, unsern neu-angekommenen Gast best möglichst zu bewirten. Herr Wolffgang allein war nicht zu bereden, sich mit zu Tische zu setzen, sondern er liess sich ein Pferd satteln, jagte damit nach der mittägigen Seite, und halff dem Alt-Vater David alle diejenigen Sachen einschiffen, welche denen vor Ancker liegenden gleich mit anbrechenden Tage überbracht werden sollten, unterrichtete auch einen jeglichen mitfahrenden, was er gegen die Frembden sprechen, und wie er sich gegen dieselben aufführen sollte.
Immittelst speiseten wir andern in guten Vergnügen, vermerckten aber, dass sich Mons. Horn fast mehr nach einer sanfften Ruhe, als nach leck erhafften speisen und Geträncke sehnete, denn er hatte würcklich etliche Tage daher nicht allein einen mittelmässigen Sturm ausgestanden, sondern war wegen wieder Antreffung dieser Insul dergestalt besorgt gewesen, dass er bereits feit etlichen Wochen sehr wenig schlaffen und ruhen können. deswegen wurde er bald nach aufgehobener Taffel, und nachdem wir uns ingesamt eine kleine Bewegung gemacht, in meine Cammer auf ein besonders gutes Lager geführt, und ermahnet, ohne alle Sorgen so lange ruhig zu schlaffen, als es ihm selbst möglich wäre, ich aber bestellete ein paar geschickte Knaben zu seiner Bedienung, welche ihm, so bald er aufgestanden, behörig bedienen, hernach zu Herr Mag. Schmeltzern zum Caffeé führen sollten, und begab mich, ungeachtet es fast Mitternacht war, nebst Mons. Litzbergen, Kramern und Lademannen auf den Weg noch der Ostlichen Höhe, um auf derselben kommenden Morgen unser Schiff bei dem vor Ancker liegenden anfahren zu sehen. Wir erreichten das Wacht-haus auf der Ostlichen Höhe noch lange vor anbrechenden Tage, legten uns deswegen noch auf ein paar Stunden zur Ruhe, und schlieffen so lange, biss wir durch die Donnernden kanonen, wormit so wohl unser als das vor Ancker liegende Schiff einander begrüsseten, aufgeweckt wurden. Es mochte wohl ungefähr 8. Uhr sein da sich die Unsern an das Gast-Schiff anhingen, weswegen wir durch überflüssige Neugierigkeit sattsam vergnügt zurück kehreten, und noch mehr ermüdet um Mittags-Zeit auf der Alberts-Burg wieder eintraffen, wo Herr Wolffgang ebenfalls zurück gekommen war.
Nachdem wir die Mittags-Mahlzeit eingenommen hatten, hat sich der kapitän Horn von selbsten die Freiheit aus, eine so kurz als möglich gefassete Relation von seiner Reise, seit dem er im Novembr. 1725. von uns Abschied genommen, abzustatten, weiln nun alle Anwesende höchst begierig waren, selbige mit anzuhören, als setzten wir uns sämtlich in bequehmliche Ordnung, worauf Mons. Horn folgendergestalt zu reden anfieng:
Nachdem ich vor nunmehr 3. Jahren auf der Reise aus Amsterdam, biss Angesichts dieser glückseeligen Insul, von meinem allerbesten und wertesten Patrone, gegenwärtigen Herrn Wolffgang sattsame Instructiones, wegen meiner künfftigen Aufführung, fortzusetzenden Reise und endlichen Rückkehr erhalten; auch wie ihnen allerseits wissend sein wird, behörigen Abschied genommen hatte, führte, mich ein nicht allzugütiger Wind bei nahe zwei monat fort, ohne das geringste Ungemach zu empfinden, endlich aber wurde uns bange, da das süsse wasser, und das Brenn-Holtz ganz auf die Neige gekommen war, und wir nicht wusten zu welcher Seite wir uns wenden sollten, etwa eine Insul anzutreffen, auf welcher dieser Mangel ersetzt, und auch sonsten ein oder andere nötige Verbesserung am Schiff vorgenommen werden könnte. Ehe aber unser Wunsch erfüllet wurde, mussten wir einen entsetzlichen Sturm ausstehen, welcher biss in den 11ten Tag anhielt, und uns nicht allein dergestalt abgemattet, sondern auch das Schiff, ungeachtet es ungemein dauerhafft gebauet war, also zugerichtet hatte, dass wo sich nicht bald Land zeigte, nichts gewissers als das Verschmachten und Versincken zu vermuten war.
Zwei Tage nach dem gewünschten Abschiede des Sturms traffen wir ein in letzten Zügen liegendes Portugiesisches Schiff an, dessen Gefahr wir dennoch weit grösser als die Unsrige befanden, denn es sass auf einer verdeckten Sandbanck dergestalt feste, als ob es angenagelt wäre, und einen Flinten-Schuss davon, rageten die Masten eines andern versunckenen schiffes aus dem wasser heraus. Wir waren sämtlich nicht allein wegen unserer eigenen Not, sondern aus mitleidigen Triebe so gleich bereit diesen Elenden unsere Hülffe anzubieten, brachten auch des Portugiesen beste Ladung, so wohl, als die darauf befindliche Menschen, in unser Schiff, und das Portugisische Schiff glücklich von der Sandbanck ab, worein sich aber niemand mehr wagen wolte, weiln es bei dem geringsten Ungestüme auseinander zu gehen drohete. Das versunckene war ein Englisches Schiff, von welchem der Portugiese den kapitän nebst 6. Mann die sich noch bei zeiten ins kleinste Boot werffen können, auffgenommen hatte, hingegen war den guten Engels-Männern ihr Vermögen mit versuncken.
Ich und die Meinigen waren nur in diesem Stück sehr vergnügt, dass wir von dem Portugiesen frische Kost und süsses wasser bekamen, denn derselbe hatte sich nur neulichst auf dem Cap der guten Hoffnung mit allen Bedurffnissen wohl versorgt. Nachdem uns derselbe aber angezeigt, dass wir, nach kurtzen herum creutzen, unfehlbar ein oder die andere kleine obschon unbewohnte Insul in dieser Gegend antreffen müsten, folgten wir seinem Rate, traffen auch würcklich nach dreien Tagen zwei derselben mit den Augen an, wovon wir die nächste und kleineste zu unserm Trost- und Ruhe-platz erwehleten. Des HimmelsVorsorge liess uns auf derselben dasjenige antreffen, was wir am allernötigsten brauchten, nämlich süss wasser und ziemlich gutes Holtz zu ausbesserung der Schiffe, ausserdem reichte uns nicht allein die See vielerlei fisch-Arten, sondern auch das Land einige Früchte und Fleisch Werck, jedoch