einerlei Stellung blieben, wobei das Zucken, Flimmern oder Blitzen beständig fort dauerte, je näher aber der Tag heran ruckte, je blasser begunten die feurigen Strahlen und andere Figuren zu werden, biss endlich mit anbrechenden Tage das ganze gesicht verschwand.
Wie ich bereits oben gemeldet, waren nicht allein die aller meisten Einwohner hierüber hefftig erschrekken, so dass auch fast kein eintziger Mensch an das Schlaffen gedacht, sondern das Ende abgewartet hat, sondern es wurde auch davor gehalten, dass dieses Feuerzeichen eine vorher Verkündigung ganz besonderer Zufälle sein müsse; allein da Herr M. Schmelzer, Mons. Litzberg, Herr Wolffgang nebst dem AltVater, und andern, die sich von der Physic einen rechten Begriff machen konnten, die Sache weiter überlegten; und darinnen einig wurden, dass dieses Wunder vor ein starckes Meteoron oder Nord-Licht zu achten sei, Herr Mag. Schmelzer auch nächst darauf folgenden Sonntage Nachmittags einen erbaulichen Sermon darüber gehalten, und die Wunder GOttes, welche er in die natur gelegt, anbei die vernünfftigen Ursachen solcher Feuerzeichen angezeigt hatte, verwandelte sich der meiste teil des Schreckens bei allen in eine Gottesfürchtige Bewunderung, so dass wir dergleichen Meteora, welche sich nachher noch etliche mahl, wiewohl nicht gar so sehr fürchterlich zeigten, sämtlich mit mehrerer Gelassenheit betrachteten. Mons. Eberhard Julius hat bei dieser Passage einen gar feinen und gelehrten Discours, den die Felsenburgischen Herrn Naturkündiger dieses Meteori wegen gehalten, beigebracht, weil aber derselbe gar zu weitläufftig, über dieses seit wenig Jahren fast aller Orten verschiedene Observationes und Abhandlungen von solcher Materie, in deutscher, Lateinischer und andern Sprachen gedruckt zum Vorscheine gekommen sind, so dass fast ein jeder gemeiner Mann in Deutschland ziemlich wohl darvon zu raisoniren weiss, als habe mich unterstanden, selbigen aussen zu lassen.*
Am 15. May kam in Alberts-Raum durch Verwahr
losung eines kleinen 4. jährigen Mägdleins, welches in Abwesenheit der Eltern einen glüenden FeuerBrand zu nahe an den gedörrten Flachs getragen, ein haus dergestalt geschwind in Brand, dass, ungeachtet aller angewandten Arbeit, keine Rettung zu tun war, sondern dasselbe, nebst Scheunen und Ställen zum Aschen-Hauffen werden muste, jedoch, ausser dem am allermeisten Haussgeräte dieser guten Leute, war nichts beklagenswürdiger, als ein junges Rind, und 13. Stück Hüner, welche, weil man in der Angst nicht an dieselben gedacht, mit verbrandt waren.
Die klare Wahrheit zu sagen, so war uns allen an diesen jungen Stück Rind-Vieh, und den Hünern dermassen viel, ja weit mehr gelegen, als an einem ganzen haus und allen dazu bęnötigten haus-Rate, denn dergleichen haus war bei so redlicher Handreichung, binnen kurtzer Zeit wieder aufgebauet, der haus-Rat aber konte in einem eintzigen Tage, ohne jemands Schaden, zehnfach, ja was sage ich: hundertfach ersetzt werden. O! wie mancher Bösewicht in Deutschland sollte sich mit grössten Vergnügen, ohne eintzigen Gewissens-Scrupel zu machen, sein Wohnhauss selbst über dem Kopffe anzünden, und nackend und bloss heraus lauffen, wenn er sich nur dergleichen Beneficien zu getrösten hätte. Sonsten, weil ich eben jetzt gedacht, in was vor sonderbaren Werte das Europæische Vieh auf unserer Insul gewesen, fällt mir bei, dass als eines Tages Herr Wolffgang den AltVater, nebst einigen andern guten Freunden zu gast, und unter andern Gerichten, etliche gekochte junge Hüner nebst einem Kalbs-Braten aufgesetzt hatte, war der Alt-Vater dermassen eigensinnig, dass er weder von dem einem noch dem andern Gerichte etwas kosten wolte, sondern es dem ehrlichen Herrn Wolffgang vor eine unverantwortliche Verschwendung auslegte, indem sich selbige Tiere noch lange nicht so stark vermehret hätten, dass man sie mit Recht zu Leckerbissen brauchen dürffte. Herr Wolffgang aber zeigte sich hierauff dermassen gefällig gegen den AltVater, dass er ihm ungelobte binnen Jahr und Tag kein einzig Stück Feder-Vieh, binnen 5. Jahren, auch kein vierfüssiges Europæisches Tier schlachten zu lassen, ungeachtet wir damahliger Zeit schon eine ungemein starcke Anzahl von Hünern, Gänsen, Tauben und dergleichen halten.
Am 23. May wurde ein junger Mann aus Simons-Raum, welcher zur unrechten Zeit etwas von sehr feinen Tone aus den Ton-Gruben hauen wollen, plötzlich verschüttet und sehr zerdrückt, jedoch weil es andere Leute zeitig wahrgenommen, annoch vom jämmerlichen Ersticken errettet, und von Mons. Kramern wiederum völlig aus curiret. Acht oder 10. Tage hernach fiel unsers ehrlichen Töpffers, Meister Schreiners, Brenn-Ofen ein, so, dass alles darinnen befindliche Töpffer-Zeug zerschlagen, einer von seinen Lehrlingen aber durch einen Stein auf dem Kopffe sehr beschädiget wurde.
Zu Ende des Monats Julii brachte in Davids-Raum ein Schaaf ein monstreuses Lamm zur Welt, mit zwei Köpffen, 4. Beinen und zwei Schwäntzen, am 5ten Tage wurde selbiges von Mons. Kramern geschlachtet, anatomirt, und dessen Haut zur Raritzt ausgestopfft, auch die Gebeine ausgekocht, und ordentlich an einander gehefftet, gleicher gestalt wie die aufgerichteten Scelata in den Europaæischen Anatomie-Cammern gesehen werden.
Am 16. Augusti etwa zwei Stunden vor dem Mittage, höreten wir auf der Insul ein starckes Donnern von abgefeuerten kanonen aus Osten her erschallen, weswegen sich die hurtigen Roberts-Raumer sogleich auf die Felsen-Höhen begeben, und unsern dahin abgefertigten Boten die Nachricht entgegen gebracht hatten, dass auf dem hohen Meere ein Schiff vor Ankker läge, welches einmal über das andere fein Geschütz lösete. Ich sprung vor Freuden in die Höhe, weil