, ich nicht allein mein getanes Gelübde vergessen, sondern mir auch nicht das geringste Gewissen gemacht hätte, die vorige LebensArt wiederum zu ergreiffen.
Unter andern geriet ich mit einem sehr artigen Frantzosen in Bekandtschafft, der sich La Rosée nennete, und wie ich merckte, die Spiel-Künste ungemein wohl verstund, deswegen hütete mich ihm keinen Verdruss, mir aber keinen Schaden zu zu ziehen, nicht zwar aus einiger Furcht, sondern weil ich diesem Menschen, unwissend, warum, gewogen sein muste. Er im Gegenteil vermerckte bei mir gnugsame Hertzhafftigkeit, zugleich auch, dass ich seine künstlichen Streiche guten Teils abgemerckt, dem ungeachtet die gefälligkeit vor ihm gehabt, und stille geschwiegen hatte. deswegen suchte er mir bei andern Gelegenheiten allerhand Vergnügen zu machen, tractirte mich öffters in seinem Logis mit den herrlichsten delicatessen, und ich bewirtete ihn gleichfalls öffters in meinem haus, wobei er mir zu vernehmen gab: Wie er die stärckste Anwartung auf einen Officiers-Dienst in einer benachtbarten Guarnison hätte, und mich zugleich bereden wolte, ebenfalls Dienste unter der Miliz zu suchen, allein ich zuckte die Achseln hierzu und sagte: dass, wenn mir mein freier und ungebundener Stand nicht lieber gewesen, ich schon vorlängst unter den Kayserl: Trouppen eine Compagnie haben können. Hierauf sprach er: ja Monsieur, es wäre mir zwar auch also zu Mute, allein, wo wollen die Mittel allezeit herkommen: Monsieur, versetzte ich, dergleichen Künste als ihr im Spielen gezeiget habt, müssen ihren Mann niemals fallen lassen. Ach! sprach er, es ist zwar etwas, jedoch nicht hinlänglich, denn in Paris ja in ganz Franckreich werden die Reichen immer klüger, die Armen aber immer ärmer, und ich glaube, ehe ein Jahr verstreicht, wird fast niemand mehr spielen wollen, deswegen muss man sich auf andere Künste legen. Unter diesem gespräche fiel mir ein eiserner etwa 2. Ellen langer Guardinen Stab, vom Fenster herunter auf den Kopff, jedoch ohne besonderen Schaden, dem ungeachtet brach ich denselben aus Bossheit, als einen Tobacks-Pfeiffen-Stiel in mehr als zwantzig Stücke. La Rosée sperrete darüber Maul und Nase auf, vermeinete auch, dass ich vielleicht ein Hexen-Meister sei, allein ich bezeugte ihm mit vielen mir gar nicht schwer ankommenden Eidschwüren, dass dieses meine angebohrne Stärcke also mit sich brächte, zerbrach auch vor seinen Augen einen mehr als 6. mahl dickern Fenster-Stab in etliche Stücken, worüber La Rosée in noch stärckere Verwunderung geriet, und mich zu einem seiner besten Freude mit zu gehen bat, welchem er heute eine Visite zu geben versprechen müssen. Ich liess mich leicht bereden, zumahlen da selbigen Abend sonsten keine tüchtige Compagnie wuste. Demnach führte er mich in die Vorstadt St. Marcel und zwar in ein nicht allzu ansynliches Hass, wo in der Unter-stube des hinterGebäudes, zwei ansehnliche Cavaliers im Brete mit einander spieleten, jedoch bei des Le Rosée und meinem Eintritt alsobald aufsprungen, und uns aufs höfflichste bewillkommeten.
Sie liessen so gleich den köstlichsten Wein, nebst andern Delicatessen auftragen, und weil noch ein ansehnlicher feiner Herr dazu kam, sassen wir da, liessen die Gläser tapffer flanquiren und raisonnirten von lauter Etaats-Affairen, so dass ich diese Herrn vor vollkommene Etaats-Leute gehalten, wenn mir la Rosée nicht gesagt hätte, dass sie Officiers von demjenigen Regiment wären, worunter er sich halb engagirt hätte. Der Wein hatte wegen seines ganz besonders trefflichen Geschmacks, mir allbereits einen halben Tummel zu gezogen, als plötzlich ein scheinbarer Officier mit 6. Mann in die stube trat, und mit brüllender stimme sprach: Messieurs gebt euch auf Befehl des Königs in Arrest! Ich vor meine person, der dieses tages wegen ein ziemlich gutes Gewissen hatte, wuste nicht, was es bedeuten sollte, sah deswegen meine Zech-Gesellen an, und fragte in aller Stille: Ob wir diesen Kerlen nicht die Hälse brechen wolten? La Rosée sprach: Allerdings, sonst sind wir verlohren.
Auf dieses Wort, sprunge ich als eine Furie hervor, riss den Officier plötzlich zu Boden, stiess einen andern mit dem Kopffe wieder die Wand, dass er ohnmächtig wurde, den dritten aber mit einem ausgezogenen Stillet auf der Stelle tot. Meine Zechbrüder brachten die übrigen 4. zwar glücklich zur Tür hinaus, ersahen aber, dass noch mehr als 12. Mann im hof parat stunden, uns zu attaquiren. Jedoch zu allem Glücke war die Stuben-Tür inwendig mit starcken eisernen Bändern und Riegeln versehen, deswegen wurde dieselbe, aufs beste verwahret, hergegen schien meinen Compagnons das Durchwischen unmöglich, weil die 3. Fenster mit eisernen Stäben allzu fest besetzt waren. Allein hierzu wurde bald Rat, denn ich riss einen nach dem andern aus der Mauer, und also sprungen wir auch einer nach dem andern zum Fenstern heraus. Diese waren nun zwar auch mit einer geringen Manschafft besetzt, allein ich schlug mich glücklich durch, und kam ohnbeschädigt in meinem Logis an.
Folgenden morgen besuchte mich einer von den gestrigen Zechbrüdern, der sich, le Pressoir nennete, und brichtete: dass la Rosée nebst noch einem andern dennoch von der Wacht attrapirt und ins Chastelet geführt worden, über dieses wäre auch der Kerl, welchen ich mit dem Kopffe so hart an die Mauer gestossen, crepiret, deswegen der beste Rat, wenn ich mein Quartier veränderte, weil man mich hier leicht ausforschen und zu dem la Rosée setzen könnte. Demnach liess ich mich von diesem Schein-