Gewissen, so gut als ich konte, erzehlete die ganze Sache mit ihren wahrhafften Umständen und wurde wieder zurück geführt, eine halbe Stunde hernach aber noch einmal so hart geschlossen.
Mein Meister, der jedoch ein sehr eiffriger Catolic war, hatte kaum erlaubnis bekommen können, mich mündlich zu sprechen, erforschete deswegen desto genauer, was die Sache nach meinem Vorgeben, vor eine Bewandniss habe, und da er endlich den Verlauff von mir vernommen, sprach er: Traget nur Gedult und bleibet bei der reinen Wahrheit, ich hoffe, ihr sollet Morgen oder Uber-Morgen bei dem Bischoff selbst zum Verhör kommen. Solches traff ein, denn nach Verlauff zweier Nächte, wurde ich von den Ketten befreiet, und gerades weges in den Bischöfflichen Pallast, ja so gar in dessen Zimmer geführt, wo derselbe auf seinem stuhl sass, und das wurmstichige Bildniss des heil. Bonifacii, auf einem kleinen Tische, vor sich liegen hatte. Zu seiner Seiten stunden verschiedene Bedienten, etwas weiter unten aber mein Ankläger, der meine Mütze mit den Kremnizer dukaten in Händen hatte, und denn mein Meister. So bald ich meinen Reverenz gemacht, fragte der Bischoff mit einer zornigen Geberde: Bist du der frevele Ketzer, welcher das wundertätige Bild des heil. Bonifacii, bosshaffter weise zerbrochen, und über dieses schimpfflich von demselben gesprochen hat? Hochwürdigster, Gnädigster Herr! gab ich zur Antwort, ich ruffe denjenigen GOtt, den so wohl die Luterisch-als die Römisch-Catolischen Christen anbeten, zum Zeugen an, dass ich dieses Heiligen Bild nicht mutwilliger oder bosshaffter weise zerbrochen, sondern gleichwie es dem Augenscheine nach, gar sehr wurmstichig, ist es mir unter den Händen entzwei gegangen, und zwar vermutlich nicht ohne sonderbare Göttliche Fügung, damit der darinnen verborgene Schatz, an 632. Stück Kremnizer dukaten, dem haus-Herrn zu gute kommen sollte. Ich bin allein gewesen, und hätte mit leichter Mühe dieses Geld bei seite schaffen können, allein mein Gewissen ist zu enge, dergleichen Gut, so mich nicht vor den Eigentums-Herrn erkennet, an sich zu bringen, hergegen hat es mich angetrieben, solches dem haus-Herrn einzuliefern, und auf eine, ihm selbst beliebige Discretion zu warten, jedoch meine Redlichkeit ist mir übel belohnet worden. Hierauf sah der Bischoff meinen Ankläger an, welcher in diese mir höchst empfindliche Worte ausbrach: Hochwürdigster! Dieser Kerl ist ein Schelm, wie alle Ketzer sind. Man lasse ihn auf die Tortur bringen, so wird er nicht allein gestehen, dass er das heilige Bild, welches ich höher als eine Tonne Goldes geschätzt und ihm täglich hundert Küsse gegeben, mutwilliger weise zerbrochen, sondern mir, daraus mehr als 1300. dukaten entwendet hat. Denn da mein seel. Gross-Vater auf dem TodtBette lag, seine Erben aber bei Vermissung 2000. Stück Kremnitzer dukaten, ihn befragten, wo er dieselben hingelegt hätte, wiese er beständig mit dem Finger auf den heil. Bonifacium, konte auch, weil ihm ein Schlag-Fluss die Zunge gelähmet, weiter nichts mehr heraus stammlen, als: San-ctus Bo-ni-fa-ci-us San-ctus Bo-ni-fa-ci-us hat-al-les. Dieses, sagte mein Ankläger weiter, weiss ich mich in meinem itzigen 68sten Jahre annoch wohl zu erinnern, als ob es vor acht Tagen geschehen wäre, ungeachtet ich damahls nur ein Knabe von 14. Jahren war. Wir sämtlichen Erben haben zwar nach der Zeit rund um das heil. Bild herum gesucht, aber nichts gefunden, biss es dieser diebische Ketzer endlich entdeckt, und mehr als die Helffte davon genommen hat. Gerechter Himmel! rieff ich hierauf aus, ist wohl möglich, dass in einer so kleinen Hölung mehr als so viel dukaten Raum haben? man lasse das Bild zerteilen und nachsehen, ob sich vielleicht noch mehr geheime Oeffnungen darinnen finden, ich bezeuge nochmals vor allen dem, was heilig ist, dass mir nicht mehr als 632. Gold-Stükke zu handen kommen sind, kan auch unmöglich glauben, dass etwa ein oder etliche Stück auf dem Boden des Zimmers sich verlauffen hätten, denn es ist alles glatt, eben und ohne Löcher. Der Bischoff betrachtete hierauff das Bild etwas genauer, und befand, dass die weiteste Hölung, in der Brust desselben war, von der Scheitel aber ging ein Loch herunter, dergleichen in den Spaar-Büchsen zu sein pfleget, welches zu alleroberst sehr dünne, und mit gelben Wachs voll gegossen war. deswegen liess er alles Wachs heraus schmeltzen, das Bild im Bruche ordentlich auf einander setzen, und die 632. Stück dukaten, einem nach dem andern, hinein zehlen. Da dieses geschehen, das Loch aber noch nicht erfüllet war, muste sein Schatz-Meister einen grossen Beutel mit Kremnitzer dukaten herbei bringen, deren etliche gezeichnet und hinnein gesteckt wurden, allein da der Schatz-Meister den dreizehenden dukaten hinnein gesteckt, war das Loch schon biss oben angefüllet. nachher muste mein Meister eine saubere Säge herbei schaffen, und das Bild von unten auf, in 4. Teile schneiden, allein es fand sich weder Gold noch fernere Hölung darinnen. Mein Ankläger bestund also wie Butter an der Sonnen, und ob er gleich noch viele Winckel-Höltzer machen wolte, so kehrete sich dennoch der Bischoff nicht im geringsten daran, sondern tat zu meiner, und aller Menschen gröster Verwunderung diesen unerwarteten Ausspruch: Höret mein Freund