Brodte dermassen wohl gemästet worden, dass mich meiner Länge und starcken Leibes-Gestalt wegen, jedermann vor einen 18. jährigen Purschen ansahe, wuste mich auch in meines Herrn Weise dermassen wohl zu schicken, dass er mir von Tage zu Tage immer günstiger wurde. Derselbe hielt sich niemals lange an einem Orte auf, sondern reisete beständig bald hier bald dort hin, ausgenommen, wenn er etwa in diesem oder jenen Gast-hof einen guten Wirt, und ihm gefällige Gesellschafft antraff, zuweilen reisete er auch auf etliche Tage alleine weg, oder nahm nur den Reit-Knecht mit sich, mich aber mussten mitlerweile die Wirts-Leute aufs beste tractiren. Am allermerckwürdigsten war: dass er sehr öffters seinen Nahmen veränderte, und sich bald vor einen Herrn von Franckenstein, Lilienfeld, Rotenstein, Grünental, bald wiederum anders nennen liess, als worzu er so wohl mich, als den Reit-Knecht vorher abrichtete und befahl: dass wir uns durchaus von niemanden ausforschen lassen, sondern vorwenden sollten, wir wären nur allererst wenig Wochen bei ihm gewesen. Ich war noch viel zu einfältig, dieserhalb ein weiteres Nachdencken zu haben, lebte aber seinen Befehlen desto genauer nach, zumahlen da mich wegen der täglich geniessenden Wohltaten verbunden zu sein erachtete, ihm, mehr als andern Menschen, getreu und hold zu sein.
Etwas über ein Jahr mochte ich etwa in seinem Dienste gewesen sein, da wir endlich auch in meine Geburts Stadt Magdeburg reiseten. Ich hatte eine besondere Freude, da ich nicht allein meine ehemahligen Spiel-Plätze, sondern auch das haus wieder fand, worin mein seel. Vater gewohnet hatte, ungeachtet sich jetzt ganz andere Leute in demselben befanden. Nach wenig Tagen aber traff ich von ungefähr denjenigen Zimmermann auf der Strasse an, von welchen mein Vater oder Mutter gewöhnlich das WochenLohn geholet hatten. Es war mir fast unmöglich diesen Mann unangeredet passiren zu lassen, und da solches geschehen, erkante er mich so gleich vor denjenigen, vor welchen ich mich ausgab, nahm mich auch mit in ein Bier-haus, wo ich nicht unterlassen konte ihm meine und meiner Mutter, nach des Vaters tod geführten Lebens-Art, sonderlich aber das letztere übele Tractament meines Stief-Vaters, zu berichten. Er wunderte sich höchlich darüber, nachdem er aber auch die Nachricht von meinen gegenwärtigen guten Zustande erhalten, ermahnete mich der gute Mann sehr treuhertzig, meinen Herrn ja mit bestàndiger Liebe und Gehorsam zugetan zu verbleiben, weil ein solcher vornehmer Herr unfehlbar mich auf Lebens-Zeit glücklich machen könnte. Wir sassen also biss es Nacht wurde beisammen, ich macht mir ein Vergnügen, vor diesen alten Bekandten, wieder seinen Willen, die Zeche bezahlt zu haben, wovor er mich zur Erkänntlichkeit auf Morgen in seine Behausung nötigte, worin ich ihm denn zu willfahren versprach.
Mein Herr hat sich mitlerweile im Gastofe höchlich über mein langes aussenbleiben verwundert, da ich aber halb berauscht nach haus kam, und auff sein Befragen ihm die wahre Ursache erzehlet, war er sehr wohl zufrieden und sagte: Es ist gut mein Sohn, dass du mich an einer nötigen Sache erinnerst, hier hastu zwei dukaten, gehe Morgen hin zu dem Zimmer-Meister, und bitte denselben, dass er dir vor dieses Geld einen Gerichtlichen Geburts-Brief wegen deines ehrlichen herkommens verschaffe, denn ich bin gesonnen, dich ein Handwerck lernen zulassen, als worzu dergleichen Brieff höchst nötig ist. Solle, sprach er ferner, dieses Geld nicht zureichen, so kanst du mehr fordern. Ich war von herzen erfreuet über dieses Anerbieten, denn ich hatte in Wahrheit grössere Lust ein ehrlich Handwerck zu lernen, als ein Laqvei oder Pferde-Knecht zu werden, danckte deswegen meinem Herrn aufs verbindlichste, und gelobte an, mich in allem nach seinen Befehlen zu richten.
Es passirten nicht die geringsten Weitläufftigkeiten wegen meines Geburts-Brieffs, denn der ZimmerMeister nahm mich folgenden Tages nur zu zwei oder drei Personen mit, auf welchen dergleichen Sachen zu beruhen pflegen, also wurde derselbe binnen 24. Stunden ausgefertiget, und meinem Herrn überliefert, welcher dem Zimmer-Meister noch einen Gulden Trinck-Geld gab, den Brieff selbst in seine Verwahrung nahm, und wenige Tage hernach die fernere Reise fort setzte. Auf selbiger bekam ich weit vortrefflichere Oerter-als bisshero zu sehen, endlich aber blieben wir in Ulm hafften, um daselbst eine Zeitlang auszuruhen. Allhier fragte mich nun mein Herr ob ich bereit sei ein Handwerck anzutreten? Meine Antwort war: dass ich, in so ferne es ihm beliebig, gleich diese Stunde bereit dazu wäre. Was hastu dir, sprach er, vor ein Handwerck ausgesonnen? Noch keins, erklärte ich mich, sondern ich erwarte worzu mich Ew. Gn: bestimmt haben. Ich will, fragte er ferner, doch erstlich wissen worzu du am meisten Lust hast? deswegen sage deine Meinung nur ohne Scheu. Wenn es bei mir allein stünde, versetzte ich demnach, so wehlete ich das Zimmer-Handwerck, weil mein Vater ein Zimmermann gewesen ist. Hierüber fing mein Herr hertzlich an zu lachen und mir vorzustellen, warum ich so ein einfältiger Tropff sei und dergleichen beschwerliche und verdrüssliche Profession erwehlete, die ausserdem nicht das ganze Jahr hindurch gangbar sei, endlich sprach er: Höre mein Sohn, meine eigentümlichen Güter die ich an den Böhmischen Eräntzen liegen habe, sind etwas weit von der Sadt abgelegen, deswegen macht es mir und den meinigen viel Verdruss, wenn etwa ein Schlüssel verlohren oder sonsten