1731_Schnabel_088_246.txt

selbigen Abend die Sache dergestalt heimlich, ab, dass sie mich bei Nachts-Zeit mit auf die Burg führeten, ihrem Principal mein hertzhafftes Unternehmen vorstelleten, und es endlich dahin brachten, den beiden berüchtigten Spitz-Buben entgegen gestellet zu werden, welche den strengesten Befehl erhielten: ihre gerühmte probe in meiner Gegenwart zu machen, und sich von mir tentiren zu lassen.

Ei Himmel! wie erschracken Meister Elias und Elisæus nicht, da ich ihnen so unvermutet vor die Augen kam, allein die abgefeimten Betrüger wusten sich augenblicklich in den Handel zu finden und anzustellen, als ob sie mich Zeit Lebens nicht mit Augen gesehen hätten. Ich sparete keine Mühe, den Eliam wegen seiner Verjüngerung, Entzückungen, geheimen Offenbahrungen und andern von ihm selbst erzehlten Streichen aufs allerempfindlichste zu schrauben, welches er aber alles ohne besondere Passion zu zeigen, einfrass, und sich nur darauf verliess, mir mit seiner listigen probe das Maul desto nachdrücklicher zu stopffen. Allein, darbei kamen mir des Meister Danielis Lehren trefflich zu statten, denn es traff alles accurat ein, was mir derselbe von des Eliæ Spitz-Buben-Streichen offenbahret hatte. kurz zu sagen: Elias konte zwar die probe in seinem selbst zubereiteten Schmeltz-Tiegel zu wege bringen, und 2. Lot Blei in Gold verwandeln, allein in keinem andern, ungeachtet ihm die allerstärcksten dargereicht wurden. deswegen nahm ich mit erlaubnis des Principals drei von des Eliæ Schmeltz-Tiegeln, setzte zwei ins Feuer, und liess, ohne dass jemand weder Blei noch sonsten etwas hinnein geworffen hatte, nachdem sie eine Zeitlang wohl geglüet hatten, aus jedem, 2. Lot feines Gold auf die Steine schütten, den dritten Schmeltz-Tiegel aber schlug ich mit einem Hammer in Stücken, entdeckte den darein gegossenen Gold-Staub und zugleich den ganzen Betrug, so, dass die beiden eingebildeten Künstler wie Butter an der Sonne bestunden. nachher da ich eine hinlängliche Nachricht, von den, mir und andern Leuten gespielten Schelm-Streichen abgestattet, und die am letzteren Orte vorgehabte grausame Filouterie dazu kam, hatte ich das Vergnügen, die beiden grossen Alchymistischen Welt-Lichter an zwei Schutt-Karne schmieden zu sehen, auf welchen sie den Unflat, in und um der Burg, hinweg schaffen mussten. Auf ihren hocherfahrnen Häuptern prangete eine grosse eiserne SturmHaube, mit angeschnallten würcklichen Esels-Ohren, über diesen ein eiserner proportionirlicher Galgen, in welchem eine kläglich lautende Kuh-Schelle hing. Das war also der Lohn solcher verzweiffelten ErtzBösewichter, denen alles gleich viel geschienen, ob sie hohe, mittelmässige, geringe, kluge oder einfältige Personen zu betrügen vor sich finden konnten, eine grosse Gnade hiess es, dass sie wegen ihrer erstaunlichen Verwegenheit nicht Hangel-Beeren fressen mussten, wie mein ehemahliger Compagnon Renard in Engelland, jedoch ich halte davor: dass dergleichen Straffe, vor Menschen von solcher Gattung, noch weit empfindlicher sei als der tot selbst.

Mir wurde an diesem hof eine nicht unebene Bedienung angetragen, allein ich deprecirte dieselbe aus keiner andern Ursache, als meinen Gross-Vater in seinem Alter zu assistiren, und meine Goldmacher-Streiche in Geheim darbei fortzuführen, reisete also mit einem guten Recompens von dañen.

Wenige Tage hernach liess ich mich an einem andern Orte dennoch überlistigen auf eine Zeit lang, als Mechanicus und Chymicus zugleich, in die Dienste einer gewissen Standes-person zu treten, weil selbige ungemein vorteilhafftig vor mich schienen. Zwar nahm ich erstlich noch eine Reise zu meinem GrossVater vor, allein, derselbe war bereits gestorben, und zu Vergrösserung meines Unvergnügens war, mein aus Engelland an ihn übermachter Wechsel, wegen des Banquerots des Wechsel-Herrens mit Protest zurück gegangen, deswegen muste mich mit 600. Tlr. ererbeter Gross-Väterlicher Gelder begnügen lassen, und wieder zurück an denjenigen Ort reisen, wo ich mich engagirt hatte. Ich etabilirte meine Hausshaltung sehr wohl, liess mich auch bereden, ein junges rasches Frauenzimmer zu heiraten, die der gemeinen Sage nach über 4000. Tlr. im Vermögen haben sollte, allein, da es nach der Hochzeit zur Untersuchung kam, fanden sich kaum 400. Tlr. HeiratsGut, welches den ersten Grund-Stein zu unserm Missvergnügen legte. Über dieses führte meine Frau einen ungemeinen Etaat, lebte herrlich, und hatte täglichen Besuch von guten Freunden, so wohl männliches als weibliches Geschlechts, die sie als ein gewesenes Hof-Frauenzimmer entweder bei hof oder sonst von Jugend auf gekannt haben wolten. Solchergestalt war ein starcker Aufgang in meiner Hausshaltung, mein meistes Geld aber, hatte ich in ein kostbares haus, und dann in das pestilentialische laboriren gesteckt, um nunmehr den Stein der Weisen mit Gewalt heraus zu zwingen.

Bei sotaner doppelten Arbeit und Sorgen, konte nun freilich auf meiner jungen Frauen Wirtschafft, nicht sattsame achtung geben, und ob ich gleich dieselbe auch nicht alle Stunden mit den zärtlichsten Caressen überhäuffte, so liess ich ihr dagegen in allen ihren Willen, nicht vermeinend, dass sie von der Art derjenigen Weiber sei, welche die, in dem LiebesWercke nachlässigen Männer mit Hirsch-Geweihen zu crönen pflegen. Allein, ich erfuhr selbiges leider zu meinem allergrösten Unglücke mehr als zu wahrhafftig, denn da ich mich eines Tages wegen hefftiger Kopff-Schmertzen ohnbewust meiner Frauen, im Cabinet der obern stube, ein wenig aufs Faulbette gelegt, kam meine Frau ganz eilig auf eben dieselbe stube gelauffen, klapperte mit den Schlüsseln, und schloss einen von ihren Wäsch-Kastens auf, der ganz nahe bei