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Verstellung erblicket haben, allein, wie gesagt, seine Augen wurden unfehlbar gehalten, deswegen blieb ich sein vertrautester Peter. Zu mehreren Beweiss, dass GOtt seinen bissherigen Mord- und Diebs-Streichen einmal Einhalt tun wolte, muste er auf die gedanken geraten, mich Tages vorher, ehe der grausame Diebstahl geschehen sollte, zum Stadt-Richter zu senden, um vor ihm und mich einen Reise-Pass nach Wien auszulösen, als worzu er mir zwei spec. dukaten mitgab. Indem ich hinging, mein befohlenes Geschäffte auszurichten, war noch nichts weniger in meinen gedanken als die ganze Karte zu verraten, sondern ich hatte mir vorgenommen, gegen Abend, vorsichtiger weise die Treppe herunter zu purtzeln, und mich zu stellen, als ob ich sehr beschädigt, also untüchtig wäre, mit auf Partie auszugehen, nachdem ich aber bei dem StadtRichter meines Herrn Compliment angebracht, die Reise-Pässe erhalten, und ihm darvor die 2. spec. dukaten dargelegt hatte, sprach dieser ehrliche Mann: Ach mein Freund, nehmet in GOttes Nahmen euer Geld zukücke, ich verlange nichts, und wünschte von herzen, dass ich eurem Herrn diesen Dienst schon vor etlichen Wochen leisten können, wo es anders sein Ernst ist, von hier abzureisen. Ich stutzte ziemlich über dergleichen Redens-Art, da aber vermerckte: dass dieser Mann ohnedem kein gut Concept von meines Herrn Lebens-Art gefasset hatte, brach ich auf einmal loss, und sagte: Woferne ich mich auf seine augenscheinliche Redlichkeit verlassen dürffte, so, dass mir, als einem ehrlichen Handwercks-Purschen, der ob er gleich jetzt Laqveien-Kleider anhätte, dennoch lieber auf seiner Profession arbeiten, als Herren dienen wolte, kein unschuldiger Tort angetan würde, ich im stand sei, ihm ein solches geheimnis zu offenbahren, wodurch vielleicht einem grausamen Ubel vorgebauet werden könnte. Solchergestalt sah mich der Stadt-Richter etwas eigentlicher an, bat aber mich, ihm auf seine geheime stube zu folgen. Daselbst fing er so gleich also zu reden an: Mein Freund, ich mercke, dass ihr ein redlich Hertze im leib habt, scheuet euch deswegen nicht, mir alles zu vertrauen, was so wohl eure person als andere gefährliche Sachen betrifft, und glaubet, dass ich nebst meiner Haabe und Gütern, auch mein Leib und Leben, ja meinen teil, den ich an der ewigen Seeligkeit dermahleins zu haben verhoffe, zum Pfande setze, wenn ich nicht alle Mittel vorkehre, euch in allen Schadloss zu halten, ihr möchtet auch die allergrösten Verbrechen begangen haben, denn mein Hertze sagt mir im Voraus, dass ihr den hiesigen Löbl. Stadt-Gerichten ein solches Licht anzünden könnet, welches wir längstens vergeblich gesucht haben.

Hierauf brach ich loss, erwiese erstlich meine Unschuld durch kurtze Erzehlung meines Lebens-Lauffs, nachher aber eröffnete der Länge nach, alles, was mir von meines Herrn Wesen und itzigen Vorhaben wissend war, worüber der Stadt-Richter zwar ziemlich erstaunete, jedoch sich bald zu fassen und Mittel zu ersinnen wuste, die frechen Diebe ganz artig in die Falle lauffen zu lassen. Immittelst befahl er mir, nur wieder zu meinem Herrn zu gehen, und, um ihn keinen Verdacht zu erwecken, lustig und gutes Muts zu sein, daferne ich aber in zukünfftiger Nacht ja allenfalls mit auf Partie ausgehen müste, sollte ich nur ein weiss Schnupff-Tuch um den rechten Arm binden, damit mir so dann die plötzlich heraus brechende Schaar-Wache nicht etwa Leides zufügen möchte. Ich nahm alles wohl in acht, und verfügte mich aufs eiligste zu meinem Herrn, der meines langen Aussenbleibens wegen schon allerhand gedanken gehabt hatte, und sehr scharff nach des Stadt-Richters Aufführung forschete, allein ich berichtete, dass derselbe ausser dem weitläufftigen Complimenten, welche er mir an ihr Gn. zu machen befohlen, wenig oder gar nichts anders geredet, doch wäre er anfänglich nicht gleich zu haus gewesen, weswegen ich in dem Bier-haus gegen über, auf ihn gewartet hätte. Er war also zu frieden, befahl mir noch, die Extra-Post zu bestellen, welche früh um 2. Uhr absolut parat stehen müste, und da auch dieses geschehen, wurde die übrige Zeit biss in die späte Nacht, teils mit Einpacken, teils mit Verabredung unseres mächtigen Vorhabens hingebracht. Schon um 11. Uhr brachten die von meinem Herrn ausgestelleten Spions die Nachricht ein, dass bereits seit 9. Uhren, in des Einnehmers haus alles ruhig und stille, auch zu noch besserer Anzeigung eines guten Glücks, nicht das geringste Licht zu sehen wäre, welches doch sonsten in der Eck-stube die ganze Nacht hindurch zu brennen pflegte, vor diessmahl aber ungefähr ausgegangen sein müsse. Dem ungeachtet befahl mein Herr, noch so lange gute Schildwacht zu halten, biss der Seiger zwei Viertel auf 1. Uhr schlüge, um welche Zeit er sich nebst mir bei dem Hinter-Gebäude des Einnehmers einfinden wolte, um daselbst, als an dem beqvemsten Orte, einzubrechen, und so dann in aller Stille die vordersten haus-Türen zu eröffnen, oder sich nach andern Retiraden umzusehen.

kurz von der Sache zu reden, unser Vorhaben schien nach Wunsch von statten zu gehen, indem wir in aller Stille nicht allein das Hinter-Gebäude durchbrachen, sondern auch alle Türen im haus ohne das geringste Getöse eröffneten, wobei ich mir mit Fleiss einen Riss in die rechte Hand gab, dass das Geblüte häuffig hervor quall, mitin desto bessere Ursache