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mir sogleich ahndete, dass es vielleicht der aus Ost-Indien zurückkommende kapitän Horn sein werde, indem sich aber Herr Wolffgang und Mons. Litzberg bei uns einstelleten, nahm mir der erstere das Wort aus dem mund, und erinnerte, dass es ratsam sei, unser leichtes Schiff aus der Süd-Bucht heraus zu langen, und diesen Frembden mit einigen Erfrischungen entgegen zu fahren, wenn doch zu vermuten, dass es Christent-Leute wären, die von unsern hiesigen Auffentalt einige Nachricht hätten, im Fall ja der kapitän Horn selbst nicht gegenwärtig sei. Auserdiesen könnte auch wohl sein: dass die vor Ankker liegenden in grossen Nöten stäcken, und durch Abfeuerung ihrer kanonen Hülffe rieffen. Der AltVater hielt Herrn Wolffgangs Meinung vor billig, und weiln der Stamm-Vater David eben zu rechter Zeit ankam, nahm derselbe, ungeachtet seines hohen Alters, die Mühe über sich, nebst erforderlicher Mannschafft unser Schiff hervor zu führen, und in aller Eil ein und andere gute Lebens-Mittel einzuladen. Allein, wenig Stunden hernach, landete ein von dem frembden Schiffe ausgeworffenes Boot, an der Nord-Seite bei unsern Felsen an, und wir erkannten so gleich von der Höhe herab die person des kapitän Horns, welcher noch 3. andere Personen bei sich hatte. Demnach stiegen Herr Wolffgang, Mons. Litzberg, Mons. Kramer und ich so gleich hinnab, und empfiengen denselben auf eine solche zärtliche Art, als ob er unser leiblicher Bruder gewesen wäre.

Die drei bei ihm seienden, waren seine auf den Philippinischen Insuln erkauffte Sclaven, konnten aber jedoch schon ziemlich gut Holländisch sprechen, weil uns nun etliche junge Männer mit einigen Flaschen Wein, weissen Brodte, gebratenen Fischen und Fleische, auch allerlei Früchten beladen, nachgestiegen waren, mussten ihrer 6. die 3. frembden Gäste, in diejenige, von der natur wohl zubereitete, Felsen-Höle führen, worin ehemahls noch vor Entdeckung des Landes, der Alt-Vater Albertus nebst Franz van Leuven, Concordien und Lemelie viele Tage lang ihren Auffentalt genommen hatten, und sie daselbst aufs beste bewirten, denn Mons. Wolffgang wolte ohne specielle erlaubnis des Alt-Vaters, keinen andern Frembden als den kapitän Horn, auf die Insul führen. Die drei guten Menschen, welche seit etlichen Wochen keine recht schmackhafften speisen, vielweniger dergleichen köstliches Geträncke zu sich zu nehmen, gelegenheit gehabt, waren vor Vergnügen ganz ausser sich selbst, also weiter um keine anderen wichtigen Sachen bekümmert, als ihres Leibes zu pflegen. Mittlerweile waren oben auf dem land die Schleusen zugesetzt worden, und das wasser im Felsen-Gange abgelauffen, weswegen wir den kapitän Horn, nachdem er etwas Speise und Tranck zu sich genommen, auch seinen Sclaven befohlen, seinetalben ohne alle Sorgen zu leben, biss er wieder zurück käme, hinauf führeten, vor Nachts noch etliche Gebund Stroh, Bett-Decken, nebst noch mehrern Lebens-Mitteln vor die drei Frembden hinunter tragen liessen, und den lieben Gast, auf der Albertus-Burg dem Alt-Vater in seinem Zimmer vorstelleten.

Der Alt-Vater sass in seinem Gross-Vater-stuhl, welchen ihm Lademann sehr bequehm gezimmert, mit Tuch beschlagen, und mit wild-Haaren ausgestopfft hatte. Mons. Horn erstaunete recht bei seinem Eintritte, einen solchen venerablen Greiss mit dem weissen langen Barte zu sehen, der eine schwartze Sammet-Mütze, und einen langen SchlaffRock von braunen Atlas trug, machte ihm aber ein solches höffliches Compliment, als man sonsten gegen Fürsten und Herrn zu tun pflegt, indem er sich aber näherte, stunde der Alt-Vater auf, und empfieng ihn mit einem Kusse.

Des kapitän Horns Anrede bestund ungefähr in folgenden Worten: Ehrwürdiger Alt-Vater! Ich komme zu ihm als einem mann, den der Himmel durch seine besondere Fügung vor andern Menschen in einen bewunderens würdigen Stand gesetzt, mit Erzeigung des schuldigen Respects, und dancke gehorsamst davor, dass mir die erlaubnis gegeben worden, dieses sonderlich glückseelige Erdreich, so gar auch sein Zimmer zu betreten, will aber bei dieser ersten Zusammenkunfft weiter nichts melden, als, dass ich ehe mein Leben, wenn es möglich wäre, tausendmahl verliehren, als des löblichen ewigen Nachruhms entübriget sein wolte, ein getreuester Knecht und Freund von ihm und allen dessen Angehörigen zu sein.

Des Alt-Vaters Gegenrede lautete ungefähr also, Mein Herr und Freund! ich lobe den Allerhöchsten, dass er euch nach einer bei nahe dreijährigen, und unfehlbar mit vielen Gefährlichkeiten verknüpfften Reise, gesund zu uns geführt hat. Herr Wolffgang und andere von meinen lieben Angehörigen haben mir dermassen viel von eurer sonderbaren Treu und Redlichkeit vorgesagt, dass ich, in eure person das geringste Misstrauen zu setzen, eine Missetat begehen dürffte, deswegen habt ihr keine ursache euch bei uns als einen Knecht, sondern vielmehr als einen werten Hertzens-Freund auszugeben, wollet ihr aber mir und den Meinigen nach gelegenheit ein oder andere gefälligkeit erzeigen, so versichere dagegen, dass ich im stand bin, euer zeitliches Glück, daferne es anders die Göttliche Vorsicht nicht verhindert, auf solchen Fuss zu setzen, dass ihr vor vielen, ja etlichen 1000. andern Europäern auf diese oder jene Art sehr vergnügt leben könnet.

Es wären freilich noch ein- und andere höffliche Reden gewechselt worden, allein Herr M. Schmeltzers Liebste hatte die Abend-Mahlzeit in dem grössten Zimmer bereits auftragen lassen, weswegen wir uns in Begleitung der mehresten Aeltesten der Geschlechter, und einiger naturalisirten Felsenburger dahin verfügten