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ältesten eine kostbare Englische silberne Uhr, von dem jüngsten aber einen silbernen Degen geschenckt, wurde auch gebeten: sie ferner in andere dergleichen Compagnien zu führen, und auf ihre Schantze so treulich wie bisshero achtung zu geben. Dieses geschahe einsmahls, und zwar da der Hofmeister wegen einiger Kopff-Schmertzen im Logis zu bleiben gesonnen war, allein die beiden guten Herrn wurden von meinem Stax nicht allein um 200. fl. bei sich habende Silber-Müntze, sondern über dieses noch um 300. halbe Louis d'or geschneutzet, ich selbst, der aber mit dem Stax unter einem Hütgen spielete, hatte zum Scheine auch 50. Louis d'or nebst 100. Frantz-Gulden mit verlohren, hörete aber auf zu spielen, weil, wie ich sagte, heute kein Glück vor mich vorhanden wäre, allein die jungen Herrn spieleten mit dem ernstafften und sehr raisonable scheinenden Stax, auf Conto weiter fort. Ich hielt nicht vor ratsam diese melckenden Kühe auf einmal zu ruiniren, schlich mich deswegen heimlich zu ihrem Hoffmeister, erzehlete demselben mit verstellter Treuhertzigkeit, dass die beiden jungen Herrn heute sehr unglücklich gewesen, und dem ungeachtet durchaus nicht nachlassen wolten, bat ihn deswegen um Gottes Willen, seine Autorität zu gebrauchen, und sie darvon abzuziehen, weil heute doch weder Glück noch Stern vor sie sei. Der gute Pursche merckte nunmehr zu spät, dass er seinen Untergebenen allzuviel Willen, und was das gröste versehen war, den Schlüssel zum Geld, Chatoul überlassen hatte, deswegen warff er in grössten Aengsten seine Kleider über sich, erfuhr aber zu seinem allergrösten Schrekken, dass seine Untergebenen Zeit meines Abwesens noch 200. Louis d'or verspielet hatten, weswegen Stax, bei ein und andern empfindlichen Reden des Hoffmeisters, das rauche heraus zu kehren begunte, und entweder auf der Stelle sein Geld oder wenigstens einen tüchtigen Bürgen verlangte. Indem er nun ganz allein im stand war, dem Hoffmeister und seinen beiden jungen Herrn, Angst und Schrecken einzujagen, mussten sich diese auf gute Worte befleissigen, um mit der Helffte davon zu kommen, allein er war nicht zu erweichen, biss ich mich ins Mittel schlug, und so viel auswürckte, dass er endlich mit 100 Louis d'or zufrieden war, welche der Hoffmeister alsofort aus dem Logis langen und ihm bezahlen muste. Die guten Herrn stelleten sich zwar nach der Zeit noch ziemlich gefällig, allein ich weiss nicht, ob der Hoffmeister einigen Verdacht auf mich legen mochte, weil er sich sehr kaltsinnig stellte, auch bei meiner Ankunfft, seine Untergebenen entweder verleugnete, oder ihnen doch im geringsten nicht erlauben wolte, ferner mit mir aus zu spaziren.

Demnach tat es mir von herzen leid: dass ich sie nicht noch besser berupfft, sondern so gnädig durchgelassen hatte, jedoch es passirten in nachfolgenden 3. Jahren, so lange nämlich mein Stax und ich uns noch in den vornehmsten Französischen Städten umsahen, unzählige dergleichen Streiche, welche alle haarklein zu erzehlen, ich wenigstens eine ganze Woche Zeit haben müste. Endlich zerfiel ich mit diesem meinen bissherigen Hertzens-Freunde, um einer sehr geringen Sache willen, worin er sich, in Beisein vieler andern Leute, einer sonderbaren Autorität über mich anmassen wolte, allein weil ich etwas zu viel Wein getruncken hatte, blieb ich ihm an allerhand empfindlichen Redens-Arten nichts schuldig, daher er endlich auf die Torheit geriet: mit Kreide eine Mühl-Axt auf den Tisch und ein NB. darüber zu mahlen. Es wuste zwar kein Mensch, was dieses eigentlich bedeuten sollte, mich aber verdross dieser Streich dergestalt, dass ich ihn augenblicklich forciren wolte: mir mit seinem Degen gegen den meinigen, eine vollkommene Auslegung zu tun, allein wir wurden, von etlichen sich darzwischen Legenden Cavaliers, abgehalten und ermahnet, dergleichen Vornehmen biss auf den morgenden Tag zu versparen.

Stax ging in seiner Maitresse Logis den Rausch auszuschlaffen, und vermeinte vielleicht, wenn ich dergleichen getan, würde sich der gestrige Eiffer wohl gelegt haben, allein die Galle ging mir dergestalt im Eingeweide herum, dass ich kaum den Morgen erwarten konte. So bald derselbe angebrochen war, kauffte ich mir von einem Pferde-Händler ein gut Pferd mit schönen Sattel und Zeuge, schickte den nunmehrigen ärgsten Feinde ein Cartell zu, Nachmittags um zwei Uhr eine Meile vor der Stadt auf einem bewusten Tummel-platz zu erscheinen. Weil mir aber sogleich ein Unglück ahndete, kauffte ich noch einen leichten Klöpper vor einen deutschen Laqueien, den ich, weil er von seinen Herrn verlassen worden, nur vor wenig Tage in meine Dienste genommen hatte, liess meine besten Kleider und Sachen in zweien Mantel-Säcken darauf packen, befahl dem Kerl auf etliche 100. Schritt voraus zu reiten, und zu erwarten, wie mein vorhabendes Duell ablieffe, ich aber setzte mich gleichfalls zu Pferde, und gelangte bald auf den Platz, wo sich mein Gegner zu bestimmter Zeit einstellete. Nehmet euch in Acht! rieff er mir zu, so bald wir einandar das Weisse im Auge sehen konnten, denn die Meisters behalten gemeiniglich die beste Finte vor sich. Es ist gut, gab ich ganz gelassen zur Antwort, in kurtzen wird sich zeigen, wer des andern Meister ist. Hiermit gingen wir nach abgeworffenen Kleidern aufeinander loss, und mein Gegner wurde im zweiten Gange ein wenig in den Arm verwundet, da er aber dieserhalb nur desto hitziger wurde; und seinen Hohn in der Geschwindigkeit zu rächen vermeinte, auch vor der mir selbst gezeigten Finte sich nicht