3 monat in selbiger Stadt auf, reisete zwar zuweilen auf etliche Tage mit leeren Coffre und Mantel-Sacke hinweg, kam aber gemeiniglich wohl bepackt zurücke, ausserdem sprachen fast wöchentlich verschiedene Cavaliers in unseren Gast-Hoffe ein, mit welchen derselbe so gleich in Bekandschafft gerit und tapffer schmausete, wobei es vor meine person keine geringen Accidentien setzte, allein ich hütete mich sonderlich vor dem überflüssigen Trincken und fuhrete überhaupt eine sehr stille Lebens-Art, so dass mein Herr, wenn er mich über dem Lesen der Bibel oder anderer Gottseeligen Bücher antraff, sehr spöttisch darüber wurde, und es endlich durch sein tägliches Raisoniren dahin brachte, dass ich mich ihm zu gefallen stellte, als ob mir die Lust zum beten und singen vergangen wäre, im gegenteil zeigete ich mich manchen Abend als eine besoffene Bestie, und bemerckte, dass er darüber eine ganz besondere Freude hatte. Indem aber mein Sinn zu der Zeit ganz anders als in vorigen Jahren war, und mich das Gewissen überzeugte, dass dergleichen Lebens-Art den nächsten Weg zur Höllen führte, denn ich täglich nichts als sauffen, schwermen, hurrn, spielen und dergleichen feine Tugenden ersahe, begunte es mir von herzen leid zu werden, dass ich mich in dergleichen Laqvayen-Dienste begeben, ja ich schätzte es nun schon vor kein Glück und Vergnügen mehr, meinen Herrn so unverhofft angetroffen zu haben, sondern hätte lieber gesehen, wenn ich bei einem guten Meister in der Werckstadt arbeiten dürffen und können. Jedoch mein Verdruss verwandelte sich nach und nach in eine grosse Hertzens-Bangigkeit, als ich aus gewissen Umständen immer mehr und mehr abnehmen konte, dass mein Herr nichts weniger als eine vornehme Standes-person, sondern einer der allerärgsten Spitz-Buben, wo nicht gar das OberHaupt einer solchen Bande sein müsse. Da aber endlich derselbe eines Abends, mir dieses bissherige geheimnis, mit seinen eigenen mund eröffnete, und im sichern Vertrauen auf meine Treue und Verschwiegenheit, die stärcksten Bewegungs-Gründe brauchte, meine sehr nützliche person in die Diebs- und SpitzBuben-Zunff einzuverleiben; wurde ich dermassen verwirret, dass mir unmöglich war ein eintziges Wort auf zu bringen, sondern ich zitterte an allen Gliedern dergestallt, dass ich nicht mehr auf den Füssen stehen, sondern mich niedersetzen muste. Mein Herr wurde dieserwegen von rasender Wut dergestallt eingenommen, dass er Augenblicklich seinen Hirsch-Fänger entblössete, mich bei den Haaren ergriff, und, indem er mir die Spitze auf die Brust setzte, sprach: Canaille! bette ein Vater unser in der Stille und gib nicht den geringsten laut von dir, denn du must sterben; weil ich mercke, dass du eher ein Verräter und Schelm an mir werden, als dich meines Glücks teilhafftig zu machen und mir gefällig zu leben trachten wirst. Ich fing, so viel ich mich besinnen kan, gleich an meine Seele in GOTTES Hand zu befehlen, und ein andächtiges Vater Unser zu beten, sanck aber mitlerweile ohnmächtig zu Boden, weiss auch nicht was man mit mir vorgehabt hat; biss endlich um Mitternachts-Zeit mein Verstand wieder kam, indem ich auf meines Herrn Bette lag und so wohl von meinem Herrn selbst, als dem Reut-Knecht Martin mit starcken Wassern bestrichen wurde.
So bald mich der erstere wiederum ziemlich bei Kräfften zu sein vermerckte, sprach er: Peter! sei kein Narre, was ich dir zu Leide getan habe, ist in Trunckenheit und zum Schrecken geschehen, ich mercke, dass du ein Kerl bist, der wenig Courage hat, jedoch dieselbe soll sich finden, folge nur mir, denn ich habe es seit etlichen Jahren her besser, als ein leiblicher Vater mit dir gemeinet, es kommt nur darauf an, dass du mir etwa noch zwei oder drei Streiche vollbringen hilffst, hernach wollen wir unfehlbar so viel beisammen haben, Zeit Lebens vollkommen vergnügt zu leben, denn ich schwere, so bald mir nur noch dieses gelungen, dass ich mich von stunde an in ein frembdes Land zur Ruhe begeben, und hernach biss an mein Ende ein stilles Leben führen will, zumahlen da ich schon über 12000. Tlr. an Gelde und Kostbarkeiten besitze. Gnädiger Herr, gab ich zur Antwort, ihr seid etwas grausam mit mir umgegangen, da euch doch bewust, wie ich alle Augenblicke bereit bin, mein Leben vor und bei euch zu lassen, in andern Dingen bin ich freilich etwas feige und zaghafft, allein, was kan denn ich davor, dass ich niemals zur Tapfferkeit angeführet worden, mit euch, und wo ihr darbei seid, will ich alles wagen, was nur ein Mensch sich unterstehen kan, ich wolte, auf euren Befehl, einem das Hertze aus dem Leide reissen, aber vor mich allein etwas zu tun, schätzte ich mich zu einfältig und zaghafft, nehmet mich deswegen nur erstlich mit, und zeiget mir, wie ich mich verhalten soll, so werdet ihr bald erfahren, dass euer Peter kein SchaafsKopff ist.
Durch diese Reden liess sich mein Herr dermassen zum Mitleiden bewegen, dass er mich hertzlich umarmete, er selbst schenckte mir ein Glass über das andere vom allerbesten Weine ein, gab mir anbei etliche Stücke vom Hertz-stärckenden Confecte, kurz! mein Herr, Martin und ich lebten die ganze Nacht hindurch dergestalt lustig und brüderlich zusammen, dass wir mit anbrechenden Tage so voll als die Bestien waren. Nachdem der Rausch ausgeschlaffen war, fiengen wir aufs neue an, mit dreien, mittlerzeit angekommenen andern Ertz-Dieben