zugebracht, nachher verlieff fast eben so viel Zeit, ja wohl nochmehr, biss jede Sachen an ihren gehörigen Ort gesetzt und meistenteils unter die Familien verteilet wurden, denn es bekam ein jeder haus-Wirt seinen bescheidenen teil, nachdem er viel oder wenig Kinder, oder sonsten Lust und gelegenheit hatte, dieses oder jenes zu nutzen.
Ich muss aber ein wenig zurück gehen und melden,
dass es der 13. Sontag p. Trinit. war, da die Capitains Wodlei und Horn nebst der Talli in unserer Kirche dem öffentl. Gottesdienste beiwohneten. Sie bezeugten ein ungemeines Vergnügen, vornehmlich bei Hrn. Mag. Schmeltzers Predigt über das Evangelium von Barmhertzigen Samariter, die Talli sonderlich, stellte sich dergestallt andächtig, dass jedermann glauben muste, wie es ihr ein rechtschaffener Ernst sei den christlichen Glauben anzunehmen. Herr Mag. Schmeltzer liess sich nach gehaltener NachmittagesPredigt mit derselben in ein ernstafftes Gespräch ein, und befand in der Tat warhafftig zu sein, dass sie des kapitän Horns Bericht nach, schon einen ziemlichen Begriff von dem christlichen Glauben hätte, um nun auf diesen Grund ferner fortzu bauen, nahm Herr Mag. Schmeltzer selbige von dato an täglich etliche Stunden vor, die übrige Zeit aber wurde ihr von dessen und Mons. Wolffgangs Liebste der Catechismus, nest verschiedenen schönen Gebetern auswendig herzusagen gelehret, so dass sie binnen 4 Wochen hinlänglich zubereitet erfunden wurde die Heil. Tauffe zu empfangen.
Eines Abends, da nach der Mahlzeit der Alt-Vater vor der Burg auf dem Hügel in der Lufft sass, u. von vielen seinen Angehörigen umgeben war, sahen wir die Talli mit Herr Mag. Schmeltzers Liebste von Christians-Raum her spazirt kommen, weil sie daselbst die Frau VVolffgangin besucht hatten, weswegen der Alt-Vater den neben ihm sitzenden kapitän bei einer Pfeiffe Toback also anredete: mein Herr; nehmet doch meine Neugierigkeit nicht übel auf, wenn ich frage: was ihr doch eigentlich in zukunfft mit und aus eurer Sclavin der Talli zu machen willens seid? kapitän Horn gab hierauf geschwind zur Antwort: wenn mein Herr erlauben wolte, dass die Talli ihre Lebenszeit auf dieser glückseligen Insul zubringen dürffte, so wäre ich gesonnen diese mir zugefallene Sclavin, und das an ihrer person habende Recht an des Herrn Mag. Schmeltzers Liebste abzutreten, weilen vermercke, dass die Frau Magisterin selbige wohl leiden mag, und mir deucht sie sollte sich in kurtzer Zeit bald darein finden lernen, eine gute Köchin abzugeben, ob sie nunmehr aber etwa Lust zu heiraten bekommen hat, kan ich nicht sagen, weilen in langer Zeit von dieser Materie nichts mit ihr gesprochen habe.
Der Alt-Vater wurde über diese Antwort sehr erfreuet und versprach nicht allein die Talli von herzen gern auf der Insul zu dulden, sondern das an die Frau Magisterin getane geschencke aus seiner SchatzCammer zu recompensiren.
So bald nun beide auf dem Hügel anlangeten, und sich bei uns niederliessen, sagte der kapitän Horn: höre meine gute Talli! mache dich fertig, denn wir werden in wenig Tagen wieder zu Schiffe gehen. Talli verbarg zwar ihr Betrübniss wegen dieses plötzlichen Befehls, sagte aber mit einem tieff geholten Seuffzer: mein Herr! Leute die so wenig Sachen haben als ich, können sich gar bald fertig machen, allein erzeiget mir die Gnade und lasset mich bei diesen vortrefflichen Leuten, in ihrer Kirche die Heil. Tauffe empfangen, damit wenn ich ja auf einer abermahligen langwierigen Reise sterben sollte, ich doch nicht als eine Heidin, sondern als eine getauffte Christin sterben möge. Sie begleitete diese letzteren Worte mit einigen Tränen, welches verursachte, dass dem Alt-Vater und vielen andern ebenfals die Augen übergingen, wenigstens wurden alle Anwesende sehr bewegt. Der kapitän Horn aber fuhr im fragen fort: höre Talli deine Bitte ist schon gewähret, du wirst ehester tages, so bald es dem Herrn Mag. Schmeltzer gefällig ist, getaufft werden, allein sage mir aufrichtig verlangestu nicht viellieber allhier auf dieser Insul zu bleiben, als wiederum zu Schiffe zu gehen? einer Sclavin, gab Talli zur Antwort, gebühret dem Befehle ihres Herrn Gehorsam zu leisten, wenn ich aber eine freie person wäre, so würde allerdings weit lieber an einem solchen Orte bleiben, wo mehr Weibs-Personen, vornehmlich aber Grund fromme Leute wohnen; als unter lauter Manns-Personen im wilden Meere herum schiffen. Meine gute Talli, rieff demnach der kapitän Horn, deine Aufrichtigkeit verursacht, dass ich mich nach deinem Vergnügen bequeme, und mein, an deiner person habendes Recht, an gegenwärtige Frau Magisterin verschencke, die ich zugleich gehorsamst ersuche diese meine bissherige Sclavin, welche ich aber, da der Himmel mein Zeuge ist, nicht als eine Sclavin, sondern als eine leibliche Schwester tractirt habe, zu meinem Angedencken auf- und anzunehmen. Talli wuste vor Freuden nicht was sie tun oder sagen sollte, nachdem aber die Frau Mag. Schmeltzerin ihre verbindliche Dancksagung dieserhalb bei dem kapitän Horn abgelegt hatte, fiel die Talli hurtig vor des Capitains Füsse, und danckte vor die erzeigte Gnade, da er sie aber aufgehoben und ihr viel Glück und Seegen gewünscht, küssete sie der Frau Mag. Schmeltzerin die Hand, und wolte derselben ebenfalls einen Fussfall tun, allein diese verhinderte solches, küssete die Talli auf den Mund und erklärete sie augenblicklich vor eine freie person, sagte anbei sie hätte vernomen, dass die Sclaverei unter den Christen nicht erlaubt wäre.
Nächst darauf folgenden Sonntags nämlich am 17 p.