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den sichersten Weg biss in die Bucht zu zeigen, wo seine Leute aussteigen auf etliche Wochen Dableibens, Hütten bauen konnten, weilen ohne dem voritzo die allerschönste Jahrs-Zeit im völligen Anzuge war. Von der Insul Gross-Felsenburg aber sollten sie wöchentlich ja fast täglich mit allen Bedürffnissen reichlich Versorget werden. Anbei wurde auch verabredet, dass biss auf fernern Bescheid noch niemand anders mehr unsere Insul betreten solle als der kapitän Wodlei und die Talli.

Gleich darauf folgenden Tages früh ging also der kapitän Horn nebst seinen 3 Sclaven, welche sich ungemein wohl gepflegt, auch von Herrn Wolffgangen ganz neue Kleidungen empfangen hatten, zurück nach seinem Schiffe und landete ganz zeitig bei der Insul Klein-Felsenburg an. Ich Eberhard Julius war nebst Mons. Lizbergen, Harckerten und Lademannen mit auf unsern Schiffe unter denen, die ihm den Weg und alle nötige Anstallten zeigeten. Bucht, Eichert, Fleischmann und Dietrich, wie auch die annoch bekandten Boots-Knechte umarmeten uns hertzlich, und vergossen mehrenteils Tränen vor allzugrossen Freuden, wegen vergnügter Zusammenkunfft, ungeachtet wir noch nicht einmal völlig 3 Jahr von einander geschieden gewesen. Sie erzehleten uns ihre gehabten privat Avanturen und suchten im gegenteil zu erforschen, wie es uns gegangen, auch was es eigentlich vor eine Beschaffenheit auf der gegen überliegenden Insul wäre, allein wir sagten anfänglich nicht mehr als ihnen zu wissen dienlich war, liessen inzwischen aus unsern Schiffe die mitgebrachten Delicatessen herbei bringen, und weil der Felsenburgische Wein ihre Kähle sonderlich wohl zu statten kam, betruncken sie sich grössten teils dermassen, dass sie fast nicht mehr sitzen oder stehen konnten, deswegen übergaben die Capitains Horn und Wodlei, einem alten ansehnlichen Engelländer, welcher die Stelle des Ober-Steuermanns begleitete, dass völlige interims Commando und fuhren mit beiden Schiffen, nach dem eines jeden notwendigste Sachen heraus getragen waren, mit Anbruch folgendes Tages zurück nach Gross-Felsenburg.

Die Verwunderung des kapitän Wodlei und der Talli, welche sie beiderseits beim Eintritt auf unsrer Insul, noch mehr aber im fernern Fortgange und endlicher Ankunfft auf der Albertus-Burg spüren liessen, ist nicht wohl zu beschreiben. Die letztere konte nicht allein vollkommen gut Holländisch, sondern fast noch besser Deutsch reden, weil sie selbiges von dem kapitän Horn und seinen bei sich habenden Deutschen, als zu welchen sie jederzeit die gröste Neigung getragen, aufgefasset hatte.

Man merckte eine grosse Blödigkeit an derselben, ungeachtet sie sich schon so lange unter so vielen Manns-Personen allein befunden hatte, deswegen wurde sie von Herr Mag. Schmeltzers und Mons. Wolffgangs Liebste in eine besondere Cammer geführt, und daselbst auf die Felsenburgische Frauenzimmers Art, von Fuss auf neu angekleidet, wodurch ihre feine Gesichts-Bildung und übriges gutes Ansehen, noch weit besser als vorher aus nahm.

Immittelst aber der kapitän Wodlei, von dem AltVater und andern Aeltesten der Stämme aufs beste bewirtet und mit Gesprächen unterhalten wurde, war der kapitän Horn nebst Herrn Wolffgangen und uns andern Europæern, unten an der Nord-Seite auf seinen Schiffe gegenwärtig, um die Ausladung, welche durch unsere Leute verrichtet wurde, zu befördern. Es würde sehr weitläufftig fallen, wenn ich alle mit gebrachten Güter der länge nach specificieren wolte, jedoch kan nicht umhin zu melden was uns am angenehmsten in die Augen fiel, als 1) 4 Chinesische unvergleichlich schöne Zucht-Pferde, 2.) 4 Stücken Rind Vieh worunter zwei trefflich grosse Büffel. 3) 8 Mindanaische Schaafe. 4.) 2 junge Maultiere. 5.) 6 Chinesische Schweine. 6.) 2 paar Pappegayen von besonderer Art, nebst verschiedenen andern raren und uns unbekandten Vögeln. 7.) 12 stück Indianische Hühner und Hähne. 8.) 5 paar Turteltauben. Dieses hielt ich meinen gedanken nach vor die vornehmsten Stücke, nechst dem war etwas höchst verwunderbarliches, dass er auf einer so fernen Reise 3 Bienen-Körbe mit lebendigen Bienen fortbringen können, es hatte aber dem guten kapitän Horn nicht wenig Mühe gekostet dieselben zu erhalten, wie ihm denn von 12 körben, die er eingeschifft, nur diese 3 übrig geblieben, die andern aber ausgestorben waren. Uns gereichten diese, wegen ihres mehr als zu wohl bekandten Nutzens zum ganz besonderen Vergnügen, weilen bei des Alt-Vaters Lebzeiten noch niemals eine Biene auf der Insul Felsenburg gesehen worden. Indem aber der Pappiermacher Klemann eine sonderliche Wissenschafft von Verpflegung der Bienen zu haben vorgab, so wurde ihm erlaubt die drei Binen-Körbe nebst einen Fässlein Honig mit sich nach Johannis-Raum abzuführen. Sonsten hatte der kapitän einen starcken Vorrat von Honig, Wachs, Zucker, Taback, Teé, Coffeé Muscaten-Nüssen, Näglein und andern Specereien, feinen Zeugen, Chinesischen Porcellain und andern Geschirre, eine grosse Quantitæt Eisen Stäbe, sehr viel gegossene Kupffer Klumpen, allerlei Sämereien, worunter sonderlich Mindanaischer TabackSaamen, Tee-Saamen etc. etc. vielerlei Frucht-Kernen, dergleichen bei uns nicht zu finden, in Summa lauter solche Sachen, die den Felsenburgern ungemein zu statten kamen, wiewohl was die Gewürtz-Waaren it. allerlei Chinesische Zeuge, Tapeten, Decken und d. gl. anbelangte, so behielt er mehr als die Helffte nach Europa mit zu nehmen, weiln der Alt Vater, Herr Mag. Schmeltzer und Hr. Wolffgang nicht vor ratsam hielten, die Insulaner mit allzuvielen unnötigen und überflüssigen Sachen, die zumahl mit der Zeit im langen liegen verderben könnten, zu überhäuffen.

Solchergestallt wurden fast 3 volle wochen, mit

Ausladung und Hinaufschaffung der