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der Küste von neu-Guinea hin, und brauchte alle Behutsamkeit, die mit Holländern oder Portugiesen besetzte Insuln zu vermeiden, doch stiegen wir bald bei dieser, bald bei einer andern unbewohnten, oder einer solchen Insul aus, wo Wodlei gewiss wuste, dass keine Gefahr zu befürchten war, um uns mit frischen wasser, Holtz und andern nützlichen Sachen, wie vorhanden waren, zu besorgen. Hierauf schlugen wir uns ganz weit nach der Küste von neu-Holland hinnüber, weilen aber einem jeden schon bekandt war, dass dieses Land eines von den allerelendensten der ganzen Welt sei, betraten wir dasselbe nicht, besuchten aber etliche nicht weit davon liegende Insuln und fanden dieselben wenig besser, wie denn auch die dasigen Menschen fast den unvernünfftigen Tiren gleichen. Wenig Zeit hernach überfiel uns ein erschrecklicher Sturm, der die Barque, worauf sich nebst den Ruder-Knechten 4 Mann von meinen Europæischen Passagiers befanden, von uns hinweg geführt hat, ob dieselbe untergegangen oder irgend an einem Ort in Sicherheit gekommen ist, weiss der Himmel, denn ungeachtet wir bei nahe 6 Wochen auf der Cocos-Insul stille gelegen und unser Schiff daselbst calfatert auch derselben viele Losungen aus den kanonen gegeben haben, so ist sie doch nachher nicht wieder vor unsere Augen gekommen. So bald wir die Cocos-Insul zurück gelegt, entdeckte ich dem kapitän Wodlei, als einem mann, der mir die allerstärcksten Proben seiner Redlichkeit, bei so vielfältigen Gelegenheiten geleistet hatte, mein Vorhaben, wie ich nämlich nicht gesonnen sei auf das Cap der guten Hoffnung zu, sondern ferne bei demselben vorbei zu fahren und auf einer gewissen unbenahmten Insul Rast-Tage zu halten, wo ich ganz besondere Freunde wüste, die sich vor einigen Jahren daselbst in geheim etabiliret und Vorrat genug hätten, uns mit allen Bedürffnissen reichlich zu versorgen. Er legte seine Verwunderung dessfalls zur gnüge an Tag, und liess nicht ab, biss ich ihm, nachdem er mir den Eid der Verschwiegenheit über gewisse Puncte geleistet, so viel erzehlte, als mir Hr. Wolffgang selbst von dem Felsenburgischen Staat eröffnet hat. Sein Vergnügen über dergl. geschichte war unbeschreiblich und wünschte derselbe so wohl als ich, nur fein bald dieses glückseelige Land zu erblicken, welches ich ihm indessen auf meiner, nach besten Vermögen selst gezeichneten Land- und See-Carte, wiese. Wir brauchten hierauf unsere matematischen Instrumenta fast täglich, um ja nicht etwa auf einen Irrweg zu geraten und der Insul Felsenburg zu verfehlen, allein es hat uns dennoch Kummer, sorge und Gedult genug gekostet, durch alle Verdrüsslichkeiten, die sonderlich Wind und Wetter verursachten, hindurch zu dringen, biss uns endlich gestern früh bei aufgehender Sonne, die, durch deren Strahlen erleuchtete Felsen Spitzen, zu unaussprechlicher Freude in die Augen fielen.

Solchergestallt habe ich von allen Personen die mit uns aus Amsterdam gefahren sind, nicht mehr zurück gebracht als 6 Boots-Knechte, und 4 Freiwillige nämlich den Nadler Johann George Bucht aus dem Hildesheimischen, den Hut-Staffier Michael Eichert von Bremen, den Handels-Diener Friedrich Christian Fleischmann aus Glaucha, und den Peruquen-Macher August Dietrich von Erffurt. Die übrigen so sich vor jetzt bei mir befinden sind alle unterwegs eingenommen oder als Sclaven von mir erkaufft worden, unter den erstern befindet sich, nebst 9 Holländern 7 Engelländern und zweien Deutschen, der kapitän Wodlei mit seinen 5 Engelländern, die letzteren aber, nämlich meine Sclaven, deren annoch 9 an der Zahl sind, weiln auf der Cacos-Insul einer davon gestorben, haben sich biss anhero dermassen wohl aufgeführet, dass mich die angewandten Kosten nicht im geringsten gereuen, ungeachtet sie mich über 1500 Rtl. zu stehen kommen. Über diese alle habe ich auch die Talli annoch bei mir, die sich ungemein fromm, keusch und redlich aufgeführet hat, sie ist in allen Articuln des christl. Glaubens ziemlich wohl unterrichtet, zur Zeit aber noch nicht getaufft.

Von meinen eigenen und auch gemeinschafftl. Waaren ist mit der Barque ein ziemlicher teil verlohren gangen, und wir sind insgesammt noch nicht im Glauben einig, ob die Barque vom Wellen verschlungen, oder bei gelegenheit des Sturms leichtfertiger weise von denen darauf befindlichen Personen entführet worden, um die darauf befindlichen Güter an einen sichern Orte unter sich zu teilen.

Jedoch bekümmern ich und alle die bei mir sind uns nicht halb so viel um das verlorne, als um die armen Leute, wenn sie ja verunglückt und ertruncken sein sollten, denn biss hieher haben wir sämmtlich noch so viel Gut und Geld, dass uns die überstandenen Gefährlichkeiten eben nicht verdrüssen dürffen, der Himmel helffe weiter.

Hiernächst habe vermutlich alles wohl ausgerichtet und eingekaufft was mir Herr Wolffgang vor die wertgeschätzten Einwohner der Insul Felsenburg aus Ost-Indien mit zu bringen befohlen hat, erwarte also nur Befehl, wenn und wo ich alles aussetzen und wie mich in allem übrigen verhalten soll, denn vielleicht werden Dinge dabei sein, an welche sie allerseits nicht gedacht haben, und dennoch teils zum Nutzen, teils besonderen Laabsal, teils aber nur zur Lust gereichen.

Hiermit endigte der kapitän Horn den kurz gefassten Bericht von seiner getanen Reise, mit dem Versprechen, selbigen bei bequemen Gelegenheiten von Stück zu Stück weitläufftiger zu erzehlen, worauf beschlossen wurde, dass er morgendes Tages zurück auf sein Schiff gehen, mit selbigen um die Süd-Seite der Insul Felsenburg herum fahren, und bei der andern Insul klein Felsenburg anländen sollte, unser Schiff aber wurde bestellet, bei dessen Ankunfft voraus zu fahren, und ihm