, nämlich durch lauter betrügliches Spielen zusammen gescharret hatte, liess ich mir ein paar Edelmanns Kleider machen, kauffte Peruquen, Tressen Hüte, einen silbernen Degen, ja alles ein, was zur Ausstafierung eines jungen Edelmanns gehörete, packte die Sachen in einen Coffré, reisete etliche 30. Meilen weiter in die Welt, blieb endlich in einer Stadt bekleben, wo sich viel dergleichen Leute zeigten, als ich vor mir zu haben wünschte.
Ich gab mich daselbst vor einen Menschen von Sächsischen guten Geschlechts aus, der sich unter verdeckten Nahmen, so lange an frembden Orten aufzuhalten gezwungen sähe, biss er eine gewisse verdrüssliche Affaire, die er mit einem Cavalier gehabt, durch seine Anverwandten und guten Freunde ausmachen lassen. In der Tat aber, war ich mit Wahrheit und ohne Ruhm zu melden, damahls ein subtiler Spitz-Bube. Und gewisslich es sollte wenig gefehlet haben, mich in die völlige Diebs- und Spitz-Buben Zunfft zu ziehen, als worzu sich sehr sonderbare gelegenheit-Macher anmeldeten, wenn ich nicht in meiner Jugend eine besondere Aversion vor dergleichen Leuten bekommen hätte, und zwar bei der gelegenheit: da ich etliche solche Galgen-Vögel erstlich erbärmlich martern, und hernachmahls teils rädern, teils aufhencken sah. Wiewohl ich will selbst nicht Bürge davor sein, dass dergleichen Eckel, durch das fernere Zureden solcher saubern Gesellen endlich nicht hätte können vertrieben werden, wenn die subtilen Säyten auf der Geige meines liederlichen und GOttes vergessenen Lebens nicht mehr hätten klingen wollen. So aber konte zu damahliger Zeit mit dem aller listigsten Kunst-Griffen beim Würffel, Bassetund andern kostbaren Karten-Spielen, mein annoch beständiges gutes Conto finden, wie ich denn eines Abends bei einer Assambleé so glücklich war, von einem gewissen Major 1000. Tlr. baar Geld zu gewinnen. So viel Geld getrauete ich mich unmöglich alleine durchzubringen. deswegen verschrieb meinen zurückgelassenen Kunst-Lehr- und Fecht-Meister zu mir, übersandte ihm 200. Tlr. von dem gewonnenen Gelde, mit dem Unterricht: dass er sich bei seiner Ankunfft, vor allen Dingen einen adelichen Nahmen geben müsse, vor unsern Staat zu führen, sollte er hingegen, mich alleine sorgen lassen.
Er säumete nicht sich unter einem vornehmen Adelichen Geschlechts-Nahmen der Eustachius von S** lautete, einzustellen, gleichwohl muste er das Ansehen bei allen andern haben, als ob wir beide einander niemals mit Augen gesehen hätten, jedoch in wenig Tagen, errichteten wir die allervertrauteste Freundschafft, und bezogen zusammen ein Logis. Es ist mir unmöglich alle Arten der List und Bossheit auszuführen, durch welche wir binnen wenig Monaten ein Capital von mehr als 2000. Tlr. zusammen brachten, jedoch der Krug ging so lange zu wasser, biss endlich der Henckel abbrach; denn mein Compagnon wurde eines Abends, von einem Cavalier, auf frischer Tat des falsch Spielens, ertappt, und bekam von demselbigen eine tüchtige Maulschelle.
Dieser Schimpff konte nun mit nichts anders, als Blute abgewaschen werden, deswegen liess mein Camerad Stax, dem Cavalier folgenden Morgen durch mich vor die Spitze fordern, selbiger war keine feige Memme, sondern erschien mit seinem Secundanten auf dem bestimmten platz, hatte aber das Unglück, von meinem Cameraden auf der Stelle erstochen zu werden. Wir hatten uns vorigen Abend auf dergleichen Streich schon gefast gemacht, derohalben unsere besten Sachen vor angebrochenen Tage mit der Post fort, und in eine Französische Gräntz-Stadt geschafft, mitin wurde nicht lange gesäumet, biss dahin nachzueilen, wir kamen auch, ungeachtet uns ein Commando Reuter nachgeschickt worden, um eine halbe Stunde eher, als dieselben, glücklich über die Teutsche Gräntze. Die Reise ging ohne fernere sorge auf Paris zu, in welcher reichen Stadt wir unsere Streiche am allerbesten fortzuführen gedachten, allein zu gröster Verwunderung fanden sich daselbst unzehlig viele solche Leute, die unter dem Cavaliers-Habite dergleichen Künste, wo nicht besser, doch wenigstens so gut als wir, verstunden. deswegen mussten wir ungemein behutsam, nur und an solche Orte gehen, wo etwas geringere Personen über den Tölpel zu werffen waren.
Mittlerweile erwarben wir dennoch von Zeit zu Zeit so viel, dass es nicht nötig war die mitgebrachten Gold-Beursen anzugreiffen, wiewohl mein Stax mehr als ich vertat, indem er beständig den Huren nachlieff, und sich gegen selbige sehr spendable erzeigte, da im Gegenteil ich mich auf die Französische Sprache befliss; auch was weniges von dasiger Baukunst begriff, um zum wenigsten doch etwas löbliches in Frankreich vorzunehmen. Bei solcher gelegenheit geriet ich in die Bekandschafft zweier Mecklenburgischer junger Edelleute, die von einem Hofmeister geführt wurden; Weil nun der letztere sich durch meine redliche Stellung betrügen liess, so erlaubte er mir zum öfftern diese beiden jungen Herrn spaziren zu führen, zumahl, wenn er Lust haben mochte seinen eigenen Streichen nach zu gehen. Sie führeten starcke Gelder bei sich, welches mir eine höchst vergnügliche Sache war, sie deswegen in solche Compagnien führte, wo sich vor dergleichen junge Lecker allerhand Ergötzlichkeiten fanden, hergegen stellte ich mich an als ob das Spielen mir eine wiederwärtige Sache sei, zumahl, da leicht zu mercken, dass sie beiderseits starcke Liebhaber davon wären. Mein Camerad Stax muste endlich auch in ihre Bekandschafft kommen, dieser liess einen stärckern Appetit zum Spiele blikken, jedoch bei dem ersten, andern und dritten Umgange, die jungen Herrn so wohl als ihren Hoffmeister mehr als zwei oder drittehalb hundert Frantz Gulden gewinnen. Ich bekam davor, dass ich sie an einen so profitablen Ort geführt, von dem