1731_Schnabel_088_257.txt

paar Cavalier nötig haben. Vor uns beide aber liessen wir ein paar Laqveien-Kleider machen. kurz! wir fädelten alle Anstallten, die beiden Nonnen in Officiers Habiten fortzubringen, dermassen klüglich und listig ein: dass wir an glücklicher Ausführung unseres Vorhabens nicht im geringsten zweiffeln konnten. Mein Compagnon bestellete also nach völlig genommener Abrede, in der nächsten Stadt eine Extra-Post, welche auff einen gewissen Tag und Stunde parat stehen sollte, ein paar Officiers mit ihren Dienern abzuführen. In unserer Vorstadt aber mietete er einen Lohn-Wagen, schaffte unsere übrige Sachen hinaus, und konte sich darauff verlassen, dass derselbe alle Minuten wenn es ihm beliebte, abfahren wolte. Die Officiers-Kleider und dazu gehörigen Sachen, practicirten wir bei Tage in die verschlossene Orgel, Abends aber verschlossen wir uns selbst mit Feuerzeugen und BlendLaternen hinein. Unsere Nonnen versäumeten nicht, sich zu bestimmter Zeit einzustellen, verschlossen sich mit den empfangenen Officiers-Kleidern, weissen Peruquen und allen Zubehör, in die Blasebalgs Cammer, kleideten sich um, und wurden hernach von uns glücklich zur Kirche, und in die Vorstadt hinnaus begleitet, wobei wir zugleich ihre eingepackten Nonnen-Kleider, nebst noch einigen andern mitgebrachten Sachen, unter unsern Mänteln mit fort trugen.

Es war Abends noch nicht völlig 10. Uhr, da wir die Stadt unseres bissherigen Auffentalts verliessen, mit anbrechenden Tage aber, bei der bestellten Extra-Post eintraffen, welche, immittelst wir nur einige Erfrischungen zu uns nahmen, sich völlig fertig machte, und aufs allergeschwindeste davon fuhr. Nachdem wir aber noch zwei frische Extra-Posten genommen, erreichten wir einen solchen Ort, wo, unter der Botmässigkeit eines protestantischen Landes-Herrn, sattsame Sicherheit anzutreffen war, deswegen liessen wir die allzukostbare Extra-Post zurück gehen, um etliche Tage daselbst auszuruhen. Binnen selbigen, hatten wir Zeit genug die Priorin und andern Closter-Schwestern ins Fäustgen auszulachen, zumahlen da unsere Geliebten erzehleten, wie sie beiderseits ihre Zellen aufs alterfesteste verschlossen, die Schlüssel aber so wohl als die Kirch-Schlüssel, nebst zweien Abschieds Briefen in ein SchnupffTuch gebunden und zwischen die Blasebälge gesteckt hätten, wo sie die Schwester Calcantin mit der Zeit schon finden würden. Ich und mein Compagnon liessen bei der gelegenheit vor unsere Liebsten feine Frauenzimmer-Kleider zu rechte machen, weil wir selbige in Officiers-habiten nicht weiter sicher durchzubringen getraueten, dieselben sich auch selbst ein Gewissen machten, ohne Not dergleichen Kleider ferner zu tragen, denn ich kan zu ihrer beider besonderen Ruhme nicht anders sagen, als dass sie sich ungemein fromm keusch und züchtig auffgeführet haben. Mein Compagnon, der ein Hesse von Geburt war, trennete sich nebst seiner Liebste in selbigen land von mir, und zwar in einer solchen Stadt, wo sich viele Studenten befanden. Der Abschied, welchen die zwei Closter-Schwestern von einander nahmen, war ungemein zärtlich, denn solchergestallt sollten sie sehr weit von einander zu wohnen kommen, weil aber ich mit meinem guten Freunde die Abrede genommen, an selbigen Orte so lange zu verweilen, biss unsere, bei dessen Anverwandten eingesetzten Sachen ankämen, und ihm seinen Coffre nach zu schicken, bewegte mich meine Liebste selbst öffters zu einem Spatzier-Gange, wobei sie nicht selten wünschte: bereits an Ort und Stelle zu sein, damit wir uns ordentlich copuliren lassen, und die Hausshaltung anfangen könnten, inzwischen aber war sie dermassen eigensinnig, dass mir mit guten Willen niemals erlaubt wurde, sie als meine verlobte Braut auf den Mund zu küssen, sondern sie sprach beständig: dergleichen Caressen gehöreten sich nicht ehe anzustellen, als nach beschehener Copulation.

Mittlerweile traff ich von ungefähr einen ehemahligen Neben-Gesellen an, welcher in dieser Stadt Meister geworden, und eine reiche Heirat getroffen hatte, derselbe liess nicht ab, biss ich versprach: folgenden Abend sein Gast zu sein. Meine Liebste erlaubte mir dieses, da ich aber bei guter Zeit wieder in unser Logis kam, traff ich sie mit einem schwartz gekleideten Menschen, der sehr wohl aussahe im eiffrigen Gespräch, bei einem kleinen Neben-Tische sitzend an, ungeachtet nun noch etliche Personen in der stube gegenwärtig waren, so entfärbte sich doch meine Liebste ziemlich bei meiner Ankunfft, jedoch ich gab ihr die freundlichsten Minen bat auch um erlaubnis mich bei ihnen niederzulassen, und dem schwartzgekleideten Herrn eine Pfeiffe Toback zu præsentiren, welche er mit gröster Freundlichkeit annahm, und darbei mich und meine Liebste so treuhertzig machte, ihm und den andern Anwesenden unsere ganze Lebens-geschichte zu erzehlen. Er bedanckte sich, da es fast Mitternacht war, vor die erzeigten Gefälligkeiten, wünschte sehr viel Glück zu unsern fernern Vorhaben, und bat: dass er sich die Freiheit nehmen dürffte, uns morgen früh mit einem Caffeé und Bouteille Wein zu tractiren, welches ich indessen annahm. Weilen aber dieses Menschen Conduite mir besonders artig vorkam, liess ich sehr frühzeitig alles zurechte machen, womit er uns tractiren wolte, und tractirete ihn den ganzen Tag hindurch aufs allerbeste. Nachmittags kamen meine und meines gewesenen Compagnons Sachen mit der Post an, welche letzteren ich auslösete, fortschaffte, und zu meiner morgenden Abreise Allstallt machte, dieserwegen auch gegen Abend ausging, um von ersterwehnten guten Freunde Abschied zu nehmen.

Den ehrlich scheinenden Schwartz-Rock, traff ich bei meiner Zurückkunfft, abermals bei meiner Liebste in eiffrigen Gespräch begriffen an, er nahm aber bald darauff Abschied, wünschte uns darbei auch eine glückliche Reise, und meine Liebste, die ich um die, mit