in unserm haus, teils schlecht, teils gar nicht anzutreffen, waren.
Mein armer einfältiger Bruder muste zwar nachher das Gelach bezahlen, indem Vater, Mutter und alles, über ihn allein her war, allein was halffs? geschehene Dinge konnten nicht geändert werden. Ich trug dem Herrn Pfarrer sein Paquet hin, und bekam von demselben eine nochmahlige gute Vermahnung, ihm mein Wort zu halten, und ja bei leib keine Zoten-Lieder mehr zu lesen, vielweniger zu singen. Allein, ob ich auch schon den ernstlichen Vorsatz gefasset hatte, so wurde doch derselbe des leidigen Geld-Verdienstes wegen, nicht allein von üppigen Leuten, sondern so gar von meinem Vater selbst, in wenig Tagen dergestalt zernichtet, dass ich nicht allein meine alten Lieder wieder hervor suchte, sondern auch gegen die HerbstZeit, da es die meisten Hochzeiten zu geben pfleget, einen eigenen Weg in die Stadt vornahm, um von dem Buchdrucker etwa vor einen halben Taler neue Lieder zu kauffen.
Jedoch ich kam bei demselben sehr übel an, denn so bald ich mein Gewerbe mit der grössten Freundlichkeit vorgebracht, stiess der Buchdrucker die schändlichsten Läster-Reden gegen mich aus, und schloss endlich mit solchen tröstlichen Worten: Geh du Spion, du Schelm an den hellen lichten Galgen, und sage dem, der dich abgeschickt hat: er soll sich um seine Postillen-Reuterei und um die weiten Ermel am pfaffen-Rocke bekümmern, andere ehrliche Leute in ihrer Nahrung aber ungehudelt lassen. Da ich nun bald merckte, wohin der erboste Mann zielte, und was er vor einen wunderlichen Argwohn auf meine Unschuld gelegt hätte, eröffnete ich ihm das Verständniss, mit treuhertziger Erzehlung meiner neulichen Verdrüsslichkeiten, und erhielt endlich mit grosser Mühe von ihm, was ich so eiffrig suchte.
Es ist aber hierbei zu mercken, dass, wie ich nachher erfahren, dieser Buchdrucker jederzeit vor einen besonders frommen Mann gehalten sein, und dem Scheine nach, allen Heiligen die Füsse abbeissen wollen, wie er sich denn auch überall gerühmet, er liesse seine Schrifften durchaus zu keinen ärgerlichen Sache gebrauchen, und wenn er vor jeden Bogen 1000. Tlr. zu verdienen wüste, in der Tat aber war er ein ErtzHeuchler, der, wie man nachher erfahren, die allerliederlichsten Sachen von der Welt gedruckt hat, und zwar um einen weit geringern Preiss, als andere seines gleichen. Wegen meiner Begebenheit, hatte ihm unser Pfarrherr, in einem Brieffe, das Gewissen ziemlich geschärfft, und solchergestalt seine Galle über alle massen aufgerühret, jedoch letztlich, nachdem ich ihm meine Unschuld mit den glaubenswürdigsten EidSchwüren dargetan, wurden wir wiederum gute Freunde, und ich bekam die neue Versicherung, ihm jederzeit willkommen zu sein, wie er denn auch nachher durch mich allein, manches hundert von dergleichen und andern Lust erweckenden Sachen loss wurde.
Unter dergleichen löblicher Lebens-Art, war nun fast mein 15 des Lebens-Jahr verstrichen, und weil ich schon ziemlich kunstmässig auf der Orgel und andern Instrumenten spielen konte, liess sich mein Vater endlich durch das Zureden reputirlicher Leute bewegen: mich zu einem Stadt-Pfeiffer in die Lehre zu verdingen, damit ich nach ausgestandenen 5. Lehr-Jahren, vor einen zukünfftigen Kunst-Pfeiffer-Gesellen passiren könnte. Mein Lehr-Printz nahm mich mit Freuden vor ein Blutweniges Lehr-Geld an, in Erwegung dessen, da ich schon geschickt war, ihm gute Dienste zu leisten, allein weil ich mich bei den blasenden Instrumenten allzuscharff angriff, ausserdem das starcke Bier-Wein- und Brandtewein-Trincken allzusehr liebte, stelleten sich gleich nach Verlauff meines ersten Lehr-Jahres hefftige Blutstürtzungen ein, welche mich dergestalt ausmergelten, dass sich endlich mein Vater gezwungen sah, seinen liebsten Sohn wieder nach haus zu nehmen. Es sah eine Zeitlang sehr schlimm mit mir aus, ja der Doctor, welchen mein Vater mehrenteils alle Woche aus der Stadt holen liess, zweiffelte selbst an meiner Wiedergenesung, jedoch nachdem ich über andert-halb Jahr gekränckelt, fand sich die Besserung nach und nach vollkommen wieder.
Währender meiner Kranckheit hatte mich unser Herr Pfarrer sehr fleissig besucht, und einen ziemlich veränderten Menschen aus mir gemacht, so dass ich durchaus kein musicalisch Instrument, zu Beförderung üppiger Lüste mehr anrühren wolte, ja es stellte sich bei mir ein Eckel, fast überhaupt gegen alle Music ein, wovon ich doch sonsten ein so grosser Liebhaber gewesen. Mein Vater wolte zwar durchaus haben, dass ich wieder zum Stadt-Pfeiffer in die Lehre gehen sollte, da aber der Pfarrherr ungefähr in einer Predigt den Spruch mit anbrachte: Siehe zu, du bist gesund worden, sündige hinfort nicht mehr, auf dass dir nicht etwas ärgers wiederfahre; ging mir derselbe dermassen zu herzen: dass ich augenblicklich noch in der Kirche den Schwur tat, die Music liegen zu lassen, hergegen ein anderes ehrliches Handwerck zu erlernen. Noch selbigen Sonntags gegen Abend ging ich zu dem Pfarrherrn, mich wegen dieses Vorsatzes seines Rats zu erholen, dieser schlug mir sehr erfreuet die Organisten-Kunst vor, weiln ich doch schon etwas davon gefasset hätte, allein auch dazu war bei mir alle Lust verschwunden. Andere Künste zu erlernen, schien etwas allzu kostbar, deswegen fiel mir endlich das Tischler-Handwerck ein, und zwar bei der gelegenheit, da unsers Pfarrherrns Bruder, als ein berühmter Meister, in dasiger Kirche einen neuen Altar, Cantzel, Tauffstein und Orgel bauen halff.
Anfänglich wolte zwar, so wohl bei dem Pfarrherrn als bei dem Meister,