gelegenheit suchen muste, von allen Liebkosungen loss zu kommen. Er hielt hierauff noch eine kleine Rede an den neuen kapitän, stellte ihm das Behörige zum Uberflusse nochmals vor, liess allen, die sich auf dem Schiffe befunden, abermals Wein und ander starckes, auch gelinderes und lieblicher Geträncke reichen, aus den kanonen aber tapffer Feuer geben. Währender Zeit wurden unsere Sachen von dem Schiffe auf Boote gepackt, und nach und nach hinüber an den Felsen geschafft, womit wir zwei vollkommene Tage zubrachten, ungeachtet von Morgen biss in die Nacht aller Fleiss angelegt wurde.
Am allerwundersamsten kam es einen jeden vor, dass der kapitän an einem solchen Felsen bleiben wolte, wo weder Grass, Kraut noch Bäume, vielweniger Menschen zu sehen waren, weswegen sich auch einige nicht entalten konnten, ihn darum zu befragen. Allein er gab ihnen lächelnd zur Antwort: Sorget nicht, lieben Kinder, vor mich und die ich bei mir habe, denn ich weiss, dass uns GOTT wohl erhalten kan und wird. Wer von euch in des kapitän Horns Gesellschafft wieder mit zurück kommt, soll uns, ob GOTT will, wieder zu sehen und zu sprechen kriegen.
Nachdem also alle Personen und Sachen so am Felsen zurück bleiben sollten, hinüber geschafft waren, lichtete der kapitän Horn seine Ancker und nahm mit 4. kanonen-Schüssen von uns Abschied, wir danckten ihm gleichfalls aus 4. kanonen die Herr kapitän Wolffgang mit an den Felsen zu bringen befohlen hatte, dieses aber war am vergnüglichsten, dass die unsichtbaren Einwohner des Felsens auch kein Pulver spareten, und damit anzeigten, dass sie uns Bewillkomen, jenen aber Glück auf die Reise wünschen wohl ten.
Kaum hatte sich das Schiff aus unsern Augen verlohren, als, indem sich die Sonne bereits zum Untergange geneiget, die sämtlich Zurückgebliebenen ihre begierigen Augen auf den kapitän Wolffgang worffen, um solchergestat stillschweigend von ihm zu erfahren, was er nunmehr mit uns anfangen wolte? Es bestunde aber unsere ganze Gesellschafft aus folgenden Personen:
1. Der kapitän Leonhard Wolffgang, 45. Jahr alt.
2. Herr Mag. Gottlieb Schmeltzer, 33. Jahr alt.
3. Friedrich Litzberg ein Literatus, der sich mei
stens auf die Matematique legte, etwa 30. Jahr
alt.
4. Johann Ferdinand Kramer, ein erfahrner Chir
urgus, 33. Jahr alt.
5. Jeremias Heinrich Plager, ein Uhrmacher und
anderer Arbeit, seines Alters 34. Jahr.
6. Philipp Harckert, ein Posamentirer von 23. Jah
ren.
7. Andreas Klemann, ein Pappiermacher, von 36.
Jahren.
8. Willhelm Herrlich, ein Drechsler, 32. Jahr alt.
9. Peter Morgental, ein Kleinschmied, aber dabei
sehr künstlicher Eisen-Arbeiter, 31. Jahr alt.
10. Lorentz Wetterling, ein Tuchmacher, 34. Jahr
alt.
11. Philipp Andreas Krätzer, ein Müller, 36. Jahr
alt.
12. Jacob Bernhard Lademann, ein Tischler, 35.
Jahr.
13. Joh. Melchior Garbe, ein Büttner, von 28.
Jahren.
14. Nicolaus Schreiner, ein Töpffer-Geselle, von
22. Jahren.
15. Ich, Eberhard Julius, damals alt, 191/2 Jahr.
Was wir an Gerätschafften, Tieren und andern Sachen mit ausgeschifft hatten, wird gehöriges Orts vorkommen, deswegen erinnere nur nochmals das besondere Verlangen so wir allerseits hegten, nicht allein das Gelobte Land, darinnen wir wohnen sollten, sondern auch die berühmten guten Leute zu sehen. kapitän Wolffgang merckte solches mehr als zu Nacht noch auf dieser Städte zu bleiben gefallen lassen, weiln es ohnedem schon späte wäre, der morgende Tag aber sollte der Tag unsers frölichen Einzugs sein.
Indem er nun wenig Worte verlieren durffte, uns alle nach seinen Willen zu lencken, setzte sich ein teil der Unsern bei das angemachte Feuer nieder, dahingegen Herr M. Schmeltzer, ich und noch einige mit dem kapitän am fuss des Felsens spatzieren gingen und den herabschiessenden wasser-Fluss betrachteten, welches gewiss in dieser hellen Nacht ein besonderes Vergnügen erweckte. Wir hatten uns aber kaum eine halbe Stunde hieran ergötzt, als unsere zurückgelassenen Leute, nebst dreien Frembden, die grosse fackeln in den Händen trugen, zu uns kamen.
Ermeldte Frembde hatten bei den Unserigen, nach dem kapitän Wolffgang gefragt, und waren nicht allein dessen Anwesenheit berichtet, sondern auch aus Neugierigkeit biss zu uns begleitet worden. So bald die Frembden den kapitän erblickten, warffen sie sogleich ihre fackeln zur Erden, und lieffen hinzu, selbigen alle drei auf einmal zu umarmen.
Der kapitän, so die 3. Angekommenen sehr wohl kennete, umarmete und küssete einen nach dem andern, worauf er nach kurz gefasseten Grusse sogleich fragte: Ob der Altvater annoch gesund lebte? Sie beantworteten dieses mit Ja, und baten, er möchte doch alsofort nebst uns allen zu ihm hinauff steigen. Allein der kapitän versetzte: Meine liebsten Freunde! ich will die bei mir habenden Leute nicht zur Nachts-Zeit in diesen Lust-Garten der Welt führen, sondern erwarten, biss Morgen, so GOtt will, die Sonne zu unsern frohen Einzuge leuchtet, und uns denselben in seiner natürlichen Schönheit zeiget. Erlaubet uns solches, fuhr er fort, und empfanget zuförderst diesen euren Bluts-Freund Eberhard Julium, welchen ich aus Teutschland mit anhero geführt habe.
Kaum hatte er diese Worte gesprochen, als sie vor Freuden in die Höhe sprungen, und einer nach dem andern mich umfiengen und küsseten. Nachdem