dergestalt ansehnlichen Sohn zu haben, wie nicht weniger unser Herr Hospes der Posamentirer, der einen besonderen Estim und Liebe vor mich bezeigte. Ja, was noch mehr, so verliebte sich noch selbigen ersten Tages, dessen jüngste Jungfer Tochter in mich, zu mahlen, da sie vernahm, dass ich anitzo in Begriff sei, um einen Schuldienst auf dem Dorffe anzuhalten, und mir dabei das Prædicat als Herr Cantor und Organiste geben zu lassen.
Ich machte nicht viel Schwürigkeiten, diesen ganz feinen Mädgen meine Gegen-Liebe zu erkennen zu geben, überreichte immittelst mein bitte-Schreiben um den Schul-Dienst, gehöriges Orts, und bekam sehr gute Vertröstungen, wie denn auch der Rats verwandte Herr Posamentirer, sich viele Mühe gab, mich bei den Herrn Patronis bestens zu recommendiren, u. endlich selbst die sichere Nachricht brachte, dass mir seines Vorspruchs wegen der Dienst unmöglich entgehen könnte. Ich wuste zur schuldigen Danckbarkeit vor seine vielfältige Mühwaltung nichts bessers zu ersinnen, als ihn um seine 17. jährige jüngste Jungfer Tochter anzusprechen. Der gute Mann machte nicht viel Umschweiffe, sondern richtete gleich folgenden Tages einen kleinen Schmaus aus, wobei ich und dessen Jungfer Tochter ordentlich mit einander verlobt wurden. Lange Zeit hernach habe ich erstlich erfahren, dass er die gröste ursache gehabt also zu eilen, und seine Tochter mit Ehren unter die Haube zu bringen, denn weil sie jederzeit eine ungemeine Liebhaberin von Mannes-Fleisch gewesen, und er- der Vater selbst, die Tochter sehr offt des Nachts mit den Schülern auf der Strasse, nicht selten auch einen oder den andern in ihrer Schlaff-kammer angetroffen hatte, so mochte derselbe befürchten, seiten ihrer, ehe als es ihm angenehm sei, Gross-Vater zu werden. Solchergestalt wurde ich in allergröster Geschwindigkeit ein Bräutigam, und schätzte mich bei einer so schönen Liebste der glückseligste Mensch von der Welt zu sein, weil aber Glück und Unglück sehr selten weit von einander entfernet ist, so muste auch ich armer Schelm, solches zu meinem grössten Verdrusse erfahren, denn da ich schon alle Anstalten zu meiner bevorstehenden Cantors-Hausshaltung machte, bekam ein anderer den Dienst, und ich das Nachsehen.
Dieser Streich verdross mich dergestalt hefftig, dass ich so gleich noch in der ersten Bossheit einen Schwur tat, nimmermehr wiederum um einen Kirchen- und Schul-Dienst anzuhalten, sondern bei meinem Schwieger-Vater das Posamentir-Handwerck zu erlernen, nach ausgestandenen Lehr-Jahren, Geselle und Meister auf einmal zu werden, und hernach meine Braut darauf zu nehmen und zu ernehren. Mein Schwieger-Vater war zwar so wohl als die Braut ziemlich stutzig, jedoch das Verlöbniss war ein vor allemahl geschehen, und ohnmöglich zu wiederruffen, weiln in Gegenwart sehr vieler Leute alle Ceremonien darbei observirt waren. Endlich muste sich auf Zureden meiner Mutter und anderer guten Freunde alles geben, denn mein Schwieger-Vater versprach: daferne ich mit seiner Tochter fein keusch und züchtig leben würde, er binnen zwei Jahren alles dahin bringen wolte, mich so wohl zum Meister, als vergnügten Ehe-mann zu machen. Demnach wurde ich in meinem 19ten Jahre zum drittenmahle als ein Lehr Junge aufgedungen, und kame nachher fast niemals aus dem haus, weil ich mich vor den Spott-Reden der Schneider und Leinweber-Jungen, am meisten aber vor den leichtfertigen Schülern furchte. Dieses nutzte indessen so viel, dass ich, ehe ein Jahr verging, das ganze Handwerck besser begriffen, als mancher, der schon etliche Jahr darauf gereiset war, denn mein Meister und Schwieger-Vater, liess wahrhafftig die schönsten und besten Sachen arbeiten, und hatte beständig 8. biss 9. gangbare Stühle, auch gemeiniglich 4. biss 5. recht wohl erfahrne Gesellen, die mir vor öfftere freie Bier-Zechen, die künstlichsten Sachen machen lerneten. Meine Liebste inzwischen war sehr übel zufrieden, dass diese Jahre länger als 14. Tage lang daureten, und mochte wohl desto unvergnügter sein, dass ich mich gar zu genau an meines Schwiegers-Vaters Lehren band, und ihr, ausser einem keuschen Kusse, weiter keine nachdrücklichern Liebkosungen erwiese, jedoch, ich glaube mein Schutz-Engel hat mich dessfalls von vielen Verdrüsslichkeiten zurück gehalten, denn, da mein anderes Lehr-Jahr schon etwas über die Helffte verlauffen war, kam erstlich meine jüngste Schwester, und 5. Tage hernach, meine Liebste, jede mit einem jungen, wohlgestalten Söhnlein darnieder. Die erste bekandte auf meinen Herrn Schwieger-Vater, und die letztere auf meine Personalität. Ich, der ich mich in meinem Gewissen von dieser Schuld vollkommen rein befand, wurde dergestalt ergrimmt, dass meinen alten Degen ergriff, und so wohl den Schand-Mutz in ihrem Wochen-Bette, als auch den Schwieger-Vater selbst erstechen wolte. Jedoch meine Mutter schlug sich ins Mittel, und eröffnete mir das Verständniss, durch den Bericht, dass der alte Susannen-Bruder meine Schwester zu heiraten, mir aber 200. Tlr. im Voraus zu geben versprochen, wenn ich seiner losen Tochter Kind, vor das meinige annehmen wolte; welches ihr eigentlich ein abgereiseter Schüler hinterlassen hätte.
Wider den ersten Punct, dass nämlich aus dem Schwieger-Vater ein Schwager werden sollte; hatte ich nicht das geringste einzuwenden, allein vor meine person fand ich höchst unbillig, eines andern SchandBalg anzunehmen, vielmehr verschwur ich mich hoch und teuer, diesen Schimpff mit Blute auszuwischen, wenn man mich nicht, noch ehe es Abend würde, mit