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nahmen wir, auf inständiges Anhalten des Engelländers, unsern Weg zurücke nach dessen versunckenen Schiffe, denn er hatte sich mit dreien bei mir befindlichen Täuchern beredet, und nicht allein ihnen, sondern uns allen ansehnliche Geschencke versprochen, wenn ihm die besten Sachen aus seinen so tieff unter wasser stehenden Schiffe herauff geholet würden. Der Portugiese sah solches ungern, allein weiln er mir und den Meinigen selbst vielen Danck schuldig war, konte er sich nicht wohl entbrechen meine Zuredungen statt finden zu lassen, und dem ganz verarmten Engelländer eine der allergrösten Hülffe mit zu leisten. Wir funden aber das versunckene Schiff in weniger Zeit glücklich wieder, unsere 3. Taucher machten sich und ihre Gehäuse, vermittelst deren sie von uns wolten in die Tieffe hinnab gelassen werden, alsobald fertig und traten dergleichen gefährliche Fart wechsels-weise binnen 5. Tagen so offt an, biss sie des Engelländers beste Sachen nach und nach in die hinnab gelassenen Haaken eingehängt hatten, welche so dann von uns hinnauff gewunden, und ihm zugestellet wurden. Er hätte vermutlich nicht ungern gesehen, wenn wir nicht nur noch 5. Tage, sondern so lange gearbeitet hätten, biss nicht das geringste von guten Waaren mehr in seinem Schiffe geblieben wäre; allein weilen er selbst gestunde, dass die grössten Schätze und Kostbarkeiten nunmehr auffgefischt, wurden meine Leute des gefährlichen Handels überdrüssig, also fuhren wir, nachdem er dem Portugiesen ein reichliches Geschencke, an baaren Gelde, vor die erste Aufnahme gegeben, und sich nebst seinen Sachen bei mir eingeschifft hatte, von dannen, und setzten unsere fernere Reise nach Ost-Indien fort.

Ich will alle Weitläufftigkeiten vermeiden, sonsten müste mein Tage-Buch zur Hand nehmen, wenn alle Kleinigkeiten bemerckt werden sollten, da nun aber wohl weiss, dass solche den allermeisten Zuhörern verdrüsslich zu fallen pflegen, so will berichten, dass wir ohne fernere allzugefährliche Beunruhigung wohl vergnügt bei der Insul Java anlangeten. Der Portugiese blieb, ich weiss nicht ob vielleicht aus besonderen Ursachen, eine ziemliche Weite zurücke, ich aber liess mich von dem treuhertzigen Engelländer bereden, in dem Bantamischen Haafen einzufahren und daselbst mein Gewerbe zu treiben, welches mich auch nicht gereuet hat, denn meine Leute, so wohl als ich selbst, zogen an diesem Orte einen ungemeinen Profit.

Hergegen war der gute kapitän Wodlei desto unglücklicher, inmassen seine gemachten Anschläge, sich allhier wieder in guten Stand zu setzen, das gewünschte Ziel nicht erreichten. Denn seine übrig gebliebenen 5. gefährten, spieleten ihm gar garstige Streiche, und brachten den ehrlichen Mann um sehr viel Vermögen, deswegen, ob er schon noch eine ziemliche Geld-Summe vor sich hätte, wolte er dennoch mit selbiger keinen andern Hazard wagen, als sich mit mir in Compagnie einzulassen, und meiner Redlichkeit anzuvertrauen.

Mir und den Meinigen war dieses ein gefundener Handel, denn er besass im Seefahren und Handelen eine weit stärckere Erfahrung und Wissenschafft, als wir alle mit einander, deswegen nahmen wir ihn, seinen Feinden und Verfolgern zum Possen, uns aber zum Vorteil mit Freuden auff, und fuhren mit ihm ohne viel Wesens zu machen, von dannen nach der grossen Insul Borneo zu.

Daselbst liess es sich vor mich und die Meinigen zu einer sehr profitablen Handlung an, denn diejenigen Waaren, welche mir Herr Wolffgang in Commission anvertrauet, und auch dasjenige, was ich so wohl als viele andere vor mich selbst mit genommen hatte, fand überall Liebhaber genug, da aber der kapitän Wodlei merckte, dass ich gegen Gold und Specereien, sonderlich aber gegen ungemein schöne Diamanten allzuviel lossschlagen wolte, sprach er in geheim zu mir: Mein Freund, übereilet euch nicht mit Vestechung eurer Waaren, vor welche ihr anderer Orten weit mehr Gold, die Specereien aber fast umsonst bekommen könnet, was aber die Diamanten anbelanget, so kauffet die schönsten auf, denn in ganz Ost- und West-Indien werdet ihr dergleichen nicht leicht feiner und wohlfeiler finden, eure Leute aber lasset von ihren Gütern immerhin verhandeln so viel als sie wollen, denn auf solche Art wird euer Schiff lediger, und desto bequemer, andere nützliche Waaren vor euch selbst einzunehmen.

Ich vor meine person konte mir fast nicht einbilden, irgendswo eine vorteilhafftere Handelschafft anzutreffen als allhier, allein da der ehrliche kapitän Wodlei sein ganzes Hertze gegen mich ausschüttete und sich sehr obligirte, uns auf einige kleine Insuln in der Gegend der Philippinischen zu führen, wo wir Gold und Specereien zur gnüge antreffen würden; folgte ich nicht allein dem guten Rate, sondern überliess mich seiner guten Vorsorge fast gänzlich.

Meine gefährten, die etwas zu verhandeln hatten, aber, wie dem Herrn Wolffgang bekandt ist, mehrenteils junge unerfahrne Kauffleute waren, schlugen gewaltig loss, weil sie die Messe zu versäumen vermeineten, anbei sich einbildeten ich würde mich eben nicht allzulange in Ost-Indien auffhalten, sondern meine Waaren an einem gewissen Orte auf einmal lossschlagen und verstechen, hernach wiederum auf den eiligen Rückweg dencken. Allein es war gefehlt, und meine Versicherungen, die ich ihnen aus auffrichtigen Gemüte tat, halffen nichts.

Nachdem ich mich aber ihnen zu gefallen lange genug daselbst auffgehalten, das Schiff auch mit allen Bedürffnissen wohl versehen hatte, fuhren wir endlich Sud-Ostwerts ausserhalb der langen Reihe, kleiner, mehrenteils unbewohnter Insuln um Borneo herum, immer gerades weges auf die Philippinischen Insuln loss, wurden aber bald hernach, durch Sturm, an die Macassarischen Küsten verschlagen.

Nicht so wohl die Not als der Vorwitz trieb uns daselbst auszusteigen, zumahlen da der kapitän Wodlei