schreiben gelernet, wolte sich zu nichts anders als dem Acker-Baue beqvemen, wurde deswegen darbei gelassen, ich als der jüngste aber, hätte es vermutlich etwas weiter bringen können, wenn mich der Vater nicht sehr frühzeitig mit auf die Hochzeiten und andere Aufwartungen genommen; alwo ich die Pratsche par force mit spielen muste, es mochte auch klingen oder klappen, jedoch ausser der Zeit, wenn nämlich nichts zu tun war, hatte doch mein Vater die Sorgfalt, mich dann und wann wieder in die Schule zu schicken, und weil ich eine Sache weit leichter, als mein Bruder, fassen konte, so geschahe es, dass mir nebst dem Lesen, Schreiben und Rechnen etwas weniges vom Donate in den Kopff gebracht wurde. Um die haus-Arbeit aber durffte ich mich wenig oder nichts bekümmern, sondern ausser den Schul Stunden, meine Zeit auf das Hacke-Bret, Schallmeie und Discant-Geige wenden, und solchergestalt sah ich schon in meinem 12ten Jahre, einen halb vollkommenen musicalischen Pfuscher so ähnlich, als ein Ei dem andern.
Mein Vater hatte eine besondere Freude: dass ich in seiner Profession so trefflich wohl einschlug, und bei so jungen Jahren mein Brod, nicht allein mit musiciren, sondern vielmehr mit haseliren verdienen konte. Denn ich machte mich mit den vornehmsten Lieder-Trägern bekandt, kauffte ihnen jederzeit die neusten und lustigsten Lieder ab, lernete dieselbe aufs beweglichste singen, auf dem Hacke-Brete selbst dazu spielen, verdiente also, zumahlen wenn der Vater den Bass dazu brummete, manchen schönen Groschen besonders, welches Geld ich aber mehrenteils dem Schulmeister zuwendete, der mir die Noten und das Orgel-Spielen lernen muste.
Dem Schulmeister, stunde mein anschlägischer Kopff vor allen andern sehr wohl an, denn ich lernete einen feinen Discant singen, also konte er mich bei seiner Kirchen-Music, die mein Vater und seine Consorten, wenn sie mitspielen sollten, vorher auswendig lernen mussten, sehr gut brauchen, vor allen Dingen war ich ihm ein sehr nützlicher Pursche, wenn wir um die neue Jahrs-Zeit stapuliren gingen, und auf den umliegenden Dörffern das neue Jahr sungen, denn solches währete gemeiniglich 14. Tage, biss 3. Wochen, wir nahmen aber täglich, selten mehr als ein oder ein halbes Dorff vor, setzten uns hernach Abends in die Schencke, wo ich gemeiniglich mein kleines Hakke-Bret und des Schulmeisters Geige aufzuheben gegeben hatte, fiengen an zu singen und zu musiciren, nahmen uns öffters auch kein Bedencken, zum Tantze aufzuspielen, da denn alt und jung, Geld über Geld gab, und dazu Maul und Nase über solche Virtuosen aufsperrete. Von allem was wir verdienten, bekam ich den halben teil, es müste denn sein, dass der Schulmeister die Teilung nach seinem Gefallen gemacht hätte, wie ihm denn mein Vater, da er sich hernachmahls mit ihm zanckte, dessfalls eines offenbaren Betrugs beschuldigte, jedoch ich, meines Orts war vollkommen zu frieden, wenn ich so lange es währte, alle Tage 8. 10. ja gar biss 12. Groschen verdienen konte, wovor mir meine Mutter rote Brust-Lätze, schöne Schuh und Strümpffe kauffen muste, bundte Bänder aber bekam ich zur Gnüge von den Bauers-Töchtern auf den Hochzeiten geschenckt.
Allein der Handel zwischen mir und dem Herrn Schul-Meister kam endlich vor unsern Pfarr-Herrn, der dem erstern das Cantate legte, meinen Vater und mich aber ebenfalls zu sich beschied, den erstern einen derben Verweiss gab: dass er mich in allen ärgerlichen Leben erzöge und allerlei Schand-Lieder zu singen erlaubte, ja noch seine Freude darüber bezeugte, mir aber drohete er mit der Zurückstossung vom Beicht-Stuhl und heil. Abendmahle, (als welches ich in meinem 14ten Jahre zum erstenmahle empfangen wolte,) woferne ich mich nicht bessern, und in der Güte von solchen Schand Possen ablassen würde. Diese Drohungen verursachten unserseits doch so viel, dass wir dieses beste Stück unserer Profession etwas heimlicher trieben, hergegen desto mehr Geld damit verdienten, und weil der Pfarrherr einige Kundschafft darauff gelegt und erfahren hatte, dass ich an etlichen Orten, wo ich aber wohl wuste, dass ich meine Aufseher hatte, durchaus keine Zoten-Lieder singen wollen, hielt er mich vor einen bekehrten Sünder, mitin vor seinen besten Beicht-Sohn. Aber der fromme Mann erfuhr bald, wie er sich in seiner Meinung schändlich betrogen, denn gleich des Tages darauf, nachdem ich zum heil. Abendmahl gewesen, wurde ich von meinem Vater in die nächst gelegenste Stadt geschickt, um Säyten und Colofonium einzukauffen, der Pfarrer hatte selbiges erfahren, gab mir also einen Brieff an den Buchdrucker selbiger Stadt mit, nebst dem Befehle, ihm von besagten Buchdrucker einen Pack gedruckter Sachen mit zurück zu bringen. Nachdem ich nun meine Dinge in der Stadt meistens ausgerichtet, bei dem Buchdrucker aber eine gute Zeit aufgehalten wurde, indem er eine starcke Partei BettelLeute ebenfalls mit gedruckten Sachen abzufertigen hatte, welche Sachen ich aber nicht so genau bemercken konte, weil er in seiner kammer alles gar heimlich mit ihnen tractirte, in der stube aber nur sein baares Geld, vor die zusammen gepackten Sachen in Empfang nahm, erblickte ich doch endlich einen bedruckten Bogen unter dem Titul: Vier schöne weltliche lustige Lieder, das Erste: Lissetgen hat Studenten-Gut im arme etc. Das andere: Wer kan die krancken Jungfern trösten? der etc. Das dritte: Mei Hanns komm met mer ins Korn etc