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ich fand dieselbe bald in der grossen Mühle einer Welt-berühmten Stadt, wuste mich auch so wohl mit dem Meister als den Mahl-Gästen dermassen wohl zu vertragen, dass sich sonderlich die letzteren um meine Arbeit drängeten, denn es bekam von meinen Kund-Leuten ein jeder mehrenteils etwas mehr Mehl, als er mit Recht verlangen konte, allein, hieran war meine Redlichkeit am wenigsten Ursache, denn weil der Mit-Gesellen noch etliche waren, so wuste ich ihnen von dem Geträyde ihrer Kund-Leute, auch wohl zuweilen aus des Meisters Sacke selbst, immer so viel hinweg zu partieren, dass ich nicht allein solchergestalt Ruhm und Ehre, sondern auch gute Trinck-Gelder erwarb.

Weil aber doch alle mein Verdienst nicht hinlänglich war, ein solches herrliches Leben auszuführen, dergleichen mir im Kopffe schwebete, so suchte ich andere Gelegenheiten, mir gnugsames Geld in den Beutel zu schaffen. Das Würffel- und Karten-Spiel fiel mir als die aller reputirlichste Art in die gedanken, deswegen besuchte zum öfftern die SpielGelacke, jedoch mehrenteils mit dem allergrösten Schaden, weil gemeiniglich alles Geld, was die ganze Woche zusammen gesparet war, des Sonntags Abends auf einmal drauf zu gehen pflegte. Jedoch durch folgende gelegenheit, bekam mein Spielen bald ein ganz anderes Ansehen: Es hatten nämlich etliche Degen tragende Handwercks-Pursche, eines Abends einen starcken Verlust auf dem Spiele erlitten, gaben deswegen dem Schilderer oder Spielhalter ein und andern Betrug Schuld. Dieses war sonst ein Kerl, der sich nicht leichtlich auf der Nasen trommelen liess, allein voritzo waren ausser mir 9. Kerls gegenwärtig, von welchen allen er sich nichts, oder wenigstens nicht viel Guts zu versehen hatte. Es daurete mich, dass der Kerl, von diesen Purschen, worunter einige waren, denen noch der Milch-Brei am mund klebte, so viele Schnupff-Fliegen einfressen muste, ungeachtet ich ihm sonst ebenfalls nicht allzugünstig war, deswegen legte ich mich darzwischen und sagte: Ihr Herren, haltet das Spiel nicht auf, gefällt jemanden aber nicht mehr zu spielen, der halte sein naseweise Maul, oder ich werde mir die Mühe nehmen, ihm zum Fenster hinaus auf die Strasse zu werffen. Es war, wo mir recht ist, ein Stück von einem Apotecker-Gesellen darbei, der vielleicht mir wenig Courage zutrauen mochte, oder wenigstens ein gut teil mehr als ich zu haben vermeinete, dieser führte das Wort, und gab mit verächtlichen Geberden zu vernehmen, dass ich keine Ehre zu reden hätte. Monsieur sprach ich, den Augenblick marchirt zur tür hinaus, oder es soll mich sehr jammern, wenn ich euch in den Stand setzte, wenigstens in 4. Wochen keine Büchse zu binden zu können. Der Eisenfresser zog vom Leder, ich liess ihn zweimahl auf mein Spanisch Rohr hauen, hierauf konte er sich nicht so geschwind umsehen, als sein rechter Arm schon morsch entzwei gebrochen war. Demnach entblösseten die andern 8. alle ihre Degen gegen mich, der Spiel-Halter wolte mir zu Hülffe kommen, allein ich stiess ihn zurück, und prügelte, binnen einer Zeit von weniger als 5. Minuten, mit meinem Spanischen Rohre alle zur stube hinaus, biss auf den letzten, welchen, um mein Wort zu halten, seines naseweisen Mauls wegen zum Fenster hinaus auf die Strasse steckte. Dieser Streich brachte mir bei allen Kunst- und Handwercks-Gesellen, eine grosse Ehrfurcht, und dann, welches der beste Vorteil zu sein schien, des ermeldten Spiel Halters vollkommene Freundschafft zu wege, so dass er mir alle seine subtilen Griffe, sich und diejenigen, welche es mit ihm hielten, zu bereichern, der Länge nach heraus beichtete, und mich solchergestalt zu seinen allervertrautesten Dutz-Bruder machte. Demnach ging keine Woche hin, dass ich nicht auf dem Spiel-Tische, 10. 20. biss 30. Taler gewonnen hätte, wovon mein Dutz-Bruder wenigstens den 3ten teil haben muste. Hergegen, weil er ein guter Fecht-Meister war, erlernete ich von ihm bei täglicher Ubung, das Fechten mit dem Degen und Pallasch nach der Kunst, weswegen ich mich ein vollkommen geschickter Kerl zu sein bedüncken liess. Er wolte mich zwar auch das zierliche Tantzen lehren, allein, weil ich ein ganz besonderer Feind vom Weibs-Volcke, und mit ihnen umzugehen, fast wieder meine natur war, so gereichte mir auch das Tantzen zum Eckel, hergegen war spielen, sauffen und schlagen mein einziges Vergnügen, als welche drei S. mehr als zu stark sind, einen jungen Menschen um das 4te gedoppelte S. nämlich der Seelen-Seeligkeit zu bringen.

Allein dazumahl gedachte ich nicht einmal daran, dass eine Seele in meinem körper stäcke, geschweige denn, dass ich mich bemühen müste: durch Gebet und Christlichen Wandel, derselben nach dem tod ein gutes Quartier zu bereiten, ja es war schon dahin mit mir gekommen, dass ich weder an den Morgen noch Abend-Seegen gedachte, die Tisch-Gebete mit grössten Verdruss anhörete, ausser diesem, bereits seit zwei Jahren oder etwas länger, in keine Kirche, vielweniger zum heil. Abendmahle gegangen war.

Ein schönes Leben vor einen Menschen, der in seinen besten Jünglings-Jahren stunde. Wäre es auch zu bewundern gewesen, wenn GOtt mich dieserwegen in der besten Blüte meines Lebens, aufs schändlichste verdorren lassen, jedoch seine Langmut erstreckte sich noch weiter. Denn so bald ich ein ansehnliches Stücke Geld auf solche subtile Diebes-Art