meinem getäffelten Cabinet stunde, krahmete mit ein und andern Sachen, und sunge inzwischen etliche schändliche Verse eines geilen Buhler-Liedes, welches sich vor eine reputirliche Frau ganz und gar nicht geziemete. Indem nun eben im Begriff war, sie dieserwegen zu reprimandiren, hörete ich eine ganz leise herbei schleichende person folgende Worte sprechen: Ihr Knecht, Madame! wie stehts, werden sie bald fertig sein? Mademoiselle N. wartet mit Schmertzen auf sie, und die übrigen sind schon voraus. Lasset sie sein, gab meine Frau zur Antwort, wir wollen noch zeitig genug nachkommen, das Nikkelgen muss wohl warten, allein, mein Kind, du darffst nicht halb so ehrbar tun, denn wir sind alleine. Wo ist denn dein Mann? mein Engel, fragte der Courtoisan ferner, ich bin gekommen, ihn ehrentalber auch zu dieser Lust zu invitiren. Ach! schrye meine Frau, lass den Unflat ja zu frieden, der wird vor Mitternachts nicht aus dem Kohlen-Staube gekrochen kommen, denn er hat sich Essen und Trincken genug ins Laboratorium bringen lassen. Das ist ja vortrefflich, versetzte der Courtoisan, allein, solchergestalt wäre nicht uneben, wenn wir uns nach abgeschlossenen Türen ein kleines Vergnügen machten. ist es nicht zu viel, sagte meine Frau, dergleichen bei hellen lichten Tage vorzunehmen? Hierauf antwortete der Ehebrecher mit verschiedenen Küssen, die ein lautes Geklatsche verursachten. Bald hernach gingen beide hin, verschlossen und verriegelten die Türen, wobei meine geile Bestie noch diese Worte von sich hören liess: Mein Engel! wenn ja jemand anpochen sollte, so kanstu dich nur durch jene kammer über den gang in den Hof reteriren, du must dich aber ja in acht nehmen, denn die Breter sind auf dem Gange noch nicht angenagelt, und könnten leichtlich aufküpffen. Gut, gut! sprach der Cujon, führte hiermit das schändliche Weib zum Bette, und nahm eine solche verfluchte Arbeit mit derselben vor, die mich, der ich durch eine Spalte guckte, zu recht rasender Wut verleitete. Solchemnach ergriff ich ein an der Wand hangendes scharff-geschliffenes Couteau de chasf, stiess die Tür auf, und versetzte meinem Ehren-Schänder, der eben zurück springen, und seinen auf den Tisch gelegten Degen ergreiffen wolte, einen kräfftigen Hieb über den Kopff und gleich darauf einen Stich in die Brust, dass er augenblicklich zu Boden stürtzte, und in einer hässlichen Positur mit herabgefallenen Bein-Kleidern liegen blieb. Das ehebrecherische Weib sprung darvon, hatte sich aber doch nicht gnugsam vor demjenigen Unglücke hüten können, wovor sie nur kürtzlich ihren Schand-Bock gewarnet hatte, sondern war mit etlichen Bretern herab auf den scharffen Rand eines Brau-Bottichs gefallen, die nachschiessenden Breter und kleinen Schwellen aber hatten ihr gleich auf der Stelle das Hals-Genick und Rück-Grad abgestossen.
In meinem ganzen haus war keine eintzige Seele, welche nur das geringste von diesem Unheil gemerckt oder gehöret hatte, deswegen bedeckte ich den in seinen Sünden zerqvetschten und entseelten körper mit Bretern und Fässern, verschloss den Stall so wohl als alle andere Türen zur stube, worin der auch bereits verreckte Ehebrecher lag, aufs beste, nahm von meinem noch übrigen Gelde, Geschmeide und andern nötigsten Sachen so viel zu mir, als ich in und unter den Kleidern verbergen konte, und begab mich schleunigst auf die Flucht, war auch so glücklich, vor der Stadt einen geschwinden Post-Wagen anzutreffen, dem ich mich anvertrauete, und wenig Tage hernach eine sonst wohl bekandte Stadt erreichte, wo ich meine Kleider veränderte, und en Courier die Reise nach Hamburg antrat, von wannen ich bald hernach zu Schiffe nach Coppenhagen überging, mitin mein haus und übriges Vermögen alles im Stiche liess, um auch desto unbekandter zu leben, meinen ordentlichen Geschlechts-Nahmen veränderte, und mich Plager nennete. Wie es in meinem haus weiter zugegangen, zumahlen da man die entleibten körper gefunden, weiss ich nicht, habe mich auch niemals darum bekümmern wollen, hergegen zog ich mir die grausame jachzornige Übereilung dermassen zu Gemüte, dass ich fast in die allerelendeste Verzweiffelung gefallen wäre, jedoch ein vortrefflicher Priester in Coppenhagen, dem ich alles, was ich auf dem herzen liegen hatte, aufrichtig erzehlete, hat mich endlich in den Stand gesetzt: den Verzweiffelungsvollen Versuchungen des Satans jederzeit kräfftigen Widerstand zu tun, und mit ernstlicher Busse, bei GOtt die Vergebung aller begangenen Sünden zu suchen. Ja eben dieser gottselige Priester, hat nachher in meinem herzen einen vollkommenen Eckel gegen die betrüglichen Goldmacher-Künste angezündet, und mir zu täglichen Denck-Sprüchen unter andern auch folgende Lateinische und Deutsche Verse recommandiret:
Auri sacra fames quid non mortalia cogis
Pectora? res fallax, cognita sero, vale!
Verdamter Gold-Durst, hastu nicht so manches Hertz
in Schmertz gebracht?
Nun kenn' ich dich, du falsche Kunst, zwar etwas
spät, drum gute Nacht!
Ich habe nach der Zeit die Transmutationem Metallorum zwar vor kein solches geheimnis betrachtet, welches GOtt durchaus keinen sterblichen Menschen offenbahret habe oder offenbahren wolle, allein doch auf gründliche Vorstellungen des gottseeligen Priesters und Uberlegung meiner eigenen Erfahrung, dieserwegen ganz andere, als vormahlige Concepte gefasset, welche ich zu anderer Zeit eröffnen will.
Von selbiger Zeit an ergriff ich meine ordentliche Profession, nämlich die Mechanic, wieder, und habe, so lange ich nachher in Coppenhagen war, täglich sehr fleissig darinnen gearbeitet, wie mir solches gegenwärtiger Mons. Litzberg, der mich ungefähr 2. Jahr lang in Coppenhagen gekennet