mit der ausdrücklichen Weisung: hinfüro alle spitzfündigen Streiche zu vermeiden, in höhern Schutz genommen war, so muste doch von Zeit zu Zeit allerhand Verdruss erdulden, unter welchen mich aber nichts mehr kränckte, als dass mir meine Liebste, die eines reichen Bürgers Tochter, und sonsten ein Mägdgen von feiner Gestalt und herrlichen Tugenden war, abspenstig gemacht, und an einen andern verheiratet wurde. Ich war schon gewisser massen mit derselben würcklich versprochen, tat deswegen einen Einspruch, konte aber nichts erhalten, weil sich die Eltern aufs Läugnen legten, und die Tochter, welche es doch im herzen treulich mit mir meinen mochte, ebenfalls zum Lügen verführeten. Da nun vollends bei der letzteren vermerckte, dass sie ihren Bräutigam gezwungener weise annehmen müsse, trieb mich die Eiffersucht so weit, dass ich denselben Nachts vor der Hochzeit erstechen wolte, allein, GOtt verhütete dieses Unglück, solchergestalt, dass ich ihn nur durch das dicke Bein stach, mich nachher auf die Flucht begab, und vieles von meinem HandwercksGeräte zurück liess. Jedoch hatte die Vorsicht gebraucht, alles mein Geld zu mir zu nehmen, und die besten Sachen, bei meinem Advocaten in Verwahrung zu geben, denn der Rector, mein Pflege-Vater, war nur vor wenig Wochen im hohen Alter verstorben. Der advokat war dennoch so ehrlich, mir die Sachen auf der Post biss Braunschweig nachzuschicken, nebst einer schrifftlichen Erinnerung: dass ich in GOttes Nahmen, mein Glück in einer andern Stadt suchen möchte, weil es im vaterland nicht zu blühen, sondern wegen der letzteren Affaire vollends gänzlich verdorret zu sein, schiene. Ich ging nachher auf Bremen zu, wo ich bei dem Meister, der mir vor etlichen Jahren sehr gewogen gewesen, eine junge, schöne und reiche Tochter wuste, die ich ihm abzuverdienen gedachte. Der schlaue Fuchs merckte mein Absehen wohl, stellte sich auch, so lange er mich notwendig brauchte, sehr gefällig an, allein, ehe ich mich dessen versahe, wurde mir die Rahel entzogen, und einem andern gegeben, ich aber sollte auf die Lea warten, welches mir solchen Verdruss verursachte, dass ich gleich noch selbigen Tages Abschied nahm, und nach Holland reisete, wo ich kurz darauf so glücklich war, von dem Herrn kapitän Wolffgang zur Reise auf diese glückseelige Insul beredet und angenommen zu werden. Wie vergnügt sich hieselbst mein Hertze, nicht allein wegen einer wohlgetroffenen Heirat, sondern auch sonsten in allen andern Stücken befindet, ist leichtlich aus meiner ganzen Lebens-Art abzunehmen. GOtt erhalte uns allerseits nur beständig in dergleichen Vergnügen, und gebe, dass auch ich mit meiner erlernten Pofession nützliche Dienste leisten kan, damit sie, meine Herrn, mich ihrer fernern werten Freundschafft würdig schätzen.
Also endigte unser lieber Freund, der Drechssler Herrlich, die Erzehlung seiner Lebens-Geschicht, unter welcher, der sonsten gar ernstaffte Alt-Vater, selbst etliche mahl zum lachen bewogen worden, und begab sich mit untergehender Sonne auf den Weg nach seiner Behausung.
Um selbige Jahrs-Zeit waren die meisten eingebohrnen Insulaner beschäfftiget, die bereits völlig reiffen Geträyde-Früchte einzusammlen, wobei zu bemercken, dass diese Erndte um die Helffte reicher als die im vorigen Jahre gewesen, ungeachtet eben dasselbe Maass ausgesäet worden. Wir wünschten wohl tausend mahl, unsern Uberfluss unter bedürfftige Leute verteilen zu können, allein, solche Wünsche waren unter die vergeblichen zu zählen. Demnach tat Mons. Litzberg den Vorschlag, auf dem Albertus-Hügel, hinter der Burg, mit der Zeit, und so bald die andern nötigsten Gebäude und Werckstätten fertig wären, ein etwas grosses Magazin aufzubauen, um daselbst das überflüssige alte Geträyde zu verwahren, weil man doch nicht wissen könne, ob GOtt nach so vielen fettenetwa etliche magere Jahre schicken möchte. Solcher Ratschlag gefiel dem Alt-Vater sehr wohl, es wurde auch würcklich, jedoch fast zwei Jahr hernach, und kurz vorher, ehe ich Eberhard Julius die Rückreise nach Europa antrat, der Grund zu besagten grossen Korn haus gelegt.
Nachdem aber mit Ablauff des Monats Januarii die Geträyde-Erndte vorbei, und mittlerweile unser Müller Krätzer die neuerbaute Mehl-Mühle gänzlich zum stand gebracht, wurde am 3. Febr. 1727. in Gegenwart fast aller erwachsenen Insulaner, die probe auf allen beiden Gängen, mit 2. Maass Rocken, gemacht, welches ungefähr so viel als einen Dressdner Scheffel betrug. Es ist unmöglich zu beschreiben, was die sämmtlichen Insulaner vor eine ganz besondere Freude über diese, von ihnen noch nie gesehene Machine, bezeugten. Da sie wohl erwogen, was es ihnen bisshero vor grausame Mühe und Arbeit gekostet, dieses fast unentbehrliche Nahrungs-Mittel zu gute zu bringen, deswegen gaben sich bei dem ehrlichen Meister Krätzer, fast zehnmahl mehr Lehrlinge an, als er zu unterweisen Zeit und gelegenheit hatte; jedoch suchte er sich voritzo 4. der stärcksten und geschicktesten Pursche aus, und versprach dieselben aufs treulichste in seiner Profession zu unterrichten, daferne ihm aber GOtt das Leben gönnete, in wenig Jahren, noch eine dergleichen Mühle, jenseit des Canals, vor die, über dem Nord-Flusse gelegenen Einwohner zu erbauen. Immittelst sei nicht zu zweiffeln, dass er mit dieser Mühle allen sämtlichen Insulanern, Jahr aus Jahr ein, gnungsames Mehl verschaffen wolle, wie denn dieselbe von erwehnten Tage an, ausser denen Sonn- und fest-Tagen, selten stille stunde, so, dass auch der Alt-Vater, vor sich und seine Hausshaltung, in wenig Wochen von allen Stämmen