, legte in aller Stille, unter einigen, so wohl einheimischen als auswärtigen guten Freunden, eine kleine Lotterie zum Lust-Spiele an, wobei die Einlage 3. Ggr. der beste Gewinst aber 12. Tlr. war, und von diesem Spiele tröpffelte also so viel ab, jedoch mit vorbewust aller Interessenten, denen die richtige Einteilung vorgelegt wurde, dass mein völliges Lehr-Geld heraus kam. Ich gewann mit 2. Loosen selbst 2 Tl. 16. Ggr. darbei, bekam auch von einigen Wohltätern so viel geschenckt, dass davon, in den ersten 2. Jahren, notdürfftige Kleidung und Wäsche anschaffen konte.
Nachdem meine Lehr-Jahre verflossen, und ich noch etwas Zeit darüber, bei dem Lehr-Meister geblieben, anbei im stand war, hinfüro meinen Lohn in der Frembde redlich zu verdienen, begab ich mich endlich auf Reisen, und war binnen 11. Jahren immer so glücklich bei den besten Meistern Arbeit zu bekommen, sonderlich aber die künstlichsten Sachen aus Helffenbein und Messing drehen zu lernen, über alles dieses, hieng ich meiner ehemaligen Lust zur Bildhauerei annoch sehr nach, und machte bei müssigen Stunden genaue Kundschafft mit einem alten beweibten Bildhauer Gesellen, der mir vor ein leichtes Geld, die Kunst zu zeichnen, nebst den besten Vorteilen in ihrer Arbeit lehrete, und weil ich, wie bereits gemeldet, nicht allein gute Lust, sondern auch ein natürliches Geschicke dazu hatte, so brachte es nachher darinnen ziemlich weit. Endlich da ich mir binnen besagter Reise-Zeit ein Capital von fast andertalb hundert Talern gesammlet, kam mir die Lust, meine Vaters-Stadt zu sehen, wieder an. Meine Mutter war bereits vor etlichen Jahren gestorben, der Vater aber hatte sich seines Alters und Unvermögens wegen, vor alle sein erspaartes Gut ins Hospital eingekaufft, mein Wohltäter der Rector aber lebte, ungeachtet seines hohen Alters, mit seiner Frauen annoch sehr vergnügt, und bezeugte eine besondere Freude, da er mich in so guten stand wieder kommen sah, welche Freude nicht um ein geringes vermehret wurde, da ich ihm unterschiedliche Raritäten nicht allein von künstlichen, sondern auch natürlichen Sachen mit brachte, indem mir bewust war: dass er selbst eine artige compendieuse Naturalien-Cammer besass, und dergleichen Sachen wegen, mit den vornehmsten Leuten Correspondenz führte. Der ehrliche Mann gestunde mir etwa ein halbes Jahr hernach, dass er aus meinen Sachen bei nahe hundert Taler gelöset, bot mir deswegen die Helffte solches Geldes zu meinem Bürger- und Meister- Rechte in selbiger Stadt an, da ich aber durchaus nichts annehmen wolte, sondern zu erkennen gab, wie er nächst GOtt allein derjenige sei, welchem ich alles was ich im Kopffe und im Leben hätte zu dancken schuldig, so versprach er dagegen meinen alten Vater, Wöchentlich 3. Tage von seinem Tische zu speisen, auch ihm, wie bisshero schon geschehen, alle Sonntage ein Nössel Wein zur Stärkkung, und zwar auf Lebens-Zeit zu reichen. Allein mein lieber alter Vater starb etwa 8. monat hernach, ich aber erhielt mit grosser Mühe die erlaubnis, ihm auf dem Hospitals Kirch-hof eine Gedächtniss-Tafel, die ich mit eigener Hand so künstlich als mir möglich war verfertigte, auffzurichten. Selbige Tafel, war 2. Ellen hoch, fast eine Elle breit, und zeigete in einer ausgeschnitzten Devise das Bildniss Christi, vor welchem mein Vater, nach allen seinen Lineamenten abgebildet, auf den Knien lag, und mit den Händen 4. Gewicht-Stücken, auf deren jeden das Zeichen 1. Centn. bemerckt, an ihren Rincken hielt. Von seinem mund an, waren in zweien Zeilen folgende Worte ausgeschnitzt: HErr! du hast mir zwei Centner getan; siehe da, ich habe mit denselben zwei andere gewonnen. Aus dem mund des Welt-Heilandes aber, der in seiner rechten Hand einen OehlZweig, und in der lincken einen Reichs-Apffel hielt, flossen diese Worte: Ei du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenig getreu gewesen; ich will dich über viel setzen. Gehe ein zu deines HERRN Freude. Zu oberst hatte ich die himmlische Glorie, unten auf der Erden herum aber, meines Vaters Handwercks-Zeug, nämlich einen Boten-Spiess, Grabscheit, Schauffel, Hacke, Schubkarn und dergleichen, sehr sauber ausgeschnitzt, ferner einige Nachricht von seiner person, Geburts- und Sterbens-Zeit und endlich folgenden Biblischen Spruch gesetzt: 1. Cor. 1. "v. 26.–29. Nicht viel Weisen nach dem Fleisch, nicht viel Gewaltige, nicht viel Edele sind beruffen; Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat GOTT erwählet, dass er die Weisen zu schanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat GOTT erwählet, dass er zu schanden mache was stark ist, und das Unedle vor der Welt, und das Verachtete hat GOTT erwählet, und das da nichts ist, dass er zunichte mache was etwas ist: Auf, dass sich vor ihm kein Fleisch rühme."
Wie gesagt, es hielt gleich anfänglich sehr hart, ehe ich die erlaubnis bekam, einem so schlechten mann, wie mein Vater gewesen, dergleichen Ehren-Gedächtnis aus kindlicher Liebe zu setzen, nachdem ich aber dieserwegen 12. Taler in die Hospitals-Kirche gezahlet, bekümmerte sich weiter niemand drum. So bald ich nun selbiges mit standhafften Farben zierlich ausgemahlet, die Schrifften mit feinem Golde vergüldet, und das ganze Stück Morgens