mir die kräfftigsten Buss- und Trost-Lieder ordentlich bezeichnete, Joh. Arends Paradiess-Gärtlein, dann noch das vortreffl. Buch: Mayers verlohrnes und wieder gefundenes Kind GOttes, recommendirte mir auch über diese noch einige andere erbauliche Bücher, die er schrifftl. aufsetzte. Ich folgte seinen gegebenen Rat aufs allergenauste und habe nach der Zeit fast keinen Tag versäumet, in dergleichen Büchern sehr fleissig zu lesen und meinen Lebens-Wandel darnach einzurichten, wie ich denn auch alle dieselben mit auf diese Insul gebracht habe, und sie vor meinen allerbesten Schatz halte.
Der vortreffliche Geistliche wolte durchaus keine Belohnung vor seine mit mir gehabte Mühe von mir annehmen, ich habe ihm aber dennoch, nachdem ich albereit mit tränenden Augen Abschied von ihm genommen, 20 harte Taler von demjenigen Gelde, welches mir meine Mutter mit auf die Reise gegeben, durch die Post übersendet, und hertzlich gebeten, sich zu meinem Angedencken andere geistl. Bücher darvor zu kauffen. Die andern ehrlichen Leute, die mich in meiner Kranckheit so wohl besorgt, habe ich auch von dem Gelde, welches ich vor mein verkaufftes Pferd eingenommen, erkäntlich bezahlet, also nicht mehr als noch etwa 30 Tl. übrig behalten. Dieses wenige, aber mit guten Gewissen besitzende Vermögen, beschloss ich zurahte zu halten, mich vor allen Gottlosen liederlichen Leben, sonderlich vor dem verdamten Spielen und Sauffen, Zeit Lebens zu hüten, hergegen mein Brod, auf dem, von Jugend auf ehrlich erlernten Handwercke, zu gewinnen, und zu erwarten, ob mir GOtt etwa hier oder dar in einem frembden jedoch Luterischen land, etwa eine beständige RuheStädte verschaffen wolle: damit ich nicht ursache hätte selbige in meinem vaterland, als welches mir nicht allein der letzten verdrüsslichen, sondern auch anderer ärgerlichen begebenheiten wegen, eckel war, zu suchen. Unter solchen Absichten schrieb ich meinem Vetter, das an ihm übersandte Capital halb an eine arme Kirche und die andere Helffte an ein gewisses übel besorgtes Hospital zu wenden. Meine Mutter bat ich gleichfalls dasjenige, was sie mir an Erbteile zugedacht, an geistliche Stifftungen zu legen, indem ich entweder gar nicht, oder doch nur desswegen wieder eine Reise in meine Heimat vornehmen würde: zu vernehmen ob man in diesem Stücke meinem Willen nachgelebt hätte; denn die Sache wegen meines Stief-Vaters, war schon mit 120. Tl. baaren Gelde vor den Gerichten völlig ausgemacht worden, weiln mehr als 7. Zeugen vorhanden gewesen, die mit Wahrheit bekräfftigen können: dass ich weder mutwillige Händel an ihm gesucht, noch ihm freventlicher hergegen recht abgenöhtigter weise und recht wieder meinen Willen, zum tod befördert hätte.
Demnach hielt ich mich bei nahe noch andertalb Jahr in einer berühmten Fluss-Mühle auf, legte bei deren neuer Erbauung nich allein viel Ehre ein, sondern bekam auch von dem Eigentums Herrn ein ansehnliches Stücke Geld. Indem mich aber ein junger Norwegischer reicher Mühl-Pursche inständig bat: mit in sein Vater-Land zu reisen und seine ErbMühle, die noch weit mehrere Einkünffte als erwehnte hätte, auf eben die Art einrichten zu helffen. Liess ich mich bereden mit ihm nach Norwegen zu reisen. Allein der gütige GOtt, den ich von weniger Zeit her täglich inbrünstig anbetete, führte mich unterweges zu dem Herrn kapitän Wolffgang, dessen unvergleiche Beredsamkeit mein Vorhaben verrückte, und mir die Reise zur See, als das allerangenehmste Pflaster zur Heilung, meiner in Europa selbst verursachten alten Schäden, darlegte. deswegen nahm mir kein Bedencken, meinem gefährten die Zusage aufzukündigen, und diesem vollkommen redlich scheinenden mann zu folgen, der mich auch in der gemachten Hoffnung keines weges betrogen, sondern noch vielmehr gehalten, als er versprochen hat.
Zu ihnen, meine Herrn! sagte nunmehr unser guter Müller, habe ich aber hierbei das vollkommene Vetrauen, dass sie mich wegen meines aufrichtigerstatteten Berichts, der meine person bei manchen Europæer vielleicht verächtlich machen würde, um so viel desto besser achten werden, denn ein Mensch, der vorher ein Schelm gewesen und nachher fromm worden ist, nach dem Winckel-Masse der Vernunfft vor besser zuhalten, als 1000 andere, die sich zwar fromm und ehrlich stellen und doch Schelme in der Haut bleiben. Es hat mich niemand gezwungen ihnen die wahrhafften Umstände meiner begangenen Bossheiten zu erzehlen, ich habe auch dieserwegen hiesiges Orts keine Zeugen, als den einigen GOtt, und mein Gewissen über mich zu fürchten gehabt. Sie aber sollen hinfüro allerseits Zeugen, meines, nach menschlicher Möglichkeit zu führenden, christlichen Wandels sein; weiln ich von der ersten Minute an, da mein Fuss diese glückselige Insul beschritten: allererst eine vollkommene Gemüts-Beruhigung gefunden und nunmehr auch dieselbe durch eine glückliche Heirat, leiblicher weise, im höchsten Grad erreicht habe. GOtt segne meiner hände Werck allhier, zu ihrer aller und meinem fernern Vergnügen, dergestallt, dass ich der mir erzeigten Freundschafft und Güte immer würdiger werde, denn nichts als der tot soll mich ungeschick machen, ihnen meine beständige Ergebenheit spüren zu lassen. Indessen will ich ihnen doch den Gedenck-Spruch, den mir mein lieber Beicht-Vater nach der letzten kranckheit eingeprägt, zum beschluss meiner Erzehlung melden, er lautet also: Sprich, Teuffel, was du wilst, ich falle GOtt zu fuss Das Böse nicht mehr tun ist doch die beste Busse Hinfüro tugendhafft, dem Nechsten nützlich sein Tilgt alte Schulden aus und macht mich Engel rein.
Der Alt-Vater nahm hierauf unsern Philipp Krätzer bei der Hand und sagte: Mein lieber Sohn! Unser Heiland