Strümpffe und dann ein Hessisches 3. Ggr.-Stück brachte. Die gute PfarrFrau konte mich unmöglich erkennen, weil mein Bart und die Haare sehr verwildert waren, sie auch mich nicht einmal recht im gesicht hatte, deswegen ware ihre Mildigkeit aus der reichlichen Gabe mehr als zu klar zu spüren. Mir wurden durch verschiedene Gemüts-Bewegungen die hellen Tränen-Tropffen aus den Augen getrieben, so dass, nachdem ich meine Dancksagung der Magd mit jämmerlichen Gebärden aufgetragen hatte, dieselbe mich fragte: ob ich etwa kranck oder beschädigt wäre? Ich beantwortete solches mit Seuffzen und Tränen, suchte aber mit betrübten herzen den Rückweg, jedoch da ich kaum hundert Schritte hinweg war, kam mir die Magd mit einem halben Brodte und zweien Knackwürsten nach gelauffen welche mir die Frau Pfarrerin auf ihren Bericht, dass ich vielleicht hungerig sein würde, übersendete. Saget eurer Frauen, sprach ich, dass ich ihr von Grund des Hertzens danckte, und alle beständige Glückseligkeiten anwünschte, denn die zeiten sind veränderlich, wie an mir zu sehen ist, da ich eure Frau vor etlichen Jahren am fest Mariæ Heimsuchung zum ersten mahle musiciren sah, hätte ich nicht vermeinet, dereinst vor ihre Tür betteln zu kommen. Die Magd lieff fort, und ich machte mich in die Schencke, nicht so wohl aus Appetit zum Essen und Trincken, als, etwa in einem Winckel, ein wenig zu ruhen, und meinem Unglücke in der Stille nachzudencken.
Allein, ich hatte wenig Ruhe, denn erstlich wurde von vielen Leuten vexiret, ihnen die Art meiner letzteren Plünderung zu erzehlen, und hernachmahls schickte der Pfarrer etliche mahl, und liess mich bitten, nochmahls in seinem haus einzusprechen, weil er aus gewissen Umständen, einen verunglückten bekandten Freund an mir vermerckte. Ich entschuldigte mich zwar mit einer Unpässlichkeit, allein gegen Abend kam der Pfarrer mit seiner Liebsten selbst, mich aus der Schencke in ihr haus abzuführen. Solchergestalt wurde das Rätzel, warum ich mir seit 6. Jahren den Kopff ziemlich zerbrochen, sehr plötzlich aufgelöset, denn dieser Herr Pfarrer war kein anderer als derjenige Schwartz-Rock, welcher mir im Postause meine Liebste abspenstig gemacht hatte, und zwar unter dem Scheine, dass er ihr die Irrtümer der Römischen Kirche entdecken wollen, allein, er hatte ihr unter solchem Deck-Mantel, seine Liebe entdeckt, und meine Liebste, als eine von Jugend auf delicat erzogene person, war freilich eben nicht zu verdencken, dass sie sich von einem reichen Priesters-Sohne, der eben im Begriff war, seinem Vater substituirt zu werden, einnehmen lassen, da er ohnedem vor einen sehr ansehnlichen Menschen passiren konte. Der listige Betrug biss mich zwar immer noch am herzen, allein, was war nunmehr besser zu tun, als sich in die Zeit zu schicken? Demnach konte ich ihren unablässigen Nötigen endlich keinen fernern Widerstand tun, sondern liess mich von diesen beiden Ehe-Leuten, an beiden Händen in ihr haus führen.
Man bedencke was dergleichen Aufzug, wenn nämlich ein ansehnlicher Priester, nebst seiner schönen Ehe-Frau, einen jämmerlich zerlumpten Handwercks-Purschen, ja besser gesagt, Bettler, bei den Händen in ihr haus einführen, vor ein aufsehen in einem sehr volckreichen Dorffe machen kan. Ich schämete mich mehr als sie selbsten, allein versichert, solche Humaniteé veränderte mein Gemüte dergestalt, dass ich allen Kummer und Verdruss schwinden liess, und zu ihrer vergnügten Ehe, aus getreuen herzen gratulirte, und mich glücklich schätzte, ein Werckzeug zum Wohlstande solcher Personen gewesen zu sein.
Ich will, um fernere Weitläufftigkeit zu vermeiden, nicht anführen, wie die gespräche unter uns gefallen sind, sondern nur melden, dass die wohltätigen Leute gleich folgenden Tages, einen Schneider aus der nächsten Stadt kommen liessen, welcher alles Behörige mitbringen, und mir in der Geschwindigkeit ein vortreffliches neues Kleid verfertigen muste, welches wenigstens auf etliche 20. Tlr. zu stehen kam, über dieses versorgte mich meine ehemahlige Liebste mit sauberer Wäsche und andern höchstnötigen Sachen, dem ungeachtet muste ich einen ganzen monat bei ihnen bleiben, da mir aber unmöglich war, fernere Ungelegenheit zu verursachen, und ich mich verlauten liess: ehe heimlich fort zu gehen, als Dero Güte noch länger zu missbrauchen, wurde ich endlich mit 30. Frantz-Gulden abgefertiget, und gebeten, so bald es meine gelegenheit zuliesse, ihnen wieder zuzusprechen. Ich wegerte mich durchaus, mehr als einen eintzigen Gulden Zehr-Geld anzunehmen; allein, der treuhertzige Pfarrer sagte: Mein Freund, ich bitte gar sehr, macht keine Weitläufftigkeiten, dieses Bagatell anzunehmen, welches wir euch aus besten Gemüte geben und gönnen, ich bin euch ein weit mehreres schuldig, allein bedencket: dass ich seit wenig Jahren her ein grosses durch Rauberei und andere Unglücks-Fälle verlohren habe, indessen weil ich nicht zweiffele, dass mir GOtt, vermittelst meines sehr austräglichen PfarrDiensts, den Schaden gar bald wieder ersetzen wird, so stehet euch mein haus, Küche und Geld-Beutel jederzeit offen, kommet alle Jahr etliche mahl, und verlanget einen teil unseres Vermögens, es soll euch mit grössten Vergnügen gereicht werden, denn meine Liebste und ich lieben euch als einen leiblichen Bruder. Auf dergleichen redliches Anerbieten, konte ich mit nicht so viel Worten als Tränen antworten, küssete deswegen beiden Ehe-Leuten die Hand, und nahm mit den hertzlichsten Glückwünschungen, nebst dem offerirten Geschencke, danckbarlichen Abschied.
Ob eine grosse Anzahl solcher redlichen Leute, auch so gar unter den Geistlichen in der