Ross-Marckte erblickten, wo mein Stief-Vater, der einen seinen weissen Rock mit blauen Auffschlägen anhatte, um ein Pferd handelte, dasselbe auch endlich mit baaren guten Gelde bezahlete. Meine Mutter, die nicht weniger ziemlich gut bekleidet war, und ihr kleines Kind im Korbe auf den rücken trug, wurde meiner mit grössten Schrecken am ersten gewahr, gab mir aber mit einem Wincke zu verstehen, dass ich zurück bleiben solle. Ich gehorsamete und blieb von ferne stehen, nachdem aber der Pferde-Handel völlig geschlossen war, und der Stief-Vater selbiges schon auf die Seite geführt hatte, mochte ihm die Mutter meine Anwesenheit mit Manier wissend gemacht haben, weswegen sie mir beiderseits winckten zu ihnen zu kommen.
Aus den Augen meines Stief-Vaters strahlete mir ein grimmiger Zorn-Blitz entgegen, um nun den vermutlich darauff folgenden Schlägen vorzubeugen, zohe ich meine ganze zusammen gebettelte Baarschafft hervor, und trug dieselbe meinen ergrimmt scheinenden Eltern entgegen. Der Stief-Vater riss mir das Geld aus den Händen, warff es ohngezählt in seine tasche, und bewillkommete mich mit folgenden liebreichen Worten: Wo führen dich verfluchte Bestie alle 1000. – – – her? Ich erzehlete mit zittern, wie es mir in Radegast mit dem Feuer ergangen, dass ich meinen kleinen Bruder daselbst zurück gelassen, und ihm nachgelauffen, auch so glücklich gewesen sie beide zu finden. Hierauff sagte er nichts weiter, knirschete aber dergestallt mit den Zähnen, dass mir hören und sehen verging, jedoch auf meiner Mutter inständiges Bitten, sich nicht allzusehr zu ärgern, gab er mir endlich sein Pferd mit Befehl selbiges hinter einer Mühle herum zu führen, und am Wege nach der Stadt etwas Gras fressen zu lassen. Wiewohl nun um selbige Zeit das Gras kaum ein klein wenig aus der Erden käumete, so dass das hungrige Pferd selbiges mit seinen Zähnen kaum fassen konte, bemúhete ich mich dennoch, um meines Stief-Watters Gnade zu erwerben, selbiges an die besten Oerter zu bringen; allein da ich diesen Unglücks-Gaul mit Gewalt über einen Stea führen wolte, riss sich derselbe loss, und lieff qveer Feld ein, ich und viele andere Bettel-Jungens machirten hinter drein, weil aber diese Henckers Buben nicht so wohl gesinnet waren, mir das Pferd wieder fangen zu helffen; als dasselbe nur desto rasender zu machen, scheuchten sie so lange, biss es in einen holen Weg stürtzte, und ein paar Beine entzwei brach. Ich war noch im Begriff das Pferd mit Hertzbrechenden Worten mm Auffstehen zu bewegen, als mein Stief-Vater herzu trat, dessen Ankunfft ich aber nicht ehe gemerckt, biss er mir etliche Streiche mit seinem knolligen Stocke auff den Kopff und rücken versetzt hatte. Mein Leben würde ganz geiss so dünne als ein seidener Faden worden sein, wenn nicht einige gutertzige Leute darzwischen getreten und meine Schutz-Engel gewesen wären, meine treuhertzige Mutter kam endlich ebenfalls herbei, und stellte sich an, als ob sie mich in ihren Schutz nehmen wolte; gab mir aber unvermutet einen dermassen hefftigen Streich mit der vollen Faust auf die Nase, dass mir nicht allein der Geruch sondern auch die übrigen 4. Sinne vergingen, ja ich habe auch fast nicht einmal gefühlet, wie sie mir mit einem auffgehobenen Steine ein grosses Loch in den Kopff geworffen.
Die Ankunfft des Gerichts-Knechts hatte endlich meine tyrannischen Eltern verjagt, mir aber sattsame Sicherheit verschafft, hiernechst fand sich ein barmhertziger Wund-Artzt an, welcher meine sehr stark blutende Haupt-Wunde mit dienlichen Balsam und Pflastern verband, wie denn auch unzehlige vorbei gehende Leute, mir immer ein Geld-Stück zuwarffen, so dass ich durch dieses Unglück reicher an Gelde wurde, als ich Zeit lebens noch nicht gewesen, denn es war, nachdem ich selbiges gezählet hatte, über 3. Tlr. Endlich kam ein Cavalier, der schon in Halle im Gastofe meine Avanturen mit angehöret, mich auch mit einem 6. Pfenning Stücke beschenckt hatte und fragte, indem er meine person so gleich erkannte: auf was vor Art ich zu diesen Schaden gekommen? Ich gab ihm von allen richtigen Bescheid, liess es auch an grausamen Schimpff-Worten, die meinen steltzbeinigen Stief-Vater betraffen, nicht ermangeln. Ja, sprach ich, GOTT wird mir helffen, dass ich noch ein paar Jahr hinlebe, und tüchtig werde eine Musquete und einen Degen zu tragen, so dann will ich den verlauffenen Mörder das andere Bein auch vom leib herunter hauen. Der Cavalier fing hierüber hertzlich an zu lachen, und sagte: Junge, dein Vorsatz ist dieserwegen löblich, weil es doch scheinet, dass du Courage im leib hast, wenn ich mich auf deine Treue und Redlichkeit zu verlassen wüste, wolle ich dich augenblicklich in meine Dienste nehmen, und dir ein Hand-Pferd zu reiten geben. Ich sprang augenblicklich von der Erden auf, und bat diesen Herrn mit heissen Tränen, mich armen Schelmen anzunehmen, weil ich mich eher 10. mahl tot schlagen lassen, als ihm ein eintzig mahl ungetreu sein wolte. Demnach befahl er mir ohne fernere Weitläufftigkeit ihm zu folgen, kauffte Tuch, Futter und alles, mich von Fuss auf neue kleiden zu lassen, und gebrauchte mich von dato an würcklich, nicht so wohl zu seinem Pferde, Jungen, sondern als einen Aufwärter, indem er nebst mir noch einen Reit-Knecht hatte.
Ich war um selbige Zeit wenig über 14. Jahr alt, jedoch von dem Bettel-