ein oder andere Schlösser-Arbeit nötig ist, also hatte vors ratsamste, dass du das Schlösser Hand-Werck erwehlest, und dasselbe recht wohl erlernest, solchergestallt will ich dir dein gutes Auskommen biss in den tot versprechen. In Wahrheit es schien mir diesen Augenblick das Schlösser-Handwerck das allerangenehmste zu sein, deswegen war so gleich bereit dazu, mein Herr liess sich von dem Gast-Wirte einen guten Schlösser zuweisen mit welchen er wegen des Lehr-Geldes und jährlich benötigter Kleidung so gleich einig wurde, die Helffte von dem veraccordirten Geldern voraus bezahlete, mich aufdingen liess und wenig Tage hernach fort reisete, mit dem Versprechen, in wenig Wochen wieder zu kommen und zu vernehmen, wie ich mich bei diesem Handwercke aufführete.
Mein Meister fand an mir einen Jungen, der recht nach seinem Kopffe und Wunsche war, denn weil er so wohl als seine ganze Familié sehr selten an das Beten, Singen, Kirchen-gehen und andere christliche Ubungen gedachte, so bekümmerte ich mich auch wenig oder gar nichts drum, u. verlernete so gar die schönen Gebete und Lieder, die ich vor diesen, um mein Brod damit heraus zu pressen, nicht aus Vorsorge meiner Eltern, sondern aus dringender Not auswendig lernen müssen. etwa ein halbes Jahr nach meinem Aufdingen kam mein Herr wieder nach Ulm, und vernahm von dem Meister mit grossen Vergnügen, dass ich mich ungewöhnlich wohl beim Handwercke gebrauchen liesse, und ein Ding nachzumachen nur ein oder zweimahlige Unterweisung bedürffte. Ich wuste dazumahl nicht wie es kam, dass mein Herr, der dieses mahl nur ganz allein auf der Post angekommen war, mit meinem Meister ungemein vertraut umzugehen anfieng, sich auch in dessen haus mit einer gar schlecht ausgezierten stube behalff und von der Meisterin, so gut als dieselbe konte, beköstigen liess, da ich doch eine grosse Katze voll GoldStücke, nebst einem noch grösseren Sacke voll grob Silber-Geld in seinem Coffre liegen, und ihn selbiges zählen, gesehen hatte. Mein Meister arbeitete um selbige Zeit meistens um Mitternacht, wenn die andern Gesellen und Jungen im festen Schlaffe lagen, nebst mir an allerhand Arten ungewöhnlicher Schlüssel und andern, mir unbekandten Instrumenten, verbot mir aber aufs Leben, keinen Menschen hiervon etwas zu sagen, denn es wären sehr geheime künstliche Sachen, die mein Herr mit nach Frankreich nehmen wolte. Eben derselbe tat dergleichen Verbot an mich, mit der Bedrohung, woferne er erfahren sollte: dass ich von meines Meisters künstlicher Nacht-Arbeit nur ein einzig Wort ausgeplaudert hätte, er mich also fort nakkend und blossausziehen, zum Hencker jagen, und nimmermehr wieder in seine Gnade aufnehmen wolte. In der Gottlosigkeit hatte ich es damahliger Zeit schon so weit gebracht, ihm meiner beständigen Treue und Verschwiegenheit mit den allergrausamsten Flüchen und Schwüren zu versichern, weswegen er biss auf fernern Bescheid zufrieden war, mich mit 6 ganzen Talern beschenckte, und darbei ausdrücklich befahl, dass ich mir dann und wann an Son- und fest-Tagen einen Rausch sauffen sollte.
Nachdem also mein Herr fast einen ganzen monat lang zu gegen gewesen, nahm er Abschied, unter dem Vorwande: eine Reise in Franckreich zu tun, und gegen die Zeit meines Losssprechens schon wiederum in eigener person nach Ulm zu kommen. Bei meinem Meister hatte ich nach wie vor gute Zeit, und ausser den Arbeits-Stunden meine völlige Freiheit hinzugehen und zu machen was ich wolte. Da aber einige Wochen über mein erstes Lehr-Jahr verflossen waren, trat der Lehr-Meister eine Reise an, von welcher er noch biss auf diese Stunde zurück in sein haus kommen soll. drei oder 4 monat hernach machte sich die Frau auch aus dem Staube und überliess die Hausshaltung ihrer Schwester, welche sich von einem liederlichen Schlösser Gesellen schwängern lassen, der immittelst des Meisters Stelle vertreten sollte, jedoch dermassen übel hausete, dass die andern Gesellen nebst einem Lehr-Jungen fort und zu andern Meistern gingen. Mit mir konte er sich noch etwas länger vertragen, jedoch da er eines Abends sehr besoffen nach haus kam, und so wohl Frau als Magd und mich mit einem Stabe Eisen jämmerlich zerprügelte: verursachte dieses mir ganz ungewöhnliche Tractamant, dass ich gleich mit anbrechenden Tage ebenfals Abschied nahm, und mich zu dem Handwercks-Meister begab, welcher in Erwegung meiner Umstände, es ganz leicht dahin brachte, dass ich biss zur Wiederkunfft meines ersten Meisters, woran jedoch viele, aus wichtigen, mir damahls unbekandten Ursachen, zweiffeln wolten, zu einem andern Meister gebracht werden sollte, um meine Lehr-Jahre vollends richtig auszustehen. Bei diesem andere Meister traff ich auch eine ganz andere Hausshaltungs-Verfassung an denn weil derselbe ein sehr frommer und GOttesfürchtiger Mann war, so hielt er auch sein Gesinde zum fleissigen Beten, Singen und Kirchen-gehen an, verhütete auch unter ihnen, so viel als möglich war, alles Vollsauffen und anderes liederliche Leben. Nachdem er mich im Christentume examiniret, erstaunete der ehrliche Mann und weinete fast die bittersten Tränen über den jämmerlichen Zustand meiner Seelen, tat auch dieserwegen solche Vorstellungen, dass mir die Haare zu Berge stunden, und mein Gewissen auf einmal plötzlich rege gemacht wurde. So bald er dieses merckte, sprach er mir etwas gelinder zu, ermahnete mich nur zum fleissigen Beten und Kirchen-gehen im übrigen versprach er, wegen meiner fernern Unterweisung alle Anstallten zu machen.
Wenig Tage hernach nahm er einen geistlichen Studenten in sein haus, der nicht allein seine 4 Kinder informiren, sondern auch alle Morgen