Welt, einige GemütsRuhe finden, und meine Schmertzen bei der begrabenen geliebten Urheberin derselben in der Neuen Welt zurück lassen könnte. Dieses mein Vorhaben entdeckte ich dem kapitän, als unsern Gouverneur, welcher mir nicht allein die hierzu benötigten freiwilligen Leute, sondern auch eins der besten Schiffe, mit allen Zubehör versehen, auszulesen, ohne die allergeringste Schwierigkeit, vielmehr mit rechten Freuden, erlaubte. Jedoch mich inständig bat, bald wieder zu kommen, zumahlen, wenn ich meine Meublen und Baarschafften wohl angelegt hätte.
Ich versprach alles, was er von mir verlangte, und seegelte, nachdem er mich mit vielen wichtigen Commissionen und guten Pasporten versehen, im Nahmen des himmels von der mir so lieb gewesenen Insel nach Europa zu, und kam, ohne besondere Hinderniss, nach verflossener ordentlicher Zeit glücklich in Amsterdam an.
Binnen 2. Monaten richtete alle mir aufgetragene Commissionen aus, überliess das Schiff an meines Capitains Compagnons, und gab ihnen zu verstehen, dass erstlich in mein Vaterland reisen, und mich allda resolviren wolte, ob es weiter mein Werck sein möchte, wieder in See zu gehen oder nicht. Packte nachher alles mein Vermögen auf, und ging nach Lübeck zu meinem ehemahligen Patrone, der mich mit grössten Freuden empfing, in sein haus auf so lange aufnahm, biss ich einen richtigen Schluss gefasset, wohin mich nunmehr wenden wolte. Da mir aber dieser mein Patron erzehlete, dass sein Sohn, mit dem ich ehemahls in Grypswalde studiret, nunmehr vor ein paar Jahren einen ansehnlichen Dienst in Dantzig bekommen hätte, machte mich auf die Reise, ihn daselbst zu besuchen, nachdem ich vorher meinem Bruder, der ohne mich der jüngste war, schrifftlich zu wissen getan, dass er mich in Dantzig antreffen würde.
Derselbe nun hatte sich nicht gesäumet, sondern war noch zwei Tage eher als ich bei dem beschriebenen guten Freunde eingetroffen, indem nun ich auch arrivirte, weiss ich nicht, ob ich bei dem Bruder oder dem Freunde mehr Freude und liebes-Bezeugungen antraff, wenigstens stelleten sie sich einander gleich. Nachdem wir uns aber etliche Tage rechtschaffen mit einander ergötzt, schickte ich meinen Bruder mit einem ansehnlichen Stück Geldes nach meinem vaterland, und überliess ihn die sorge, durch einen geschickten Juristen, einen Pardon-Brief bei der höchsten Landes-Obrigkeit vor mich auszuwircken, wegen des in Franckfurt erstochenen Studenten. Weil nun mehrenteils auf der Welt das Geld alles ausmachen kan, so war auch ich in diesem Stück nicht unglücklich, sondern erhielt nach Verlauff etlicher Wochen den verlangten Pardon-Brief, und konte nach genomenen zärtlichen Abschiede von meinem Freunde sicher in meine Geburts-Stadt reisen, nachdem ich in Dantzig die Zeit ungemein vergnügt zugebracht, und mit den vornehmsten Kauff- und andern Leuten genaue Kund- und Freundschafft gepflogen hatte.
Meine Geschwister, Bluts- und Muts-Freunde empfingen mich mit ganz ausserordentlichen Vergnügen, konte also in den ersten 4. Wochen wenig tun, als zu gast gehen, nachher liess mich zwar bereden, daselbst in Ruhe zu bleiben, zu welchem Ende ich ein schönes Gut kauffen, und eine vorteilhafft Mariage treffen sollte, allein, weil es vielleicht nicht sein sollte, muste mir eine unverhoffte Verdrüsslichkeit zustossen, die zwar an sich selbst wenig importirte, allein ich ward auf einmal capricieus, setzte meinen Kopff auf, resolvirte mich, wieder zur See zu gehen, und reisete, nachdem ich mich über ein Jahr zu haus aufgehalten, meine Verwandten und Freunde auch reichlich beschenckt, ohne fernern Zeit-Verlust wieder nach Amsterdam.
Es hielt daselbst nicht schwer, einen neuen Brief vor mich als kapitän eines Frei-Beuter schiffes heraus zu kriegen, zumahl da mich selbst equippiren wolte, ich warb Leute an, bekam aber, wie ich nachher erfahren muste, zu meinem Unglücke den Abschaum aller Schelmen, Diebe, und des allerliederlichsten Gesindels auf meinem Schiff, mit selbigen wolte ich nun eine neue Tour nach West-Indien vornehmen, so bald mich aber nur auf dem grossen Atlantischen Meere befand, änderten sie auf Einraten eines Ertz-verruchten Bösewichts, der sich Jean le Grand nennete, und den ich wegen seines guten Ansehens und verstellten rechtschaffenen Wesens, zum nächsten Commandeur nach mir gemacht hatte, ihre Resolution, und zwungen mich, sie nach Ost-Indien zu führen. Ihr ungestümes Wesen ging mir zwar sehr im Kopffe herum, jedoch ich muste klüglich handeln, und mich in die Zeit schicken, da aber ihre Bossheit überhand nahm, und von einigen die verzweiffeltesten und liederlichsten Streiche gemacht wurden, liess ich die Rädels-Führer exemplarisch bestraffen, setzte auch hiermit, meines Bedünckens, die übrigen alle in ziemliche Furcht. Immittelst waren wir allbereit die Linie passiret, als uns ein entsetzlicher Sturm von der Ost-Indischen Strasse ab- im Gegenteil nach dem Brasilischen Meere hin-, wo das Mittägliche America liegt, getrieben hatte. Ich brauchte alle meine Beredsamkeit diesen uns von dem Glück gewiesenen Weg zu verfolgen, und versicherte, dass wir in America unser Conto weit besser finden würden, als in Ost-Indien; allein, meine Leute wolten fast alle anfangen zu rebelliren, und durchaus meinem Kopffe und Willen nicht folgen, weswegen ich ihnen auch zum andern mahle nachgab, allein, sie erfuhren es mit Schaden, weil wir in öfftern Stürmen bei nahe das Leben und alles verlohren hätten. Endlich erholeten wir uns auf einer gewissen Insul in etwas, und waren allbereits den Tropicum capricorni passiret, da mir die unruhigsten Köpffe abermals allerhand verfluchte Händel auf dem