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unsern guten Freunden nicht etwa gemeldet hätte; oder da ich ja nicht so glücklich sein sollte, von ihm sichere Nachricht einzuziehen; so war doch mein ernstlicher Vorsatz durch Bezahlung seiner Schulden ihn von aller üblen Nachrede zu befreien, nächst dem bei ein oder andern guten Freunde ihm einen schrifftlichen Bericht von meinem erlangten Glücke und dem Orte meines Aufentalts zu hinterlassen, nächst diesen allen Fleiss anzulegen, meine Schwester zur ReiseGefährtin auf die Insul Felsenburg zu bereden, jedoch daferne sich dieselbe annoch in ihrem ledigen stand befände, widrigenfalls ich ihr nicht das geringste von meinem Schicksaal zu eröffnen, sondern sie nur mit einem kostbaren Geschencke abzu, fertigen beschloss. Dieses waren also meine eintzigen Grillen, welche durch Gedult zu unterdrücken, ich genugsame Mühe anwenden muste, jedoch die täglich sehr vielfältig abwechslenden Geschäffte mussten die besten SorgenVertreiber sein, und ausser diesen konnten die musicalischen Instrumenta, sonderlich aber mein Vogel mir manches Vergnügen erwecken. Denn dieses artige Tier hatte sich sehr viel vergnügende Redens-Arten, auch andere lustige Streiche angewöhnen lassen, und guten Teils selbst aufgefangen, welche es zuweilen von ohngefehr zu gröster Verwunderung und Gelächter aller Anwesenden sehr artig anzubringen wuste. Ich hätte meiner liebsten Cordula ungemein gern ein Præsent mit diesen schönen Vogel gemacht, weil aber der Alt-Vater sich selbst fast täglich mit ihm bespracht, und allerhand Schertz trieb, wolte ich demselben in seinem hohen Alter dieses Vergnügens nicht berauben.

Jedoch des Alt-Vaters Vergnügen zeigte sich desto völliger, da mit Ausgange des Monats Aúgusti, bei denen am 23. p. Trin: voriges Jahrs copulirten, Europæischen und Felsenburgl. Eheleuten, der erfreuliche Ehe-Seegen immer nach und nach zum Vorscheine zu kommen begunte. Denn es war recht zu bewundern, wie auf der Alberts-Burg immer eine erfreuliche Zeitung nach der andern, von der glücklichen Niederkunfft einer oder der andern Wöchnerin, einlieff. Unter denen letzt angekommenen Europäern traff das Glück am ersten Mons. Kramern, der am 28. auge. eine junge Tochter bekam. Hierauff erhielt am 29. dito früh, Herrlich eine Tochter, und gegen Abend Morgental einen Sohn. Den 30ten Mons. Plager und Schreiner jeder eine Tochter. Den 1. Sept Herr Mag. Schmeltzer einen Sohn, und der Müller Krätzer, eine Tochter. Den 3ten Sept. Mons. Litzberg einen Sohn, den 4ten Sept. Melchior Garbe eine Tochter. Den 6. Sept. Lademann einen Sohn, und Wetterling eine Tochter. Den 8. Sept. Kleemann eine Tochter, und den 9ten dito Mons. Harckert einen Sohn. Die liebes-Pfänder der eingebohrnen EheLeute aber, halte voritzo zu specificiren nicht ratsam, sondern will selbige biss zur Jahr-Rechnung auffbehalten. Immittelst hatte Herr Mag. Schmeltzer bei dieser Zeit fast tägliche Ammts-Geschäffte, indem er die neugebohrnen Kinder zu tauffen, immer von einem Orte zum andern reisen muste, dieweil nicht ratsam schien: die allzuweit entlegenen in die Kirche zur Tauffe zu bringen. Jedoch Kramers, Litzbergs, Krätzers und Herr Mag. Schmeltzers Kinder, empfiengen wegen der nächstgelegenheit, die Heil. Tauffe in der Kirche, meine Cordula aber hatte nebst dem Altvater und Herrn Mag. Schmeltzers SchwiegerVater die Ehre, von diesem unsern werten Seel-Sorger mit zur Tauff-Zeugin seines jungen Söhnleins erwehlet zu werden, welches die Nahmen Albertus Georgius empfieng.

Nachdem aber die Sechswöchnerinnen allerseits einen frölichen Kirch-gang gehalten, wurde bald hier bald dort von den erfreuten Kind-Tauffen Vätern eine kleine Collation angestellet, worzu ein jeder vornehmlich den Altvater und Herr Mag. Schmeltzern, nächst diesen aber seine Nachbarn, und dann die letzt angekommenen Europäer zu bitten pflegte. Demnach hatten wir auch in diesem Früh-Jahre vielerlei vergnügende Veränderungen. Unter andern war mein Gevatter Peter Morgental beschäfftiget gewesen, seine erbetenen Gäste bestens zu bewirten, denn derselbe hatte ungeachtet seines täglichen Fleisses in der Werkkstadt, dennoch immer so viel Zeit abgebrochen: seine haus-Wirtschafft im Acker-Garten-Bau und ViehZucht aufs ordentlichste einzurichten, er war auch der erste gewesen, der sich von Herrn Kramern allerlei Sorten, der aus Europa mitgebrachten Tiere ausgebeten, die sich denn allbereits in seinem Revier nicht wenig vermehret hatten. Jedoch ich besinne mich, dass um diese Zeit, schon alle Arten von Viehe unter die 9. Gemeinden verteilet waren, biss auf das Rind-Vieh, und Pferde, welche letzern Mons. Wolffgang, Litzberg und Kramer um besserer Zucht willen, annoch in Alberts- und Christians-Raum verteilt hielten. Zur Zeit war noch kein Pferd, weder zum reiten, fahren, vielweniger zum pflügen gebraucht worden: allein eben bei dieser Collation, beredete sich Morgental mit Mons. Litzbergen, Lademannen und andern geschickten Holtz-Arbeitern, ehestens etliche Pflüge zu verfertigen, welche von Pferden und Ochsen, auch wohl vielleicht von zahm gemachten Hirschen gezogen werden könnten, hiernächst den Insulanern das Pflügen und Aegen zu lehren, damit ihnen in Zukunfft, bei stärckerer Vermehrung der Menschen und Tiere, der Feld-Bau erleichtert werden möchte. Der Altvater hörete diese Invention, als eine Sache, worvon er mit Herr Wolffgangen schon zum öfftern gesprochen, mit grössten Vergnügen an, lobete deswegen den guten Vorsatz. Nach fernern ernstafften Gesprächen aber, bezeugte derselbe ein besonderes Verlangen, auch dieses unseres guten Wirts,

Peter Morgentals Lebens-Geschicht

anzuhören; wie nun selbiger unserer allereinstimmiges Begehren merckte, machte er sich so gleich bereit, seine Gäste vermittelst folgender Erzehlung zu beruhigen:

Mein Geburts-Ort