Mag. Schmeltzer in vielen Stücken und sonderbaren Vorteilen Rat zu geben, auch würckliche Hülffe zu leisten versprach, liess er alle andere nicht so gar nötige Arbeit liegen, und fing mitten im Winter an das Holtz zum Gehäuse zuzurichten. Die Pfeiffen sollten erstlich von ordinairen OrgelBauer-Metall gemacht werden, nachdem aber weiter von der Sache gesprochen worden, liess der Alt-Vater durch mich, aus seiner Schatz-kammer, verschiene Silber-Klumpen hervor langen, da sich denn Mons. Plager so gleich verobligirte: mit Morgentals und ihrer beider Lehrlinge Hülffe, die Platten zu den Pfeiffen behörig auszuarbeiten, und nach Lademanns Anweisung zusammen zu löten. Jedoch weil dieses vortreffliche Werck im 1728. Jahre noch nicht einmal zur Helffte gebracht war, und ich Eberhard Julius darüber nach Europa gereiset bin, kan ich dessen Zustand der Gebühr nach voritzo nicht beschreiben, hoffe aber selbiges, bei meiner Zurückkunfft meistens fertig, zu finden, da ich denn nicht ermangeln werde, meinem Europäischen Herrn Correspondenten, durch den kapitän Horn auch dessfalls sichern Bericht abzustatten.
Hergegen hatte Mons. Plager zu Ausgange des Monats Julii 1727. seine vor einiger Zeit angefangene grosse Uhr vollkommen zur Richtigkeit gebracht, auch bereits zwei Schaalen oder Glocken dazu gegossen, worvon die Viertel-Seiger-Glocke 55, die vollschlagende aber 112. Pf. wog, Es war unter seiner zugerichteten Glocken-Speise mehr als die Helffte Silber, woher dann ein vortrefflich rein und heller Klang entstund. Demnach wurde die Uhr in den ersten Tagen des August-Monats oben auf die Albertus-Burg gestellet, und konte solchergestalt fast von den meisten Einwohnern gehöret werden, welches eine unaussprechliche Freude unter dem ganzen Volcke verursachte.
Von allen unsern Europäern war nunmehr um diese Zeit kein eintziger mehr übrig, der seine besondere Profession nicht behörig hätte treiben können: als Kleemann der Pappier-Müller, und Wetterling der Tuchmacher, dem letzteren zu Gefallen brach Lademann von seinem höchst-fleissigen Orgelbauen einige Tage ab, und verfertigte ihm in kurtzer Zeit 2. tüchtige Tuchmacher-Stühle, vor das übrige war der Meister Tuchmacher selbst besorgt, brachte es auch in wenig Wochen dahin, so viel Baumwollen-Garn aufzuziehen, darvon er zur ersten probe wenigstens 80. Ellen Zeug oder Tuch, wovor man es halten wolte, darlegen konte. Spinnerinnen fanden sich zur Gnüge an, wie denn auch zwei tüchtige Lehr-Pursche, deswegen wünschte Wetterling, dass sich nur unsere Schaaffe täglich vermehren möchten, um sattsame Wolle zu rechtschaffenen Tüchern zu bekommen, auch war der Drechsler so behülfflich, ihm etliche Woll-Räder zu machen, worauf er die Weibs-Personen spinnen lehrete, und also war der Wunsch dieses fleissigen Arbeiters zum wenigsten auf die Helffte erfüllet, indem er mittler weile entweder lauter Baumwollen, oder zur Helffte leinen Garn würcken konte.
Uber den Pappiermüller Kleemann erbarmete sich unser ehrlicher Müller Krätzer, und machte den Anfang, ihm eine Pappier-Mühle bauen zu helffen, welche der gute Kleemann zwar bei seiner wohnung selbst errichten, aber nicht zum stand bringen können. Jedoch weil es noch zur Zeit ohnedem an gnugsamen Materialien zur Pappiermacherei fehlete, ging es nicht eben allzu hurtig mit dem MühlenBaue zu allein er hat dennoch endlich im Mittel des 1728ten Jahres seine erste probe so wohl mit sehr feinen weissen, als auch andern schlechten Sorten von Pappier abgelegt, welches uns allen zu sonderbaren Vergnügen gereichte, zumahlen da auch er seine Profession auf die Insulaner fortzupflantzen bereit war, und dieserwegen gleich anfänglich 3. junge Pursche auf ein mahl in die Lehre nahm.
Also stunde es nun um damahlige Zeit mit unsern Künstlern und Handwercks-Leuten, denn indem dieselben ihren Fleiss den sämmtlichen Gemeinden zum besten anwendeten, so waren im Gegenteil nicht allein ihre Weiber besorgt, die Hausshaltungs- und Nahrungs-Mittel anzuschaffen, sondern es wurde einem jeden an Geträyde und Victualien durch ihre Nachbarn und Freunde dermassen viel zugetragen, dass sie in allen Dingen beständigen Uberfluss hatten.
Herr Mag. Schmeltzer, Monsieur Litzberg, Herr Wolffang und ich waren immittelst täglich bemühet, unsere angenommenen Schüler auf solche Art wie schon oben erwehnet, zu informiren, und weilen nunmehr seit kurtzem auch das Studium musicum dazu gekommen war, brachten wir sämtlich sehr wenig Stunden müssig zu, der Alt-Vater hatte sein innigliches Vergnügen, die Jugend also fleissig zu sehen, besuchte deswegen sehr öffters die Schul-Stuben, ausser dem aber vertrieb er seine Zeit mit Lesung geistlicher Bücher, ingleichen seine Chronicke ordentlich fort zu schreiben, weil ihm biss dato die Augen noch sehr klar und helle waren.
Solchergestalt befand sich das Kirchen-Schul- und haus-Wesen eins so wohl als das andere in vollkommen guten stand, Kummer, sorge und andere Verdrüsslichkeiten aber, waren uns gänzlich unbewust. Nur allein befand sich in meiner Seele sehr öffters eine grosse Betrübnis, wenn ich an meine zurückgelassene Schwester, vornehmlich aber an meinen lieben Vater Franz Martin Julium gedachte, als von welchem ich nicht wuste ob er unter die toten oder Lebendigen zu zählen sei. Demnach wartete ich in Wahrheit mit einiger Ungedult auf die Zurückkunfft des Capitains Horns, und beschloss gänzlich, dass wo derselbe aufs längste vor Ablauff des 1728ten Jahres nicht käme, ich sodann dem Alt-Vater keine Ruhe lassen wolte, bis er mich mit benötigter Fracht an Gold, Perlen und edlen-Steinen auf die Insul St. Helenæ schiffen liesse, von wannen ich dann schon weiter zu kommen trauete, um zu erfahren, ob sich mein lieber Vater bei