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sie aber Zeit bekömmt, sich gänzlich von ihm loss zu reissen und fort zu lauffen. Zu allem Unglück kommt ihr sogleich ihr Bräutigam frisch entgegen, dem sie das leichtfertige Vorhaben erzehlet, und ihn dergestallt zum Zorne reitzet, dass er so gleich den Wellingson auffsucht und mit ihm anbinden will, allein dieser Bösewicht läst den armen Frisch, nicht einmal ganz an sich kommen, sondern wirfft ihm sein in Händen habendes scharff gespitzt und geschliffenes Beil dergestallt tieff in den Leib hinnein, dass sogleich das Eingeweide durch die hesslich grosse Oeffnung heraus dringet.

Wir hatten nicht so bald Nachricht von diesem abermahligen Unglück empfangen, als wir den tödtlich Verwundeten auf einer Trage-Baare in die Hütten trugen, vermeinten anbei Wellingson, würde nicht wieder zum Vorscheine kommen, sondern sich vielleicht des bösen Gewissens wegen in der Wildniss verbergen, allein er kam noch ehe es Abend wurde, und stellte sich mit ergrimmten Gebärden an, als ob er noch Recht überlei hätte, ich liess ihn aber sogleich fest machen, und biss auf fernern Bescheid krum zusammen schliessen.

Frisch starb dritten Tages nach empfangener Wunde recht erbärmlich, und so zu sagen mit gesunden und frischen herzen, nachdem wir ihn aber mit grossen Leidwesen begraben hatten, traten wir die fernere Reise an, und erreichten endlich, nach vielen ausgestandenen Widerwärtigkeiten von Wind und Wetter, die grosse Philippinische Insul Mindanao.

Indem nun der kapitän Wodlei allhier bereits Bescheid wuste, fuhren wir biss an den Ort, wo wir einen mittelmässigen Fluss aus der Insul in die See fallen sahen, warffen daselbst etwa auf andertalb Meilwegs von der Küste die Ancker aus, steckten grosse neue Englische Flaggen auf, und gaben den Mindanaern unsere Anwesenheit durch 6. kanonen-Schüsse zu verstehen. Es wurde uns von der Insul mit dreien geantwortet, bald aber kam ein kleines Fahrzeug an, worauff sich ein Ober-Officier nebst 4. Mindanaischen Soldaten und einem Dollmetscher, der ein Engelländer war, befanden. kapitän Wodlei kante den letzteren seit etlichen Jahren her, weswegen sie einander mit höfflichen Worten hertzlich bewillkommeten. Er nötigte nicht allein diesen seinen LandsMann, sondern auch den Officier nebst seinen Leuten zu uns an Boord zu kommen, allein die letzteren entschuldigten sich damit, dass ihnen solches bei ihrem Sultan Verantwortung bringen möchte, dem Engelländer aber wurde das Herauff steigen erlaubt, mit welchen sich Wodlei in ein ernstliches Gespräch einliess, da inzwischen ich und einige der Meinigen, den Officier nebst seiner Mannschafft, mit Wein und Confect tractirten, und einen jeglichen reichlich beschenckten.

Mittlerweile ruffte mich VVodlei auf die Seite und sagte: Mein Freund, jetzt ist es Zeit darvon, dass wir einige Kostbarkeiten in die Schantze schlagen, und den Sultan in Mindanao nebst seiner Familie, sonderlich auch seinen Gross-Vetzir der sein naher Vetter ist, ansehnliche Geschencke schicken, denn ich versichere, dass wir hundertfältigen Nutzen davon ziehen können.

Ich liess mir solches gefallen, suchte deswegen aus meinen besten Sachen hervor: erstlich eine güldene Halss-Kette, an welchen VVodlei eine 12. dukaten schwere güldene Medaille befestigte, auf welcher das Brust-Bild Sr. Königl. Maj. in Engelland Georg des ersten abgedruckt war. Zum andern eine kostbare Flinte mit zwei Schlössern und Läufften, 12. Elen Violet-Sammet, und 24. Elen güldene Spitzen, ein Fässlein Canari-Sect, nebst einer kleinen Rolle Canaster-Toback, und vielerlei Arten Europäischer Confituren. kapitän VVodlei legte nicht weniger kostbare Sachen bei, vor des Sultans vornehmste Gemahlin, und deren 5. Kinder, welches 3. Printzessinnen und 2. Printzen waren, ingleichen vor den Gross-Vetzier, und dieses alles muste Adam Gorqves, welcher sehr gut Spanisch und Englisch reden konte, nebst noch einem andern Engelländer von des Capitains VVodlei überbliebenen Leuten, auf einem besonderen kleinen Fahrzeuge, in Begleitung des Officiers überbringen, wir aber schossen wacker mit denen kanonen hinter ihnen her.

Unsere Abgesandten waren nicht allein ungemein wohl empfangen, und nebst den Geschencken angenommen worden, sondern der Gross-Vetzier kam gleich darauff folgenden Tages ganz früh zu uns an Boort, und brachte ein Gegen-Geschencke, dieses bestund in zwei Püffel-Ochsen, zwei jungen Kühen, 6. Ziegen, 3. Körben schön Mehl, 15. grossen Brodten, 6. Körben mit allerlei Koch-speisen, und Früchten, 6. Körben mit Reiss, und in etliche 60. Krügen eines wohlschmeckenden kostbarn Geträncks. Anbei brachte er uns die erlaubnis mit, unser Schiff den Strohm hinauff ziehen zu lassen, und unser Gewerbe nach allen eigenen Gutbedüncken zu treiben.

Der kapitän VVodlei gab sich hierauff dem Gross-Vetzier zu erkennen, wie er nämlich bereits vor 12. Jahren mit dessen Vater, ja ihm den Gross-Vetzier selbst, als einen damahligen Jüngling von etwa 14. biss 16. Jahren sehr wohl bekandt gewesen, welches dem letzteren, als er sich der Wahrheit an ein und andern Merckmahlen erinnerte, eine ausserordentliche Freude erweckte. Er liess demnach nicht ab zu bitten, sich aufs baldigste mit ihm zum Sultan zu begeben, als welches des itzigen Gross-Vetziers Vaters-Bruders-Sohn war, und ich sah nicht ungern dass ihm VVodlei dahin folgte. Mittlerweile aber war ich nebst den Meinigen beschäfftiget unser Schiff an einen solchen Ort zu bringen, wo es vor den Sturm Winden und den Würmern, welche sich um dasige Gegend sonderlich auffhalten, und binnen weniger Zeit einen schiffes-Boden gänzlich durchzufressen vermögend sind, in sicherer Verwahrung liegen konte