-Loche auf den Kirchhoff hinunter ihn aber selbst endlich zur Balg-kammer hinaus, worüber eine abermahlige Unordnung entstund, denn mittlerweile waren die Bälge aufgelauffen, weswegen die Orgel stille schwieg, jedoch ich schlug mich noch ins Mittel, und vertrat die Vices meines Schwagers, welcher sich so wohl als der Cantor dergestalt ergifftet hatte, dass er kein Glied stille halten konte. Die Sache kam zur Klage und Untersuchung, mein Schwager aber war nicht faul, seine Defensions-Schrifft in folgenden Zeilen einzugeben.
P.P.
Der weise haus-Zucht- und Sitten-Lehrer Syrach schreibet im ersten Versicul des 8ten Capitels seines Büchleins die nachdencklichen Worte: Zancke nicht mit einem Gewaltigen, dass du ihm nicht in die hände keine Ursache, mit mir zu zancken, vom Zaune gebrochen, auch mich mit den Tractamenten, womit er seine Schul-Jungens zu beneventiren pfleger, ich meine, ein paar Maulschellen, verschonet, so würde mich schwerlich jemand haben bereden können, dem ehrlichen mann durch ein paar Dutzend Ohr- und Augen-Feigen, blaue Fenster zu machen, und ihm, in dem Grimme meines Zorns die schwartze ZodelPeruque zum Schall-Loche hinnaus zu werffen. Der Geitz ist eine Wurtzel alles Ubels, und also auch der Ehr-Geitz, wäre der Cantor nicht so ehrgeitzig und eigensinnig gewesen, sondern hätte mit mir, als einer Haupt-person bei der Kirchen-Music, sein überlegt, wie das Stücke am besten zu practiciren und tractiren wäre, so wären viele Solennitäten unterwegens geblieben, nämlich, es wären keine Sauen gemacht worden, und die übrige Prostibulation hätte auch unterwegens bleiben können. Davor muss ich sagen, dass der Organiste 1000. mahl mehr Verstand in seinem kleinen Finger hat, denn es wird mir und ihm, sonderlich, so lange ich die Calicanten Charge verwaltet habe, kein Mensch nachsagen können, dass wir nur das geringste Ferckel, geschweige denn solche Sauen in der Music gemacht hätten, als am vergangenen Sonntage herum gelauffen sind. In der Musica ist die Harmonica die allerschönste Tugend und diese muss sich nicht allein in den Geigen und Pfeiffen, sondern auch unter den Personen finden lassen, aber ich weiss gar wohl, dass es grobe Flegels gibt, welche den Calicanten weit geringer schätzen wollen, als einen Stadt-Pfeiffer-Jungen, der kaum in die Lehre getreten ist, welcher Unverstand aber von der löblichen StadtObrigkeit, billig nach befinden, mit ein paar Alten oder wohl gar Neuen-Schock-Straffe belegt werden sollte. Ich hoffe also meine Unschuld klar genug dargetan zu haben, und weil ich ohnedem gewohnt bin, meine schrifftlichen Sachen sehr kurz zu fassen so bitte Ew Hoch Ehrwürd. und Hochgelahrteiten, mir in allen Dingen Recht zu sprechen, und dem Cantor, wenn sie ihm ja die Straffe schencken wollen, dahin anzuweisen, dass er sich in zukunfft besser mit mir confirmire, damit keine fernern Solennitäten verübt werden, denn wenn es auf das Punct horis, kommt, bin ich freilich sehr kützlich, und lasse mir nicht gern im Maule mähten, vielweniger ins Amt greiffen, wie die Schüler am vergangenen Sonntage mit der Balgtreterei tun sollten. Schliesslich habe noch zu erinnern, dass mir der Cantor am Sonntage Schuld gegeben, ich hätte mich im Brandteweine vollgesoffen wie ein Schwein, welches aber vor aller Welt erstuncken und erlogen ist, weil nicht mehr als vor einen Dreier in mein Maul gekommen, verlange deswegen eine Abbitte, Ehren-Erklärung und Bezahlung des Schimpffs vor allen Leuten, die in der Kirchen gewesen sind. Ubrigens wünsche Ew. Hoch Ehrw und Hochgelahrteiten wohl zu leben, und verbleibe etc. etc.
Dieses machte aber so wohl meinem Schwager als dem Cantori vielen Verdruss, und fehlete wenig, dass der erste nicht sehr zeitig wiederum den Dienst verlohren hätte, der andere aber sonsten gestrafft worden; Jedoch endlich wurde alles in der Güte beigelegt, ich weiss aber selbst nicht auf was vor Art, weil mich etliche aufrührische Schüler beredeten, mit ihnen fort zu gehen, und eine andere Schule zu suchen, wo die Schüler nicht so strenge, als von unsern SchulCollegen gehalten würden.
Ich war um selbige Zeit gleich 16. Jahr alt, und sung eine ziemlich seine stimme, wormit ich mich bei dem Cantore dasiges Orts ziemlich recommendirte, so, dass er mir sehr gute Hospitia ausmachte, und allen Fleiss anwandte, mich zu einem perfecten Concertisten zu machen; wobei ich denn auch, was die Latinitæt unter dem Rectore und Conrectore anbetraff, nicht unter die schlimmsten, jedoch auch nicht unter die besten zu rechnen war. Immittelst konte doch Jahr aus Jahr ein so viel verdienen, mich in Kleidung, Wäsche und dergleichen selbst frei zu halten. Da aber drittehalb Jahr hernach eben derselbe Schulmeister, welcher in meinem Gebuhrts-Dorffe an meimeine Mutter solches so gleich schrifftlich berichten und raten: ich sollte eiligst nach haus kommen, und um den Dienst anhalten, denn sie zweiffelte im geringsten nicht, dass ich so wohl im Orgel-spielen, als andern dazu gehörigen Wissenschafften, so viel würde begriffen haben, noch eines weit wichtigern Dienstes würdig zu sein.
Diese Post war kaum eingelauffen, als in meinen gedanken schon alles richtig war, bedaurete also nichts, als dass ich mir nur vor wenig Wochen ein Spannagel neues Farben-Kleid angeschafft hatte, jedoch mein bester Trost war, dass es könnte schwartz gefärbet werden. Meine Mutter, die mich in so langer Zeit nicht gesehen, erfreuete sich hertzlich einen