1731_Schnabel_088_275.txt

er unter dem arme trug, hingen zwei recht naturell nachgemachte Fuchs-Schwäntze. Noch ferner hatte ich einen Ziegen-Bock nach dem Leben abgebildet, der darauff sitzende Ritter führte in der rechten Hand eine Schneider-Scheere, an der Seite statt des Degens, eine Elle, und hielt den Ziegen-Bock mit der lincken Hand im Kap-Zaume, der von einer wollenen Tuch-Schrote gemacht war, an statt der Steig-Bügel sah man zwei Bügel-Eisen, u. wo die Sporn an Stiefeln stehen sollten, befanden sich etliche, wunderlich durch einander gesteckte Neh-Nadeln. Die Hörner des Bocks waren verguldet, Sattel und Chaberaque von BärenheuterZeuge, und mit Schellen behangen, in den PistolenHolfftern aber stacken 2. dergleichen Pfrimen, womit die Schnür-Löcher ausgebohret werden, ja ich weiss mich fast selbst nicht mehr zu entsinnen, was ich sonsten an diesem Ziegen-Bocke, so wohl auch noch an verschiedenen andern dergleichen törichten Inventionen vor Gauckeleien ausgeübt habe. Nun ist leicht zu erachten dass dieserwegen gar bald Lerm in der Stadt worden, es stunde dermassen viel Volck um meinen Laden herum, als ob ein armer Sünder abgetan werden sollte, meine Sachen gingen alle reissend weg, jedoch an die verdächtigen Stücken wolte sich niemand wagen, weil sie vorerst ziemlich teuer geboten wurden, vors andere dem Käuffer, ein nicht unbilliges Bedencken verursachten. Endlich meldeten sich unverhofft etliche Mit-Glieder der löblichen Schneider-Zunfft, und machten nicht unebene Minen, meinen Laden zu stürmen, jedoch da ich ein paar Pistolen und eine Flinte zurechte legte, im übrigen aber einem jeden nach Würden höflich und freundlich begegnete, verging ihnen die Lust mich zu attaquiren. Bald hernach kam fast die ganze Schneider-Zunfft mit den Handgreifflichen Anwalden angestochen, welche letzteren oberwehnte anzügliche Stücke, auf Befehl des Bürgermeisters von mir abfordern wolten. Allein es war nur wenig Augenblicke zuvor, mein guter advokat, der meinen ersten Process gewonnen, in den Laden getreten, um vor seine Kinder etwas auszulesen, dieser merckte sogleich was die Ankommenden suchen würden, warff mir also 4. ganze Gulden auf den Tisch und sprach: Meister Drechsler! also sind wir richtig, und ich bekomme nur noch 8. Ggr. zurück. Hierbei konte ich, aus seinem Augen-wincken, sogleich mercken, was die Glocke geschlagen hätte, nahm deswegen sein Geld und Sachen hinnein in die stube. So bald nun die Rats-Diener den Burgemeisterlichen Befehl angebracht hatten, schlug sich mein advokat ins Mittel und sagte: Mein Freund! vermeldet dem Herrn Burgemeister nebst meinem Grusse, dass die verlangten Sachen, kein Kauffmanns-Gut mehr wären, sondern ich hätte dieselben bereits vor meine Kinder zum Spiele erhandelt und bezahlt, wie ihr denn sehet, dass mir der Meister hier auf 4. Gulden, 8. Ggr. zurücke gibt, mir aber ist dergleichen vor keine 10. Tlr. feil, ich weiss auch, dass sich der Herr Burgemeister hüten wird, solche mir mit Gewalt abzunehmen. Sie schwiegen hierzu stille, fragten aber mich: warum ich Pistolen und Flinten im Laden liegen hätte? Sie sind, gab ich zur Antwort, zu verkauffen, denn es sind kostbare Stücke, die ich mit aus der Frembde gebracht habe. Hierauff zog die sämmtliche Procession mit der langen Nase zurücke, gleich nach den Feiertagen aber ging ein dreifacher Process wider mich an, den jedoch mein advokat dergestallt geschicklich durchführete, dass ich nicht viel über 5. Tlr. dabei verlohr. Hergegen gereichte mir zu desto grösserer Lust und Ehre, dass mein advokat, die beruffenen Stücke, listiger weise, so wie sie von mir gemacht waren, an das allerhöchste Ober-Haupt des Landes zu spielen wuste, welches ein besonderes Vergnügen darüber bezeigt, und alles zur Rarität in Dero berühmte Kunst- und Naturalien-Cammer zu setzen befohlen hat.

Mein advokat hat unfehlbar den besten Zug hierbei getan, allein ich gönnete ihm selbigen von herzen gern, zumahlen da er mir dann und wann einen schönen Verdienst zuwiese. Es durffte sich nun zwar auch in der Stadt niemand öffentlich an mir reiben, allein es ist doch leicht zu erachten: dass ein junger Bürger, der das freie, aus der Frembde mitgebrachte Wesen noch nicht aus dem Sinne schlagen kan, und der den Rat so wohl als die oberste Geistlichkeit gegen sich erbittert gemacht hat, ungemein behutsam gehen muss, wenn er heutiges Tages in Teutschland, wo ohnedem in vielen Städten das Kirchen- und Regierungs-Schiff, von lauter Affects-Winden hin und her getrieben wird, sichern und geruhigen Auffentalt finden will. Ich will mich zwar eben nicht so gar weiss und unschuldig brennen, sondern viellieber gestehen, dass ich mich stark vergangen gehabt, denn es war ein schlechter Verstand, auf solche spitzige Art, denenjenigen ursache zu hadern zu geben, die da höher waren als ich. Und ausserdem, was hatten mir die armen Schneider getan, dass ich sie mit dem ZiegenBocke ärgerte? Wahrhafftig, ich wuste nichts anders auf sie zu bringen, als dass der Burgermeister eines Schneiders Sohn, und mit vielen andern Schneidern beschwägert war, sonsten muste ich sie so wohl damahls, als wie annoch biss auf diese Stunde, in ihrem Handwercke, vor rechtschaffene, ehrliche und brave Leute erkennen. Aber was nimmt ein junger TollKopff, der die Hörner noch nicht völlig abgelauffen, zuweilen nicht vor törichte Händel vor?

kurz von der Sache zu reden, ungeachtet ich, jedoch