grössten Vergnügen so wohl Regen als Nebel, indem sich die Sonne unsern Augen in ihrer schönsten klarheit, der Himmel aber ohne die geringsten Wolcken als ein blau-gemahltes Gewölbe zeigte. Und gewisslich diese Allmachts-Geschöpffe erweckten in uns desto grössere Verwunderung, weil wir ausser denselben sonst nichts sehen konnten als unser Schiff, die offenbare See, und dann und wann einige schwimmenden Kräuter. Wir bekamen zwar einige Tage hernach auch verschiedene Seltsamkeiten, nämlich See-Kühe, See-Kälber und See-Löwen, Delphine, rare Vögel und dergleichen zu gesicht, aber nichts fiel mir mit mehrern Vergnügen in die Augen, als, da der kapitän Wolffgang eines Tages sehr frühe mit aufgehender Sonne mir sein Perspectiv gab, und sagte: Sehet, mein Sohn! dorten von ferne denjenigen Felsen, worauf nächst GOtt eure zeitliche Wohlfahrt gegründet ist. Ich wuste mich vor Freuden fast nicht zu lassen, als ich diesen vor meine person so glücklichen Ort nur von ferne erblickte, ungeachtet ich nichts wahrnehmen konte, als einen ungeheuern aufgetürmten SteinKlumpen, welcher auch, je näher wir demselben kamen, desto fürchterlicher schien, doch weil mir der kapitän in Geheim allbereis eine gar zu schöne Beschreibung darvon gemacht hatte, bedünckten mich alle Stunden Jahre zu werden, ehe wir diesem Trotzer der Winde und stürmenden Meeres-Wellen gegen über Ancker wurffen.
Es war am 12. Novemb. 1725. allbereit nach Untergang der Sonnen, da wir in behöriger Weite vor dem Felsen die Ancker sincken liessen, weil sich der kapitän vor den ihm ganz wohlbekandten SandBäncken hütete. So bald dieses geschehen, liess er kurz auf einander 3. Canon-Schüsse tun, und bald hernach 3. Raqueten steigen. Nach Verlauff einer Vierteils Stunde mussten abermals 3. kanonen abgefeuert, und bei jedem 2. Raqueten gezündet werden, da denn alsofort von dem Felsen mit dreien kanonen-Schüssen geantwortet wurde, wobei zugleich 3. Raqueten gegen unser Schiff zugeflogen kamen, welches bei denen, so keinen Bescheid von der Sache hatten, eine ungemeine Verwunderung verursachte. Der kapitän aber liess noch 6. Schüsse tun, und biss gegen Mitter-Nacht alle Viertel Stunden eine Raquete steigen, auch Lust-Kugeln und wasser-Kegel in die See spielen, da denn unsern Raqueten allezeit andere von dem Felsen entgegen kamen, um Mitter-Nacht aber von beiden Seiten mit 3. kanonen-Schüssen beschlossen wurde.
Wir legten uns hierauf mehrenteils zur Ruhe, biss auf einige, welche von des Capitains generositeé überflüssig profitiren wolten, und sich teils bei einem Glase Brandtewein, teils bei einer Schaale Coffeé oder Canarien-Sect noch tapffer lustig machten, biss der helle Tag anbrach. Demnach hatten wir schon ausgeschlaffen, da diese nassen Brüder noch nicht einmal müde waren. kapitän Wolffgang liess, so bald die Sonne aufgegangen war, den Lieutenant Horn nebst allen auf dem Schiffe befindlichen Personen zusammen ruffen, trat auf den Oberlof, und tat ungefähr folgende Rede an die sämtlich Versammle ten:
Messieurs und besonders gute Freunde! Es kan euch nicht entfallen sein, was ich mit einem jeden ins besondere, hernach auch mit allen insgesamt öffent lich verabredet, da ich euch teils in meiner Compagnie zu reisen, teils aber in meine würcklichen Dienste aufgenommen habe. Die meisten unter euch haben mir einen ungezwungenen Eid über gewisse Puncte, die ich ihnen wohl erkläret habe, geschworen, und ich muss euch allen zum immerwährenden Ruhme nachsagen, dass nicht ein eintziger, nur mit der geringsten Gebärde, darwider gehandelt, sondern einer wie der andere, vom grössten biss zum kleinesten, sich dergestalt gegen mich aufgeführet, wie ich von honetten, rechtschaffenen Leuten gehofft habe. nunmehr aber, lieben Kinder, ist Zeit und Ort vorhanden, da ich nebst denen, die ich dazu auf- und angenommen, von euch scheiden will. Nehmet es mir nicht übel, denn es ist vorher so mit euch verabredet worden. Sehet, ich stelle euch hier an meine Statt den Lieutenant Philipp Wilhelm Horn zum kapitän vor, ich kenne seine treffliche Conduite, Erfahrenheit im See-Wesen und andere zu solcher Charge erforderliche Meriten, folget meinem Rate und seinem Anführen in guter Einträchtigkeit, so habt ihr mit Göttl. Hülffe an glücklicher Aussführung eures Vorhabens nicht zu zweiffeln. Ich gehe nun an meinen auserwehlten Ort, wo ich die übrige Zeit meines Lebens, ob GOTT will, in stiller Ruhe hinzu bringen gedencke. GOTT sei mit euch und mir. Ich wünsche euch allen, und einem jeden ins besondere tausendfaches Glück und Seegen, gedencket meiner allezeit im Besten, und seid versichert, dass ich eure an mir erwiesene Redlichkeit und Treue, allezeit danckbar zu erkennen suchen werde, denn wir können einander in Zukunfft dem ungeachtet wohl weiter dienen. Inzwischen da ich mein Schiff nebst allen dem was ihr zur Ost-Indischen Reise nötig habt, an den kapitän Horn, vermöge eines redlichen Contracts überlassen habe, wird hoffentlich niemand scheel sehen, wenn ich diejenigen Meublen so vor mich allein mitgenommen, davon abführe, hernachmals freundlichen Abschied nehme, und euch ingesammt Göttl. Schutz empfehle.
Man hätte, nachdem der kapitän Wolffgang diese seine kleine Oration gehalten, nicht meinen sollen, wie niedergeschlagen sich alle und jede, auch die sonst so wilden Boots-Knechte bezeugten. Ein jeder wolte der erste sein, ihn mit Tränenden Augen zu umarmen, dieser fiel ihm um den Halss, jener küssete ihm die hände, andere Demütigten sich noch tieffer, so dass er selbst weinen und mit manier