was das letztere anbetraff, nicht sonderlich überflüssig.
Wir machten uns meistenteils vor allererst über das Portugiesische sehr zerlästerte Schiff her, und brachten dasselbe nach vieler sauern Arbeit endlich in vollkommen guten Stand, hierauff wurde das Unserige vorgenommen, welches mit leichterer Mühe und in kurtzer Zeit völlig ausgebessert war.
Immittelst begegneten uns auf dieser Insul zweierlei Unglücks-Fälle, denn beim Holtz abhauen fuhr einem von unsern Leuten ein scharff zugespitztes Beil vom Handgriffe ab, und dem gegen über sitzenden, der seine Axt auf dem Schleiffsteine wetzte, solchergestallt gerade und tieff in das lincke Auge hinein, dass er, ungeachtet alles angewandten Fleisses dreier Wund-Aertzte, nämlich des unsern, wie auch des Portugiesischen und Englischen, zwei Tage hernach sterben muste. Er hiess Johann Tobias Fasert, meines behalts von Minden an der Weser gebürtig, seiner Profession ein Becker, sonsten ein feiner arbeitsamer und behertzter Mensch von etwa 26. Jahren.
Das andere Unglück begab sich folgender gestallt: zwei Portugiesen, 2. von meinen Leuten, und ein Engelländer, streifften eines Tages etwas weit in die Insul hinnein, und brachten gegen Abend zwei junge Stücken wild, 6. geschossene Vogel, die an Grösse den Amseln gleichten, und dann einen ziemlichen Sack voll delicater Wurtzeln, von welchen man ein überaus wohlschmeckendes Gemüse kochen konte. Sie gaben alles Preiss, behielten auch nur etwas weniges von Wurtzeln, nebst den 6. Vogeln, und bereiteten daraus vor sich eine besondere Abend-Mahlzeit, gingen auch alle 5. in eine besondere Hütte, um vor ihre gehabte Mühe sich etwas a partes zu gute zu tun. Indem sie nun ihr zubereitetes Gemüse, nebst den gebratenen Vogeln angerichtet haben, gehet von ungefähr der sehr betrübte Englische kapitän Wodlei vorbei, weswegen sein Lands-Mann zu den übrigen Compagnons spricht: Sehet, meine Herrn! wie betrübt mein kapitän daher spatzieret, wolte der Himmel er hätte nicht mehr verlohren als ich: so würde ihm das versunckene Schiff lange nicht mehr im Kopffe herum schiffen, aber wenn es euch nicht zuwieder, so will ich ihn auf den 6ten gebratenen Vogel zu gast bitten, denn wir behalten dennoch der Mann noch einen Vogel.
Meine Leute lassen sich dieses so wohl als die Portugiesen gefallen, deswegen wird der kapitän Wodlei, der doch sonsten bei mir speisete, zu gast gebeten, und weil er ein sehr liebreicher Mann war, schlägt er solches nicht ab, sondern isset so wohl etwas von dem Gemüse, als den ihm zugeteilten Vogel mit gutem Appetite, so wohl als die andern, welche noch selbigen Abend lustig und guter dinge waren, und an keine Kranckheit gedachten. Allein folgenden Morgen wurden meine zwei Deutschen, der Engelländer und ein Portugiese auf ihrem Lager tot gefunden, der kapitän VVodlay aber und der andere Portugiese, waren erbärmlich dicke geschwollen, und konnten kaum ein Glied am ganzen leib regen.
Dass unser allerseitiges Schrecken über diese Begebenheit nicht geringe gewesen sein müsse; ist leicht zu erachten, jedoch da unsere schiffes-Barbiers herzu kamen und die Meinung bestärckten, dass so wohl die Verstorbenen als die noch etwas lebenden Patienten ein starckes Gifft genossen haben müsten, wurden alle möglichen Mittel vorgekehret, die letzteren von dem augenscheinlichen tod zu retten, welche denn auch so gut anschlugen, dass so wohl der kapitän als der Portugiese, binnen 14. Tagen gänzlich ausser Gefahr gesetzt wurden. Die Verstorbenen begruben wir, jeden in ein besonderes Grab, doch nahe beisammen, unter einem sehr dicken, ohnfern vom Ufer stehenden Baum, ich aber bejammerte sonderlich meine zwei wackern Leute, deren einer ein verunglückter Handelsmann aus dem Lüneburgischen war, Nahmens Georg Ulrich Vorberg, seines Alters 52. Jahr, der andere ein Fleischhauer aus dem Anhältischen, Nahmens Johann Martin Stahlkopff, von 29. Jahren.
Es entstund unter uns viel Disputirens, woran sich eigentlich diese Personen die Kranckheit und den tot gegessen hätten, denn die meisten von uns, hatten so wohl als jene, von den Wurtzel-Gemüse, obschon keine Vogel gespeiseit, als auf welche letzteren niemand einigen Verdacht legte, sondern vielmehr vermeinte: es müsse etwas sehr gifftiges in ihren Gemüse-Topff, oder in die Anrichte-Schüssel gefallen sein, allein der kapitän Wodlei halff uns aus dem Traume, denn derselbe hatte beobachtet, dass die 4. Verstorbenen, die Magens und das meiste vom Eingeweide ihrer gebratenen Vogel mit gespeiset, welches er und der eine Portugiese zu allem Glück unterlassen hatten. Zu noch stärckern Beweisstume aber dienete, des kapitän Wodlei Hund, welcher nicht das geringste vom Gemüse, jedoch die zwei hinweg geworffenen Eingeweide, nebst den Knochen der Vogel gefressen hatte, und noch in selbiger Nacht gestorben war:
Ich habe etliche Tage hernach in Gesellschafft unseres Chirurgi selbst 8. Stück von eben dergleichen Art Vogeln geschossen, dieser secirte derselben 3. und fand in ihren Mägen eine gewisse Sorte grünlicher Beeren, nebst einem dicken sehr scharffen Saffte, welcher so gleich sein Incision-Messer blau anlaufend machte, und zwar so, dass es nicht wieder blanck zu machen war. Mich daureten unsere 4. getreuen bei uns befindlichen Hunde, sonst hätte ich so fort ein paar Bogel braten und die probe machen lassen, allein der Chirurgus Mons. Brachmann, war dennoch so neugierig und schalckhafft gewesen, ein paar zu braten, und dieselben unvermerckt eines Portugiesen Hunde vorzuwerffen, welcher dieselben begierig gefressen hatte, und noch vor Abends verreckt war.
Nachdem aber so wohl das Portugiesische als unser eigenes Schiff völlig Seegelfertig gemacht war,